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„Meine Freunde haben Kinder, ich habe ein paar Hunde“

Nicht ganz drei Jahre nach dem letzten Album von Awolnation meldet sich Mastermind Aaron Bruno mit einem kompletten neuen Awolnation-Longplayer zurück: „Here Come The Runts“.

Von Eva Umbauer

Awolnation-Mastermind Aaron Bruno wird heuer 40, Kinder hat er keine, aber ein paar Hunde. Wenn der Kalifornier unterwegs ist, um Interviews zum neuen Album von Awolnation zu geben oder mit seiner Band Konzerte spielt, freut er sich über Begegnungen mit Hunden und gleichzeitig ist er dann etwas traurig, weil er sein kleines Rudel zuhause vermisst. Ein Song am neuen Album von Awolnation heißt dann auch „A Little Luck And A Couple Of Dogs“, wo Aaron Bruno singt: „All my friends have children, I have a couple of dogs. All my friends have children, I have a couple of songs, they say I can´t relate...“ Das Stück, eine Songminiatur von knappen dreißig Sekunden, beschließt Aaron Bruno mit den Worten: „All I need is you, a little luck and a couple of dogs.“

A Little Luck...

Ein wenig Glück braucht es natürlich auch im Leben, wie Aaron Bruno in der entzückenden musikalischen Winzigkeit „A Little Luck And A Couple Of Dogs“ festellt. Um Winzlinge, ja, gar um Kümmerlinge geht es dann auch im Titel zum neuen Awolnation-Album. Es heißt „Here Come The Runts“. Das Wort „runt“ bedeutet eben „Winzling“ oder „Kümmerling“ und bezeichnet den schwächsten eines Wurfs von Hunden, Katzen, Schweinen oder auch anderen Tieren; ein „Runt“ kann aber auch ein „Wicht“ sein, eine kleine, schwache Person, eine Art „Underdog“. Da wären wir also wieder bei den Hunden, den Lieblingstieren von Aaron Bruno, der unter dem Namen Awolnation vor sieben Jahren mit dem Song „Sail“ plötzlich zum Star wurde.

„Sail“, dieser Rocksong im modernen Electronic-Gewand von Aaron Bruno aka Awolnation, wurde zu einem Dauerbrenner der amerikanischen „Billboard Hot 100“ Charts und bescherte Bruno darüberhinaus internationalen Erfolg. Über Nacht war das freilich nicht passiert. Aaron Bruno hatte zu diesem Zeitpunkt schon länger Musik gemacht. Er begann in einer Punkrock-Band, einer Hardcore-Band, „in the underground of the underground of the underground“, wie Aaron Bruno seine damalige Zeit heute beschreibt.

Der englische Ausdruck „to go awol“ bedeutet soviel wie „komplett verschwinden“ oder „einfach ausbüchsen“. Die Buchstaben AWOL stehen für „absence without leave“, es handelt sich um einen Ausdruck, der aus dem Militärischen kommt.

Im Wohnzimmer seiner Eltern oder im lokalen Jugendzentrum sprangen der Schüler Aaron Bruno und seine Freunde herum und schrien dabei; gute Songs gut zu singen und die Instrumente gut zu spielen stand dabei nicht im Mittelpunkt. Aber damals lernte Bruno schon viel das Auftreten einer Band betreffend, das Live-Spielen und Performen. Er war - ein paar Bands später - also gar nicht so sehr überrascht, als dann mit Awolnation plötzlich ein Publikum da war, vor dem es galt, zu spielen, ohne im Erdboden zu versinken, wie er im FM4-Interview erzählt:

„So by the time I started to write some pretty ok songs, I was ready to play live because I spent so much time rehearsing with these other bands. What I wasn´t prepared for is the camera stuff, the filming, I guess, even interviews too was a new thing for me, but I love talking about music that I actually enjoy bonding with new people.“

Was macht man nach dem Welthit?

Was nun nach dem Mega-Song „Sail“ für Aaron Bruno? Sollte er noch einmal das Gleiche wie „Sail“ machen, seinen „Nine Inch Nails covern Nickelback“-Hit einfach wiederholen? P.S.: Nickelback ist eine erfolgreiche kanadische Rockband ohne Coolness-Faktor. Oder sollte Aaron Bruno sein manisches Jonglieren mit diversen Musikstilen noch ausbauen? Die Kugeln noch höher werfen, ohne sie fallenzulassen. Er entschied sich bei seinem zweiten Album „Run“ zum Glück für Letzteres.

„It was really weird to make something anticipated, it was terrifying“, erinnert sich Aaron Bruno und setzt fort: „But those are the kind of records I like a lot. I like darker albums, sophomore-weird, go-for-it albums, like the Weezer album ‚Pinkerton‘ is one of my favourite albums. So I´d like to think that ‚Run‘ was my ‚Pinkerton‘ in a weird way, although it did pretty good. It did better than I thought it would.“

Und dann, Aaron?

Und dann, Aaron, nach der letzten Awolnation-Tour? Wieder ein neues Album machen. Panik? Nein, nicht wirklich, das zweite Album war ja geschafft, aber dennoch diese Gedanken: Ok, wie geh ich es diesmal an?

Warum nicht einfach träumen? Träumen, dass große Träume zu haben, ok ist? Große Träume wie etwa, ein Album wie „Born In The USA“ von Bruce Springsteen zu machen.

„So I said, I´m gonna make Born In The USA 2017/18 Awolnation style. Of course, I never think that I can accomplish that, but you have to start with some sort of dream. So that´s what I went for and I feel like it´s an evolution and superior to anything I´ve ever even come close to making before. There´s no fake shit in there, none of the vocals are tuned and it´s all real playing.“

Pop wie früher

Mit „Here Come The Runts“ wollte Aaron Bruno ein Rock´n´Roll/Pop-Album machen, und zwar „Pop“ wie er früher gemacht wurde, von US-Bands wie Tom Petty & The Heartbeakers oder den Cars, zwei Lieblingsbands von Aaron Bruno.

Aaron Bruno aka Awolnation spinnt mit „Here Come The Runts“ das Underdog-Thema, das ihn nicht loslässt, weiter. Das Album ist aber kein politisches, wie Bruno betont, auch wenn es etwa im wunderhübschen, ohrwurmigen Song „Handyman“ heisst: „I’m not brittle, I’m just a riddle born of white, blue and red.“ Mit den Farben Weiß, Blau und Rot sind wohl die Farben der US-Flagge gemeint.

It´s A Strange Time To Be An American

"It´s a strange time to be an American, to say the least. You don´t know what to say or feel. But what I loved about ‚Born In The USA‘, I was young enough to know about the evils of war and the power of money and all the stuff that makes our world pretty evil. I didn´t even realize ‚Born In The USA‘ was a beautiful politival statement, I thought it was pro-American songs, just like a lot of people were confused and thought as such. So what I wanted to do was make an album that felt like the dream of America that isn´t necessarily true, certainly not as much as it once was. Or maybe it has never been, but the idea of good old-fashioned baseball.

Albumcover von Awolnation - "Here Come The Runts"

Red Bull Records

Das Album „Here Come The Runts“ von Awolnation ist am 2.2.2018 bei Red Bull/Sony Music erschienen.

When you listen to that record you just feel this nostalgic sentiment of a high school reunion or that girl you fell in love with that you never got to talk to in junior high and the feeling of unity in a weird way and anthemic songs. The spirit of what I thought it was is what inspired me in a lot of ways."

Aaron allein am Tisch

Von wegen hymnische Songs: In „Table For One“ sitzt Aaron Bruno bildlich allein am Tisch. „I don´t want you to leave“ bittet er im großen Refrain: „Now I´m sitting at a table for one.“ Nein, Aaron Bruno macht keine großen Statements auf „Here Come The Runts“, sondern es geht vielmehr um den Glauben an die Musik, das Große, das Popmusik noch immer ausstrahlen kann.

„Conductor, stop that train!“, schreit Aaron Bruno im Song „Stop That Train“, aber es ist zu spät, der Schaffner hört ihn nicht mehr und die Amokfahrt geht weiter - Violinen wie Sirenen und Keyboards und Gitarren härter als Nine Inch Nails in ihren besten Zeiten.

Dann stoppt der Zug plötzlich und man fällt in Ohnmacht. Als das Schwarz vor den Augen wieder schwindet, steht er vor einem: Aaron Bruno, der blonde kalifornische Hippie in der Latzhose ohne T-Shirt drunter, umringt von seinen Hunden; he´s the leader of the pack, und er pfeift wohlgemut vor sich hin, sagt „Hey, everything alright?“, dreht sich um und verschwindet hinter den Kakteen. Er möge unter dem Namen Awolnation noch lange Musik machen und Worte singen wie „Hallelujah, record skips.“

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