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The End Of The Fucking World Filmstill

The End Of The Fucking World

„The End of the F***ing World“: A Place where Lovers go

Ein furioser Roadtrip mit Alyssa und James, den liebenswürdigsten Partner in Crime der Gegenwart. Und einem Soundtrack, der nicht nur Tarantino-Fans das Herz höher schlagen lässt.

Von Jan Hestmann

Well, that escalated quickly. „The End of the F***ing World“ erzählt die Geschichte von Alyssa und James, zwei unangepassten 17-Jährigen, und deren gemeinsamer Flucht. Er, der stille Weirdo mit unterdrückten Mordgelüsten. Sie, die quirlige Rebellin. Weil zuhause nur ihre kaputten Familien auf sie warten, beschließen die beiden, die sich gerade erst kennengelernt haben, Reißaus zu nehmen. Ein Roadtrip beginnt, auf dem sie immer mehr zu sich und zueinander finden, auf dem sie aber auch von einer Eskalation in die nächste stolpern und zuletzt reichlich Blut fließt.

„The End of the F***ing World“ ist im Jänner 2018 auf Netflix erschienen.

Alyssa und James, dieses ungleiche Paar entwickelt sich im Lauf der acht extrem kurzweiligen, nur knapp 20-minütigen Episoden zu einem schlagkräftigen und liebenswürdigen Duo, Teenie-Bonnie and Clyde, grandios gespielt von Jessica Barden und Alex Lawther. Alyssa trägt eine viel zu große, abgenutzte Lederjacke, die ihres Vaters, und James ein rotes Hawaiihemd, das eigentlich überhaupt nicht zu seiner introvertierten Art und seinem traurig-nachdenklichen Blick passt.

Die britische Dramedy „The End of the F***ing World“ basiert auf dem gleichnamigen Coming-of-Age Graphic Novel von Charles Forsman. Gleichzeitig erinnert die Serie mit ihrem Retro-Look und ihrer Kick Ass-Attitüde stark an das Gangster-Kino der frühen Neunziger, an „Pulp Fiction“, „Natural Born Killers“ oder „True Romance“ und deren legendären Filmpaaren.

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Ein Soundtrack zum Niederknien

Ein wesentlicher Faktor für diese Assoziationen ist die Musik in „The End of the Fucking World“. Für einen stimmigen Soundtrack hat Blur-Mann Graham Coxon gesorgt. Ergänzend zu Coxons eigenen Songs glänzt die Serie aber vor allem durch abgestaubte Oldies, mal besonders melancholisch wie Julie Londons „End of the World“, mal vorantreibend wie „Keep on Running“ von der Spencer Davis Group.

I think he is properly beautiful.

Ein Song aus dem Soundtrack ist sogar direkt aus Tarantinos größtem Hit übernommen. Zu Beginn der Serie, noch bevor James und Alyssa ihre Flucht beschlossen haben, ertönt Ricky Nelsons „Lonesome Town“, und sofort werden wohlige Erinnerungen an „Pulp Fiction“ geweckt. In dem wunderbar traurigen Song heißt es zu Beginn „There’s a place, where lovers go, to cry their troubles away“. Aber James und Alyssa ziehen sich nicht zurück. Im Gegenteil, sie gehen gemeinsam in die Offensive, klauen ein Auto und holen sich vom Leben, was zu holen ist. Statt nach Lonesome Town geht es in Richtung Ende der Welt.

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The End Of The Fucking World

Es ist nicht das einzige Mal, dass „The End of The F***ing World“ eine Assoziation mit Tarantinos Klassiker weckt. Denn auch die „Pulp Fiction“-Tanzszene wird hier referenziert und gleichzeitig zu etwas ganz eigenem gemacht. Es ist einer der schönsten Momente in der Serie, als Alyssa und James in dem luxuriösen Wohnzimmer eines Hauses stehen, in das sie gerade eingebrochen sind und Alyssa „Setting the Woods on Fire“ von Hank Williams auf den Plattenspieler legt und James ermutigt mit ihr dazu zu tanzen. Der schüchterne James ziert sich zunächst, doch als Alyssa ihn dazu auffordert, die Augen zu schließen, kommt er zum ersten Mal ganz aus sich heraus und tanzt befreit. Diese große Szene wird noch durch ein Voice Over von Alyssa unterstrichen, als sie bemerkt: „I think he is properly beautiful.“

- I don’t like my life.
- So, do something.

Die Dialoge in der Serie sind wunderbar kompakt geschrieben. Voller Witz und Kraftausdrücken, wie auch schon der Titel andeutet, aber auch voller Weisheit. Die frischgebackenen Outlaws Alyssa und James treten einer konservativen Welt entgegen, mit all der Kraft, die zwei 17-Jährige aufbringen können. Sie geben sich nicht mit Situationen zufrieden, nur weil die gegeben sind. Eine Schlüsselszene dafür ist der Tankstellen-Überfall. Da sagt ein junger Shop-Assistent namens Frodo zu ihnen „I don’t like my Life“, worauf Alyssa bloß antwortet „So, do something.“

Simple as that, das ist die Prämisse der Serie, die sich durch Alyssas und James Abenteuer zieht: Wenn dir etwas nicht gefällt, ändere es. In „The End of the F***ing World“ steckt eine erfrischende Prise Anarchie. Aber in erster Linie ist es eine zutiefst menschliche Reise, die am Ende vor allem eine unglaubliche Liebesgeschichte erzählt.

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