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Aktueller Musiktitel:

Mine und Fatoni in Berlin

Christian Lehner

Alle Liebe Nachträglich

Mine und Fatoni erzählen uns auf „Alle Liebe Nachträglich“ wie Beziehungen nicht funktionieren und gratulieren dieses Jahr live beim FM4 Geburtstagsfest.

Von Christian Lehner

Sie schreibt, singt und produziert die meisten ihrer Songs. Er rappt, schauspielert und hat eine Sendung auf Puls. Sie lebte in Mainz, er in München. Jetzt leben beide in Berlin – getrennt voneinander. Und sie lieben und haben darüber als Mine & Fatoni ein Album geschrieben. „Alle Liebe Nachträglich“ ist ein Beziehungs-Album zwischen Selbstverwirklichung und -verleugnung, zwischen „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“, zwischen Zucker und Salz. Und es ist ein Album zwischen Hip-Hop, Electro-Pop und ein bisserl Neo-R&B. Beim FM4 Geburtstagsfest in der Ottakringer Brauerei bringen Mine & Fatoni ihren Beziehungsblues auf die Bühne. Gesprochen haben wir mit den beiden schon jetzt.

FM4 Geburtstagsfest

Mein Fest, dein Fest, unser Fest!
Am Samstag, den 20. Jänner 2018, in der Ottakringer Brauerei in Wien. Beginn & Einlass: 20:00 Uhr

Line-Up
Beatsteaks, Kettcar, Dan Croll, Leyya, Mine & Fatoni, Intergalactic Lovers, Jordan Klassen, Kakkmaddafakka, Superorganism, The Crispies und Yukno.

FAQ
Was es sonst noch zum FM4 Geburtstagsfest zu wissen gibt.

Was stand am Anfang von „Alle Liebe Nachträglich“?

Fatoni: Am Anfang stand ein Bierchen. Wir hatten zuviel davon getrunken und dann kam die Idee, ein Liebes-Album zu machen. Daraus wurde dann aber ein Beziehungs-Album. Manche meinen sogar, es ist ein Schlussmach-Album geworden. Wir sind also mit unserem ursprünglichen Vorhaben gescheitert. Das liegt wohl an der Art, wie wir arbeiten und denken, nämlich getrennt voneinander. Es konnte also gar kein Liebesalbum werden.

Im Gegensatz zu Sonny and Cher seid ihr kein musizierendes Liebespaar. Bis vor kurzem habt ihr sogar in verschiedenen Städten gelebt. Wie ist es also zu dieser künstlerischen Liaison gekommen?

Mine: Vor Jahren hatte ich Fatoni um ein Feature für einen meiner Songs gebeten. Er meldete sich zurück. Mittlerweile haben wir mehrere Stücke zusammen gemacht und sind Freunde geworden. Wir nerden sehr viel über bestimmte Musikrichtungen ab und haben einen ähnlichen Geschmack.

Gab es von Anfang an die Idee, ein Album zu machen?

Fatoni: Unbedingt! Man überlegt natürlich schon, ob dazu nicht bereits alles gesagt wurde, aber Liebe und Beziehung, das ist so ein Thema, das ist nie erledigt. Wir hätten auch 15 Songs auf das Album packen können, haben uns aber von Anfang an vorgenommen, dass es genau zehn werden sollen.

Wie hat eure Arbeitsbeziehung funktioniert?

Mine & Fatoni in Berlin

Christian Lehner

Die typische Gen-Y-Beziehung? Vier Jahre miteinander was haben, aber nicht zusammen sein.

Fatoni: Mine hat alles produziert, da habe ich gar nichts dazu beigetragen! Und jeder hat seine Textparts selbst geschrieben, mit Ausnahme von ein, zwo Zeilen vielleicht. Ach ja, bei „Romcom“ habe ich auf einem Banjo gespielt.

Was ist eigentlich schief gelaufen? Warum ist aus dem Liebes-Album ein Breakup-Album geworden?

Mine: Die negativen Dinge sind doch immer die interessanteren. Man dreht und wendet sie und hofft, dass man dadurch weiterkommt. Dass es am Ende bloß ein klassischer Liebessong aufs Album geschafft hat, hat uns aber selbst überrascht. Ich denke nicht, dass es ein Breakup-Album geworden ist. Beschrieben werden die einzelnen Stadien einer Beziehung, egal was das für Menschen sind. Es könnte sich um hetero- oder homosexuelle Beziehungen handeln, aber auch um Beziehungen zu den Eltern und Freunden. Ich denke, es lässt sich leicht übertragen.

Man merkt, dass ihr aus dem eigenen Erfahrungsschatz geschöpft habt. Die Beschreibungen sind sehr detailreich und alltagsnah, wie zum Beispiel in „Romcom“.

Fatoni: Das hat sich im Prozess so ergeben und war keine bewusste Entscheidung. Wir haben Sachen rausgelassen, wo wir dachten, das geht jetzt wirklich niemanden was an. So direkt und persönlich habe ich aber davor noch nicht von mir erzählt. Ich habe so ziemlich jede längere Beziehung verwurstet und bin mir auch noch nicht sicher, ob das so super ist, wenn diese oder jene Ex-Freundin das hört.

Mine: Ich schreibe immer sehr autobiographisch. Neu war für mich diese Direktheit. Wer meine Sachen kennt, weiß, dass ich für gewöhnlich sehr metaphernreich erzähle. Aber wenn man sich einmal für diesen Weg entschieden hat, sollte man ihn auch konsequent zu Ende gehen.

Gibt’s ein Happy End in eurer Beziehungsstory?

Mine: Wir haben uns dagegen entschieden. Im Leben gibt’s diese Enden auch nicht. Die gibt’s nur im Film. Und das ist totaler Quatsch. Erzählt wird doch immer nur die turbulente Anbahnung einer Beziehung. Am Ende liegt sich das Paar glücklich in den Armen. Tatsächlich geht es ab diesem Zeitpunkt erst richtig los. Das Ende ist der Anfang. Das wird aber nie erzählt. Vielleicht taumeln deshalb so viele Menschen mit einer Hollywoodbrille durch ihr Liebesleben.

Fatoni: Glückwunsch ihr Lieben! Jetzt habt ihr genau ein glückliches Jahr vor euch, dann wird es Arbeit.

Was habt ihr für eure Beziehungen mitgenommen?

Fatoni: Wir haben sehr viel Feedback auf die erste Single „Romcom“ bekommen. Die hat offensichtlich einen Nerv getroffen. Die Erkenntnis ist leider negativ: Beziehungen sind furchtbar kompliziert und es scheint, als ob Menschen unvereinbar miteinander sind. Es ist einfach anstrengend.

Mine & Fatoni Cover "Alle Liebe Nachträglich"

Caroline

„Alle Liebe Nachträglich“ ist auf Caroline/Universal erschienen.

Warum klingt das Album dann trotz Beziehungsstress alles andere als frustriert?

Fatoni: Das Feedback auf die Songs, die ich am traurigsten finde, war oft : ‚Hey, ist ja lustig!‘ Man muss lachen, weil man sich in bestimmten Situationen wiedererkennt, frei nach dem Prinzip: ‚It’s funny, because it’s true‘. Eigentlich müsste ich heulen, aber ich mache jetzt das Gegenteil. Ich mag diese Brüche nicht nur in der Musik, sondern auch im Theater und in der Literatur.

Eure Plattenfirma hat im Promotext ganz dick aufgetragen und vom „ultimativen Beziehungsalbum der Generation Y“ geschrieben. So viel Gewicht auf den Schultern, das schmerzt richtig.

Fatoni: Mittlerweile gilt es ja als cool, sich in Interviews von dem zu distanzieren, was die Plattenfirma über einen schreibt. Wir mussten lachen, es war aber auch so ein Widerwille da, weil man gerade in Bezug auf Musik oder Liebe überhaupt nichts mehr über die „Gen Y“ lesen möchte. Andererseits verstehe ich schon, was damit gemeint war. Wir sind halt Teil dieser Generation und teilen wohl Perspektiven und Erfahrungen mit den Gleichaltrigen. Ich hoffe trotzdem, dass das Album darüber hinaus Relevanz hat.

Mine: Mit „Traummann“ haben wir bloß einen Song am Album, den ich als generationstypisch bezeichnen würde. Wie Fatoni bereits gesagt hat, als quasi Hineingeborene konnten wir uns dem nicht entziehen, auch wenn wir es nicht darauf angelegt hatten. Aber so typische Merkmale spielen schon eine Rolle.

Welche?

Mine: Ist das, was ich mache, wirklich das, was ich machen will?

Fatoni: Dieser Optimierungsgedanke: Es könnte alles noch viel geiler sein. Lebe ich in der richtigen Stadt? Habe ich den richtigen Job? Habe ich den richtigen Partner?

Mine: Dieser Selbstverwirklichungstrip! Ich muss mein Leben ständig so krass füllen, damit ich zufrieden bin. Da ist so ein Druck. Ich selbst finde es toll, das ich so viel erleben darf, mit dem, was ich mache. Wenn ich mir vorstelle, dass ich eine Weile mal einfach nichts tue, das würde ich gar nicht aushalten.

Die typische Gen-Y-Beziehung?

Mine: Vier Jahre miteinander was haben, aber nicht zusammen sein.

Fatoni: Das kommt auch am Album vor: „Nee, nee, wir sind nicht zusammen, wir haben bloß was miteinander, alles cool.“

Gibt es die wahre Liebe?

Mine: Ja...

Fatoni: ...sie hält halt nicht ewig.

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