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Cafe Siebenbrunnen

Nadine Cobbina

Was sagen 50+ Arbeitlose zu den Plänen der Regierung?

Um die 160.000 Menschen müssen sich auf die neuen Regeln der Notstandshilfe einstellen. Langzeitarbeitslose sollen künftig in die Mindestsicherung fallen. So die Pläne der neu gewählten Regierung. Das betreffe großteils Männer - 101.500 Personen, laut Statistik Österreich und den Zahlen des AMS von 2016. Was sagen Betroffene zu diesen Plänen?

Von Nadine Cobbina

Der Stammtisch „Zum alten Eisen?“, so der Name des Vereins, den ich im Café „Siebenbrunnen“ besuche. Eine Arbeitslosenselbsthilfegruppe. Mitten im 5. Bezirk in Wien treffen sich dort einmal wöchentlich zwischen sechs und zehn Männer. Alle über 50 Jahre und alle arbeitslos, oder in Pension. Als ich das Café betrete, fühle ich mich in der Zeit zurückversetzt. Einen Nichtraucherbereich habe ich nicht wahrgenommen, könnte aber auch an der generellen Rauchwolke liegen, die sich durch das Lokal breit gemacht hat. In einem halb abgetrennten Raum stehen gemütliche rote Ledersessel und vier Tischchen, eine typische Kaffeehaus-Einrichtung, die Platten sind aus Marmor. Sechs Männer schauen mich überrascht an, als ich ihnen sage, dass ich für das Interview gekommen bin. Mit meiner Schleife im Haar und silbernen Bomberjacke falle ich in dem Lokal auch auf. Bis auf einen Kellner, ist das Publikum auch im Schnitt wohl nicht jünger als 50 Jahre. Vielleicht ist es auch einfach das.

Dietmar ist der Obmann des Klubs. Er ist schon lange in Pension und kann mir nicht sagen, wie viele Mitglieder der Verein hat. „Leute, die Probleme mit der Arbeitsfindung haben, sind willkommen. Und es soll eine Hilfestellung für diejenigen sein, die persönliche Probleme oder welche mit Behörden haben.“

Darüber schreiben die unterschiedlichen Vereinsmitglieder auch in ihrer Zeitung „Anstoß“, die nächstes Jahr übrigens ihr 25 jähriges Bestehen feiert. In der Ausgabe vom Dezember 2017 geht es vor allem um die bedarfsorientierte Mindestsicherung und darum, warum ein Hartz-IV-Modell wie in Deutschland kein Vorbild für Österreich sein kann.

Anstoss-Vereinszeitung

Nadine Cobbina

Auch die AK warnt vor Altersarmut und davor, dass Notstandshilfen-Bezieher auch in die Schuldenfalle rutschen könnten, sobald sie in die Mindestsicherung fallen. Jetzt bekommen sie in der Regel noch 92 Prozent des letzten bezogenen Arbeitslosengeldes. Bezieht man Mindestsicherung wird auch auf das Vermögen zugegriffen, die Freigrenze liegt bei ca. 4.000 Euro. Ein Drittel der Notstandshilfen-Bezieher ist übrigens 50+, zu denen auch Franz gehört. Er würde nach dem neuen Modell weniger Geld bekommen als jetzt. Derzeit greift er schon auf sein Erspartes zurück, weil es sich mit den 900 Euro im Monat sonst nicht ausgeht. Mich interessiert, was in ihm vorgeht.

Da fühl ich mich verarscht, wenn ich das höre. Das klingt so, als wäre es meine freie Entscheidung, nicht arbeiten zu gehen.

„Man empfindet Ohnmacht. Es liegt nicht in meiner Hand zu bestimmen, wie es mit mir weitergeht. Das entscheiden andere Leute und das ist nicht fair.“ Er wünscht sich, „dass es so bleibt, wie es jetzt ist. Auch wenn das nicht optimal ist. Aber mich betreffe das Vorhaben deshalb, weil ich auch mehr als 4.000 Euro gespart habe. Das würde ich verlieren. Außerdem würde die Mindestsicherung nicht als Beitragsjahr für die Pension gelten. Und wie hoch die Mindestsicherung dann sein wird, ist auch noch nicht klar.“

Notstandshilfe steht derzeit all jenen zu, die sich das Leben selbst nicht mehr leisten können und kein Recht mehr auf Arbeitslosengeld haben. Erspartes dürfen sie behalten, anders beim Bezug der Mindestsicherung. Mehr Infos hier

„Wir sind immer noch im Versicherungsrecht. Derzeit ist es so, dass man Notstandshilfenbezieher als Sozialschmarotzer sieht, die nur in der Hängematte liegen. So ist es nicht. Egal, ob man Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe bezieht - man muss arbeitswillig sein, Kurse besuchen, Vorstellungsgespräche absolvieren und, und, und.“, so der 53-jährige Theo, der schon lange arbeitslos gemeldet ist. Wie lange? „Zu lange.“

Franz sieht das ähnlich: „Herr Kurz hat glaub ich im Dezember gesagt, wer Vermögen hat und nicht arbeiten geht, kann nicht erwarten, von der Allgemeinheit erhalten zu werden. Da fühl ich mich verarscht, wenn ich das höre. Das klingt so, als wäre es meine freie Entscheidung, nicht arbeiten zu gehen.“

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