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Rewind 2017

SZA, Kendrick, Trettmann...Hip Hop Highlights 2017

Little Hinz und Little Kunz mit bunten Dreadlocks haben heuer mit genuschelten Raps für heftige Diskussionen bei der älteren Hip Hop-Generation gesorgt. Und für euphorische Moshpits im Publikum. So genannte Afrotrap-Beats waren omnipräsent. Drake liebt UK-Grime. Was ist sonst noch passiert in der Hip Hop-Welt 2017?

Von Alex „DJ Phekt“ Hertel

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit beschreibe ich in den folgenden Zeilen ein paar persönliche Highlights und Beobachtungen des Jahres, genährt von folgenden Eindrücken: ich war heuer fast wöchentlich bei mindestens einem Rap-Konzert, im Sommer zusätzlich bei diversen Festivals wie dem Splash! in Deutschland. Dazwischen hab ich viele Wochenenden in Clubs zwischen Vorarlberg und Wien hinter den Plattenspielern verbracht, die Tanzflächen bespielt und ein gutes Gefühl für Hip Hop 2017 bekommen.

Ich schreibe diese Zeilen, während ich im Zug sitze und von einer „FM4Tanzmitmir“-Party-Nacht im Alten Hallenbad in Feldkirch heimfahre. Vor wenigen Stunden haben mir noch betrunkene Kids Zettel mit Songwünschen wie „Bad & Boujeee“, „OK Cool“ und „Bausa“ ins Gesicht gehalten. Dazwischen musste ich mit einem Mit-30er Gast diskutieren, was denn nun Hip Hop sei und was nicht. Er wollte Wu-Tang Clan hören und nicht „diesen Scheiß“. Willkommen im Jahr 2017.

Little Simz - „Stillness in Wonderland“

Mit Abstand mein Lieblings-Artist mit einem „Little“ im Namen heuer: die sympathische Rapperin Little Simz aus England. Nachdem sich Rap-Granden wie Kendrick Lamar als Fans geoutet haben, war die Erwartungshaltung an ihr neues Album riesig. Diverse Major Labels haben sich im Vorfeld um sie gerissen. Unbeeindruckt von dem Rummel hat sich Little Simz Zeit gelassen und mit „Stillness in Wonderland“ eine Konzeptplatte präsentiert, die so ziemlich das Gegenteil von dem darstellt, was ihr jedes Major Label empfohlen hätte. Keine klassischen Hits oder Club-Tunes, Tempo- und Beatwechsel mitten in den Songs, selbst-reflektive, anspruchsvolle Texte. Eine Platte, die mit jedem Hördurchgang faszinierender wird, vorausgesezt man nimmt sich die Zeit. Live konnte man heuer auf der FM4 Planet-Bühne beim Donauinselfest sehen, was für ein Ausnahmetalent Little Simz ist. Das wissen auch die Gorillaz, die sie seit Monaten als Support ihrer aktuellen Welt-Tour dabei haben.

Trettmann - „#DIY“

Wahrscheinlich das Album, das bei mir heuer am meisten rotiert ist, obwohl es nur 10 Songs umfasst. Keiner davon ist ein Lückenfüller. Das Album wird in keiner Rap-Bestenliste des Jahres fehlen. Trettmann hat sich künstlerisch neu erfunden und mit seinem kongenialen Team von „Kitschkrieg“ einen Klassiker serviert, der von Reduktion, Emotion und Authentizität getragen wird. Keine Gimmicks. Alles echt. Bigup.

Jonwayne - „Rap Album Two“

Fast wäre er an seinen Depressionen und seiner Alkoholsucht gestorben. Zum Glück hat ihn das Nahtod-Erlebnis inspiriert und gerettet. Jonwayne aus Los Angeles hat mit „Rap Album Two“ ein komplett selbst-produziertes Album präsentiert, das so ehrlich die eigenen Dämonen ins Rampenlicht stellt, dass man als Hörer nur gebannt lauschen (und mit dem Kopf im Takt mitnicken) kann. In meiner Jahresliste ganz weit oben.

Kendrick Lamar - „DAMN“

Ein Album, über das schon so viel gesagt und geschrieben wurde, dass ich mir die Zeilen jetzt spare. Geniale Platte von einem der wichtigsten Rapper unserer Zeit. Seit kurzem als „Collectors Edition“ mit umgedrehter Tracklist erhältlich. Ja, man kann „DAMN“ von hinten nach vorne hören und die Geschichte, die Kendrick erzählt, funktioniert trotzdem. „Just remember. What happens on earth stays on earth. Just put in reverse.“

Rapsody - „Laila’s Wisdom“

Eine der interessantesten Rapperinnen da draußen, die schon lange vor ihrem Feature auf Kendrick Lamar’s Album „To Pimp A Butterfly“ eine große Fanbase hatte. Ihre Musik kommt aus der Sample-Küche des großartigen Produzenten 9th Wonder. „Laila’s Wisdom“ war für mich ein Highlight des Jahres.

AllttA - „The Upper Hand“

Hier haben sich zwei gefunden. Der französische DJ und Produzent 20Syl (C2C) fusioniert in seinen Beats raffinierte Turntablism-Techniken mit elektronisch-beeinflussten Hip Hop-Beats und Sounds. Die Raps kommen von Mr. J Medeiros (früher Teil der Band „The Procussions“) aus Amerika. Zusammen machen sie als „AllttA“ (steht für „A little lower than the Angels“) Musik, die vor allem auf Tanzflächen unglaublich gut funktioniert.

Kroko Jack - „Extra Ordinär“

Das Comeback des Linzer Mundart-Rap-Pioniers Kroko Jack mit dem Album „Extra Ordinär“ hat mich heuer besonders gefreut. Der Künstler, der mit seinen von oberösterreichischem Dialekt geprägten Songs seiner Zeit oft um viele Jahre voraus war, spielt (wenn er in Höchstform ist) nach wie vor in seiner eigenen Rap-Liga.

Berlin Spezial mit RAF Camora, Yung Hurn, DJ Stickle etc.

Im Sommer war ich mehrere Tage in Berlin um ein Radio-Feature über erfolgreiche heimische Hip Hop-Künstler in der Stadt an der Spree aufzunehmen. 2017 war das Jahr, in dem Rap aus Österreich endlich auf den ganz großen Bühnen in Deutschland angekommen ist. In punkto kommerziellem Erfolg war es das Jahr von RAF Camora, der heuer der „meist-gestreamte deutschsprachige Künstler“ insgesamt war.

Aktuell füllt er mit seinem Sound, der Hip Hop- und Reggae-Dancehall-Ästhetik mit Street-Attitude mischt, riesige Hallen. In einem ausführlichen Interview haben wir über seinen langen, mühseligen Weg von Wien-Fünfhaus an die Spitze der Charts gesprochen. Während der selben Berlin-Reise war ich auch bei DJ Stickle und Yung Hurn im Studio. Zwei Österreicher, die heuer ebenfalls erfolgreich mitgemischt haben im internationalen Musikgeschäft. „OK Cool“ war ihr großer Hit, nebenbei wurden Songs als „Love Hotel Band“ veröffentlicht. Diese Berlin-Reise war insofern ein Highlight für mich, weil ich die einzelnen Karrieren seit Jahren verfolge und es allen beteiligten Acts gönne, dass sie mit ihrem Sound endlich richtig Erfolg haben.

SZA - „CTRL“

Kein klassisches Hip Hop-Album, sondern geprägt von Gesang. Die Künstlerin hat via TDE Records ein Album veröffentlicht, das auf mehreren Ebenen überrascht. SZA kreiert mit ihrer Stimme Melodien und Emotionen, die so unerwartet kommen, so gefühlvoll klingen und die so perfekt zu den Instrumentals passen, dass man immer wieder auf „replay“ drücken muss. Mit Travis Scott, Kendrick Lamar oder Pharrell Williams waren außerdem ein paar hochkarätige Gäste in die Produktion von „CTRL“ involviert. Weit oben in meiner persönlichen Highlight-Liste des Jahres.

Genauso wie Jay-Z, Thundercat, Big Boi, Joey Bada$$, GoldLink, 2Chainz und viele mehr. Am 30.12.17 könnt ihr im Rahmen der FM4-Sendung „2017 on 45“ einen Mix von mir hören, in dem alle genannten (und noch viel mehr) Acts zu hören sind. „Es war ein gutes Jahr für Rap-Musik“ (Auto-Tune-Voice).

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