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Daniel Day Lewis in "Phantom Thread"

Universal

Daniel Day-Lewis’ beste Rollen

Daniel Day-Lewis hat es uns und der Welt ernsthaft angedroht. Seine Rolle des melancholischen Modedesigners Reynolds Woodcock im aktuellen Drama „Phantom Thread“ soll seine letzte gewesen sein. Die FM4 Filmredaktion weigert sich das zu akzeptieren und ruft sich seine besten Performances in Erinnerung.

„Phantom Thread - Der seidene Faden“

Christian Fuchs nennt den letzten Film mit Daniel Day-Lewis „ein Meisterwerk“ und "ein Geschenk für das Kino.

Jetzt hat er seinen Job als Jahrhundert-Schauspieler an den Nagel gehängt. Vielleicht ist alles nur ein Witz und Daniel Day Lewis wird weiter Filme machen? Dem dreifachen Oscar-Preisträger wird nämlich privat ein äußert bizarrer Humor nachsagt. Daniel Day Lewis ist angeblich Riesen-Fan der Reality-Serie „Naked and Afraid“ wie Regisseur Paul Thomas Anderson über seinen Darsteller in der Jimmy Kimmel-Show verraten hat:

„Man arbeitet am Set nicht mit Daniel Day-Lewis. Man verbringt Zeit mit seinem Charakter“, hat Paul Thomas Anderson über DDL nach zwei gemeinsamen Produktionen - „There will be blood“ (2007) und „Phantom Thread“ - gesagt. - DDL lebt schließlich zur Filmvorbereitung monatelang mit und in seiner Rolle, bevor noch die erste Klappe gefallen ist.

Die FM4 Filmredaktion schreibt gegen das selbst gewählte Aus einer fulminanten Schauspielkarriere an und beschwört ihre Lieblingsperformances von DDL.

Petra Erdmann über DDL in „There Will Be Blood“ (2007)

Den männlichen Archetypen hat Daniel Day-Lewis schon des Öfteren unterwandert und zur Hölle geschickt. Doch noch nie so zärtlich und brutal wie um 1910 in Südkalifornien in „There will be blood“, dem Meisterwerk von Regisseur Paul Thomas Anderson, das von Upton Sinclairs Roman „Oil!“ inspiriert worden war. Darin kauert der von Ehrgeiz zerfressene Geschäftsmann Daniel Planview, der später zum Erdöl-Magnaten aufsteigt, still in Löffelstellung neben seinem Ziehsohn. Dieser hat gerade bei einer Bohrturm-Explosion das Gehör verloren. In Rage wird der wahnhafte Selfmade-Millionär den ausgefuchsten Priester (fantastisch: Paul Dano!) mit einem Kegel den Schädel einschlagen. Und bei all dem hat DDL noch nicht einmal den Mund aufgemacht.

Daniel Day Lewis in "There Will Be Blood"

Buena Vista International

DDL und Paul Dano und das von ihm übrig ist

Wer war zuerst da? Daniel Plainview oder Daniel Day-Lewis? Hier spielt ein Besessener einen Besessenen. Rätselhaft und durchsichtig zugleich. Da ist nicht mehr zu unterscheiden, wer hier wem larger than life zum Erfolg und zur Einsamkeit verhilft. Ist es die monumental radikale Erzählung, die der grandiose Industrial-Beat-Score von „Radiohead“- Gitarristen Jonny Greenwood vor sich hintreibt? Oder DER Schauspieler, der all diese Eigenschaften vereint und eine staubfreie Historien-Fiktion einfährt wie eine universell gegenwärtige Schreckensnachricht?

Christoph Sepin über DDL in „My Beautiful Laundrette“ (1985)

London in den 1980ern, eine Zeit der gesellschaftlichen Tumulte, der Wut auf den Straßen, des Rassismus. Und mitten drin ein kleiner Waschsalon als zentraler Schauplatz von „My Beautiful Laundrette“. Daniel Day-Lewis spielt den Straßenpunk Johnny, der von seiner eigenen gewaltvollen, faschistischen Vergangenheit Abschied nimmt, als er seinen alten Jugendfreund Omar wieder trifft und sich in ihn verliebt.

Daniel Day Lewis in "My Beautiful Laundrette"

Working Title Films

Day-Lewis glänzt in dieser frühen und meiner Lieblingsperformance des Schauspielers als junger, zwischen den Welten wandernder Londoner, der vom Aussteiger zum Liebenden wird. Der erst dritte Film von Regiegröße Stephen Frears erzählt eine Geschichte von Liebe und Hass, von Selbstfindung und Außenseitertum. Trotz des fast schon klaustrophobischen Mittelpunkts des Films ist es eine Story über die ganz großen Themen, deren Notwendigkeit und Aktualität sich auch heute noch zeigt. Nicht umsonst arbeitet Schauspieler, Autor und Comedian Kumail Nanjiani zurzeit an einer Serienadaption des Films.

Christian Fuchs über DDL in „Gangs of New York“ (2002)

Es gibt eine Karriere von Daniel Day-Lewis vor und nach dem 2002 erschienenen „Gangs of New York“. Der Schauspieler hatte bis zu seiner erneuten Zusammenarbeit mit Martin Scorsese, in dessen „The Age of Innocence“ er ja schon zu sehen war, bereits unterschiedlichste Typen dargestellt. Sehnsüchtige, sensible, starke Männer, die um die Freiheit kämpfen, um ihre Gesundheit oder auch für ihre ganz große Liebe.

Mit dem historischen Drama von Scorsese, rund um Bandenkriege im New York des späten 19.Jahrhunderts, betritt Day-Lewis aber einen ganz neuen, blutgetränkten Boden. Als Bill the Butcher, Anführer der Nativists-Gang, zeigt er seine animalische Seite. Dabei kreiert er auf unglaublich körperliche Weise einen der ganz großen, schillernden Bösewichte der Filmgeschichte. Schnauzbärtig, einäugig, angetrieben von einer rücksichtslosen Philosophie des Stärkeren und extrem gut im Umgang mit dem Schlachtmesser, sorgt Bill für Nonstop-Gänsehaut.

Daniel Day Lewis in Gangs of New York

Miramax

Ein Hauch des Wahnsinns dieser Figur flackert auch in späteren Rollen von Daniel Day-Lewis auf. Es ist, als ob sich eine Tür geöffnet hätte. Was dahinter liegt, ist höchst bedrohlich, aber auch verdammt faszinierend.

Pia Reiser über DDL in „Nine“ (2009)

Eines gleich vorweg. Mein Lieblings-Daniel-Day-Lewis-Film ist „There will be blood“. Ich bin zwar eine große Freundin und Verteidigerin des Musicals, aber schon auch noch zurechnungsfähig. Nur: „Nine“ ist in Day-Lewis fein selektierter Filmografie ein derartiges Kuriosum, dass man nicht drüber hinwegsehen kann. Der, bei dem das Feuilleton das Wort Schauspieler gerne mit Charakterdarsteller ersetzt, der mit einem quasi makellosen Film-Lebenslauf, setzt 2009, zwischen „There will be blood“ und „Lincoln“, ein trotz hübscher Aufmachung hölzernes Musical.

Allerdings: Noch nie hat Daniel Day-Lewis so gut ausgesehen (bei seiner Rollenbiografie allerdings auch nicht wirklich schwer, der orange Gefängnis-Einteiler schmeichelt keinem Teint („In the name of the father“), die Marmorkuchenfrisur ist generell ein großer Irrtum („My Beautiful Laundrette“) und der Sack-und-Asche-Zweiteiler („The Crucible“) macht auch keinen schlanken Fuß). Hier umschmeichelt ihn, als Regisseur Guido Contini in der Schaffenskrise, italienischer Zwirn, fantastisch geschnitten. Eine Krawatte so chic wie schmal räkelt sich am Hemd entlang und sogar ein Hauch von Farbe hat Bekanntschaft mit seinem Gesicht gemacht.

Daniel Day Lewis in "NIne"

Senator Film

Das macht „Nine“ immer noch zu keinem guten Film, aber den hochverehrten Mimen in einem Film zu sehen, der so meilenweit entfern vom restlichen Werk von Day-Lewis ist, ist von herrlicher Seltsamkeit - und beinah unerträglicher Leichtigkeit.

Martina Bauer über DDL in „The Unbearable Lightness of Being“ (1988)

Roman (1984) wie Film (1988) waren zu Release-Zeiten gewissermaßen Straßenfeger und beide Werke sind Kinder ihrer Zeit. Die Geschichte von Teresa und Tomas ist rund um die Geschehnisse des Prager Frühlings angesiedelt.

Day-Lewis spielt den Arzt Tomas, einen gewissermaßen frühen Vorfahren der Figur des Hank Moody aus Californication. Tomas liebt die Frauen und die Frauen lieben ihn, seine tiefe und besondere Beziehung zu Teresa sieht er von diesen „Ausflügen“ nicht berührt. Er ist ein Verführer und Freigeist, sexuell wie politisch. Teresa akzeptiert diese Liebe so wie sie ist - und leidet gleichzeitig an ihr.

Filmstill aus "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"

Tobis

An der Seite von Daniel Day-Lewis ist Juliette Binoche zu sehen. Für beide war „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins/The Unbearable Lightness of Being“ ein recht früher Film, der (zumindest für mich) aus heutiger Sicht eine Art kindlichen Liebreiz besitzt. Aber auch Charme, Melancholie und einen Schuss Philosophie (wobei letzteres wohl vor allem Buch-Autor Milan Kundera zu verdanken ist). Insgesamt: Immer noch eines der besten Paare im Genre Liebesgeschichte. Plus: Die großartige Lena Olin an ihrer Seite.

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