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Eminem

Eminem

Hiphop lesekreis

Wie, der Rap God ist kein Jesus?

Superstar Eminem erklärt uns an der Seite von Superstar Beyonce, dass er genauso menschlich ist wie wir. Und das klingt als Song genauso Fremdscham-induzierend wie auf Papier, findet der FM4 HipHop-Lesekreis.

Von Stefan „Trishes“ Trischler

Dass bei Eminem wieder eine Platte im Anrollen war, konnte man sich schon anhand seines kürzlich erschienenen politischen Rap-Rants denken. Nicht, dass seine Wut auf den frühkindlichen Präsidenten nicht ehrlich und nachvollziehbar wäre. Aber die erwartbare controversy, die dieser Auftritt erzeugen würde, lassen sich ein Entertainment-Profi und sein Team eben nicht entgehen. Die erste Marketing-Welle für sein in zwei Wochen erscheinendes Album REVIVAL bewarb beispielsweise ziemlich raffiniert ein Heilmittel gegen Atrox rithimus - nur geschulten Lateinern fiel die Übersetzung furchtbarer Reim auf.

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Der FM4 HipHop-Lesekreis zum Nachlesen oder als Podcast.

Ob die Musik selbst ähnlich aufsehenerregend ausfällt wie ihre Vermarktung, werden wir in voller Länge erst am 15. Dezember hören. Die erste Vorab-Single Walk On Water ist dahingehend eher kein gutes Zeichen: Eminem macht den Jay Electronica und rappt nur über Klavier-Akkorde. Leider aber ohne den weit mäandernden Gedankenfluss des verschollenen Rappers aus New Orleans. DerKünstlerfrüherbekanntalsSlimShady bleibt inhaltlich auf bestens ausgelatschten Pfaden: Der große Druck, der auf ihm lastet, weil er seine besten Reime noch übertreffen muss. Die Selbstzweifel, die daraus resultieren. Und die überzogenen Erwartungen, die Fans an ihn haben, die ihn als gottgleiche Figur sehen. Er ist ja nur ein einfacher Mann, der sich zwar beizeiten als Rap God fühlte - aber sonst genau wie du und ich!

Derlei selbsttherapeutische Verse werden in diesem sich in Intensität und Wut steigernden Sprachfluss vorgetragen, der uns schon auf Eminems Gast-Vers bei Big Sean negativ aufgefallen war. Auch Queen Beyonce kann diesem recht einfallslosen Stück Einheits-Pop (bei dem übrigens Rick Rubin an den Reglern saß) leider keine Seele mehr einhauchen. Vor dieser ersten Zusammenarbeit der beiden Pop-Größen hatte Eminem übrigens 2006 im Song No Apologies einen Seitenhieb auf den Bauch der ehemaligen Destiny’s Child Frontfrau eingebaut, ihr Name kam im fertigen Song allerdings nur zensiert vor - die Telefonate rundherum hätten wir gerne gehört!

Das hatte der FM4 HipHop-Lesekreis mit Mahdi Rahimi, Ole Weinreich und meiner Wenigkeit sonst noch zu Walk On Water zu sagen:

FM4 HipHop-Lesekreis: Eminem ft. Beyoncé - Walk On Water

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