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Viennale Direktorin Eva Sangiorgi

APA/ROLAND SCHLAGER

Wer ist Eva Sangiorgi, die neue Viennale-Chefin?

Die Viennale hat eine neue Direktorin. Die gebürtige Italienerin Eva Sangiorgi hat bisher das FICUNAM Filmfestival in Mexico geleitet. In ihrem ersten Interview spricht sie über die Herausforderung Viennale, erste Ideen für das Festival und über den Österreichischen Film.

Von Petra Erdmann

Eva Sangiorgi ist gebürtige Italienerin und leitet seit 2010 das von ihr gegründete Filmfestival FICUNAM in Mexico City. Die Überraschung ihrer Bestellung war groß, denn die designierte Viennale-Intendantin verfügt nicht über einen sehr bekannten Namen in der internationalen Filmszene. Weniger unvermutet kam die Entscheidung, sich für eine Nicht-Österreicherin zu entscheiden. Denn Teile des Viennale-Kuratoriums hatten sich bereits im Vorfeld der Ausschreibung eine internationale Lösung gewünscht.

Die 39-jährige Sangiorgi hat sich unter 30 BewerberInnen, darunter 14 Männer und 16 Frauen, 18 KandidatInnen kamen aus dem Ausland, als neue künstlerische Leitung des größten heimischen Filmfestivals durchsetzen können. Der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) hat unter anderem die Entscheidung am Donnerstag auf der Pressekonferenz damit begründet, dass Sangiorgi „einen Blick von außen hat, sowohl politisch als auch auf die österreichische Filmlandschaft“.

Die studierte Kommunikationswissenschaftlerin und Kunsthistorikerin Eva Sangiorgi wird noch vom 28. Februar bis 6. März ihre letzte Ausgabe des Festivals FICUNAM in Mexico bestreiten, bevor Sie dem vorigen Sommer überraschend verstorbenen Viennale-Direktor Hans Hurch nachfolgen wird.

Im Vorfeld wurde des Öfteren kritisiert, dass einer neuen künstlerischen Viennale-Intendanz bis zur nächsten Festivalausgabe der Viennale Ende Oktober nicht sehr viel Zeit bliebe, diese bestens vorzubereiten. Im ersten Interview als Viennale-Direktorin spricht Eva Sangiorgi über die Herausforderung ihrer neuen Position.

Eva Sangiorgi im FM4-Interview

Petra Erdmann: Was ist im Moment ihre größte Herausforderung, die neue Viennale-Direktorin zu sein?

Abgesehen davon Deutsch zu lernen, wird meine größte Herausforderung darin bestehen, die Viennale mit frischer und neuer Energie zu versorgen. Es geht mir zunächst darum, die Situation der lokalen Kultur in Wien zu verstehen, die ich bereits aus der Ferne kenne. Ich kenne Wien nur von meinen Viennale-Besuchen und mir ist durchaus bewusst, dass ich von weit her komme.

Welche Neuerungen in der Struktur oder im Programm der Viennale planen Sie als neue künstlerische Leitung?

Ich möchte ein neues, noch jüngeres Festivalpublikum ansprechen und für die Viennale gewinnen. Ich möchte jungen Zuschauern die Kinokultur wieder näher bringen und da gibt es eine Menge zu tun. In meiner Programmierung der Viennale-Filmsektionen wird es keinen Unterschied mehr zwischen Dokumentar- und Spielfilm geben. Die Aufteilung dieser Filmgattungen gehört einer vergangenen Ära im Kino an. Ich werde mich auch verstärkt um junge Filmemacherinnen bemühen, aber auch um neue Regisseure, die aus anderen Disziplinen kommen. Zeitgenössische visuelle Künstlerinnen haben prinzipiell ein großes Interesse daran, mit Filmsprache zu arbeiten. Das ist ein Umstand, der die Filmarbeit auf eine neue Weise vorantreibt.

Sie meinten, die Herausforderung sei es, ein noch jüngeres Zielpublikum für die Viennale zu gewinnen. Wer ist jung für Sie?

Damit meine ich Studenten, aber auch Schüler. Teenager sind stark beeinflusst von Musik und elektronischen Geräten. Ich finde es wichtig, dieses Zielpublikum für rituelle Kinoevents nicht zu verlieren.

Werden Sie mehr Pop- und Musikkultur in ihrem Viennale-Programm verankern als ihr Vorgänger Hans Hurch?

Ich spreche nicht unbedingt von kommerziellen Filmen, die ein jüngeres Publikum amüsieren sollen. Die Viennale wird sich mehr auf ein jüngeres Publikum konzentrieren, in dem wir ihm das Viennale-Programm mit anderen Marketing-Tools präsentieren als bisher. Das Viennale-Programm selbst soll so konsistent wie bisher bleiben.

Sie werden als Viennale-Direktorin auch mit österreichischen FilmemacherInnen zusammenarbeiten. Wie gut kennen Sie die heimische Filmszene und ihre Arbeiten und welchen österreichischen Film haben Sie zuletzt zu gesehen?

Ich habe viele österreichische Filme gesehen. Der Letzte war von Johann Lurf „★“. Der Film hat keinen Namen. Er setzt ein Zeichen und das ist ein Stern. „★“ kann man nicht aussprechen. „★“ ist ein wunderbarer Experimentalfilm, anregend und inspirierend, von einem jungen und vielversprechenden Regisseur.

Es gibt große Namen des Österreichischen Films wie Michael Haneke. Haneke hat seine Werke der Viennale nicht als Österreich Premiere zur Verfügung gestellt. Werden Sie versuchen das zu ändern?

Wir werden zuerst Filme – egal von wem - sichten, dann sehen wir weiter.

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