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Die neuen Therapie-Plätze bei Hemayat

Hemayat

Flüchtlinge warten noch immer lange auf Therapieplätze

Zu Besuch im Therapiezentrum Hemayat, das FM4 letztes Jahr im Rahmen von Licht ins Dunkel unterstützt hat.

Von Ali Cem Deniz

Zwei Jahre nach der großen Fluchtbewegung von 2015 betreut das Therapiezentrum Hemayat mehr traumatisierte Flüchtlinge als je zuvor. Obwohl die Anzahl an Therapiestunden und Behandlungen deutlich angestiegen sind, sind die Wartzeiten aufgrund der hohen Nachfrage gleich lang geblieben. Besonders groß ist der Andrang im Herbst, wenn geflüchtete Kinder mit der Schule anfangen.

„Wir merken, dass wir von Kindergärten, Schulen, Jugendamt und Betreuungseinrichtungen mehr Zuweisungen kriegen, weil die Kinder erst auffällig werden, wenn sie in einer Struktur sind. Dann fällt auf, dass sie aggressiv sind, oder sich nicht konzentrieren können, oder sehr still sind und sich zurückziehen.“, sagt Therapeutin Nora Ramirez Castillo.

Neue Kindertherapieplätze dank euren Spenden

Mithilfe der Spenden-Aktion von FM4 für Licht ins Dunkel konnte Hemayat für die Behandlung traumatisierter Kinder zwei neue Räume anmieten, einen für Kunst-Therapie und einen speziell für Kindertherapie.
In diesen Räumen finden jetzt Gruppen-Therapien statt. Davon profitieren vor allem Kinder, die im Kindergarten oder in der Schule Probleme haben. Gerade bei ihnen konnte die Wartezeit für Therapieplätze verkürzt werden.

Doch nicht nur bei Kindern gibt es einen großen Bedarf für Therapie. Erwachsene müssen weiterhin rund ein Jahr auf einen Therapieplatz warten. Und das obwohl Hemayat in diesem Jahr bisher 44% Prozent mehr Therapiestunden anbieten konnte.

Langer Weg zur Behandlung

Seit das EU-Türkei-Abkommen am 18. März 2016 in Kraft getreten ist, kommen deutlich weniger Flüchtlinge nach Österreich. Die Nachfrage nach Therapie-Plätzen steigt jedoch weiterhin an. Viele Folter- und Kriegsüberlebende entdecken erst nach einer gewissen Zeit das Therapiezentrum und sein -angebot. Bei manchen tauchen Symptome später auf und auch die langen ungewissen Asylverfahren können Menschen retraumatisieren.

Die neuen Therapie-Plätze bei Hemayat

Hemayat

Und auch die Tagespolitik in Österreich beeinflusst die Verfassung von Flüchtlinen: „Das politische und gesellschaftliche Klima spüren gerade geflüchtete Menschen. Das berührt sie.“, sagt Nora Ramirez Castillo. Neben den Kriegs- und Fluchterfahrungen sind die Asylverfahren wichtiges Thema in den Therapiegesprächen.

Mehr TherapeutInnen und ÜbersetzerInnen

Mit der steigenden Nachfrage ist auch das Team von Hemayat gewachsen. In diesem Jahr sind acht neue TherapeutInnen dazu gekommen. Bei den ÜbersetzerInnen wurde auch aufgestockt. Gefragt sind Sprachen wie Arabisch, Paschtu, Dari und Urdu.

In dieser Hinsicht gehört Hemayat zu den Ausnahmen. Im allgemeinen Versorgungssystem gibt es weiterhin viel zu wenige dolmetschgestützte Angebote. Das wirkt sich auch auf die Arbeit von Hemayat aus, sagt Therapeutin Nora Ramirez Castillo: „Gerade im Kinder- und Jugendbereich stellen wir manchmal im Erstgespräch fest, dass es sich vielleicht um ein logopädisches Problem handelt oder um eine Entwicklungsverzögerung. Da haben wir aber keine Stellen, an die wir zuweisen können, weil die sprachlichen Barrieren in diesen speziellen Bereichen sehr groß sind.“

Verkürzung der Wartelisten als oberste Priorität

Bei Hemayat haben inzwischen einige ehemalige DolmetscherInnen die Therapie-Ausbildung gemacht. Für das kommende Jahr will das Zentrum das angewachsene Team konsolidieren. Für Hemayat arbeiten 90 Personen in unterschiedlichem Ausmaß.

Die oberste Priorität bleibt jedoch die Verkürzung der Wartelisten, um den Menschen „das anzubieten, was sie brauchen, um in Österreich Fuß zu fassen und um die Schrecken der Vergangenheit hinter sich zu bringen.“

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