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alt-J @ Wiener Stadthalle 2018

Patrick Wally

Love is the warmest color

Trotzdem war die Stimmung kühl: alt-J haben gestern im Zuge ihrer „Relaxer“-Tour in der Wiener Stadthalle gespielt. Eine subjektive Beobachtung unter Freunden.

Von Lisa Schneider

alt-J haben gestern, wie schon 2015, die Wiener Stadthalle bespielt. Das Trio aus Leeds war seit dem Release ihres mit dem Mercury Price ausgezeichneten Debutalbums „An Awesome Wave“ (2012) schon mehrmals live in Österreich zu sehen, das letzte Mal am Out Of The Woods Festival in Wiesen im vergangenen Sommer. Nun waren sie hier, um ihr drittes, letztes Jahr veröffentlichtes Album „Relaxer“ vorzustellen. Aber auch, wenn die Tour nach dem Album benannt ist, stehen auf der Setlist nur vier Titel desselben.

Als Rückblick auf den gestrigen Abend ist hier der Dialog zweier Freunde, die sich selten, aber immer auf Konzerten von alt-J sehen, wiedergegeben. Nennen wir sie Mathias und Eva. Eva ist vor allem großer Fan des zweiten Albums „This Is All Yours“, von Gus Unger-Hamilton (dem Sänger und Keyboarder) und Zeilen wie „I just want to love you in my own language“. Mathias kann und will die Wärme des Debutalbums noch nicht ganz gegen die soundtechnische Abkühlung von „Relaxer“ tauschen. Ihn fasziniert vor allem Schlagzeuger Thom Green, die Harmoniearrangements (er ist selbst Musiker) und Joe Newman, dem er eigentlich - seinen Prinzipien entgegengesetzt - oft quäkende Laute als guten Gesang durchgehen lässt.

Song: Deadcrush

E. Ja Wahnsinn, siehst du das!
M. Warte, ich muss ein bisschen weiter nach vorne zu dir, vor mir hat sich gerade ein Hüne aufgebaut.
E. Sind das LED-Stäbe?
M. Müssen LEDs sein, ja. Sieht aus wie drei Kabinen aus Leuchtstäben. Und selbst dahinter noch diese riesigen Bildschirme. Können wir kurz nach hinten gehen und uns das Ganze von dort aus anschauen?
E. Wenn ich dann aber nichts seh, setz ich mich auf deine Schultern, damit das klar ist.

alt-J @ Wiener Stadthalle 2018

Patrick Wally

Song: Fitzpleasure

M. Hier is es besser. Wow, die Leuchtstäbe gehen ja fast bis an die Decke, so schaut’s zumindest aus! Und der Sound! So dicht!
E. Super, dass sie jetzt schon ein Lied vom ersten Album spielen. Kennst du die Setlist?
M. Ja. Ich glaub, sie spielen vom neuen Album überhaupt nicht viel. Ist mir ehrlich gesagt eh ein bisschen lieber. Interessant halt, dass sie die Tour trotzdem „Relaxer“ nennen.
E. Mah, warte, so schön, jetzt kommt der beste Song vom ersten Album!

Song: Something Good

M. Geh, den kann ich seit der A1-Werbung nicht mehr hören.

Song: Nara
Song: Gospel Of John Hurt

M. Merkst du das, bei jedem Song wird von den Lichttechnikern nur eine Farbe eingesetzt, aber das auf so verschiedene Arten, dass man glaubt, die Bühne verschwimmt mit der Decke, über diese riesigen Stäbe hinauf. Das werden super Instagram-Fotos.
E. Mach lieber eine Instagram-Story, für gute Fotos sind wir zu weit hinten. Aber noch wegen der Lichttechnik: Sie haben sogar einen Preis gekriegt dafür, letztes Jahr, hab ich gelesen. Zwei Leute allein kümmern sich nur ums Lichtdesign. Das Konzept haben sie für diese Tour jetzt ganz neu aufgesetzt.
M. Ja, das hab ich auch gelesen. Am Glastonbury Festival 2017 haben sie es das erste Mal ausprobiert und anscheinen Radiohead ein bisschen neidisch gemacht.

alt-J @ Wiener Stadthalle 2018

Patrick Wally

E. Haha, hat Gus gerade gesagt, er hätte gern ein Wiener Schnitzel?
M. Ich verhungere eh auch gleich. Hol’ mir schnell eine Brezel von draußen, warte da auf mich.

Song: Cold Blood

E. Da bist ja endlich, wo warst du denn so lange?
M. Bin beim Merch-Stand hängen geblieben. Hab mir eine signierte Platte gekauft!
E. Welche?
M. Eh die Neue.
E. Achso. Ich hätte gern die älteren Alben endlich auch auf Vinyl. Bin mit dem neuen noch immer nicht ganz warm geworden.
M. Ich nur, was ein paar Songs angeht. Der gerade, „Cold Blood“ zum Beispiel, den find ich sehr gut. Wahrscheinlich aber auch deshalb, weil Truman Capote die besten Romane schreibt. Irgendwie hab’ ich das Gefühl, das dritte Album ist mehr eine Art Übergang, weil es auch ziemlich kurz ist mit nur acht Nummern. Ich glaub, da kommt bald wieder was Neues nach.
E. Ja, das zweite Album ist ja damals auch schon zwei Jahre nach dem ersten erschienen. Sie schreiben schnell, haben sie in einem Interview mal gesagt, was sie halt aufhält, ist das Touren dazwischen.

alt-J haben vor dem Konzert eine FM4 Acoustic Session gespielt, die am Montag, 5. Februar 2018, in der FM4 Homebase und auf der FM4 Website zu hören sein wird.

Song: Interlude I (The Ripe & Ruin)

E. So oft schon wollte ich den Text dazu auswendig lernen. „She looks up up to the blue an whispers to all of the above...“ Ach, weiter schaff’ ich es immer noch nicht. Die Idee ist super, dass ein Song so zwischendurch eingestreut gerade einmal eine Minute lang ist und überhaupt nur aus Gesangsmelodie besteht. Ich wär so gern die dritte Stimme!

Song: Tesselate

Song: Intro (This Is All Yours)

E. Eigentlich ist genau das Intro vom zweiten Album mein Lieblingssong von alt-J.
M. Du klingst ja fast schon so nerdy wie die Band! Aber ich kann’s verstehen. Was ich dabei so wahnsinnig finde, ist, dass sie allein in ein Intro fünf Songideen reinpacken, anstatt wie andere Bands auch drei Songs daraus zu machen. Kommt aber auch daher, dass sie so oft mit Melodie und Rhythmus brechen innerhalb eines Songs, und dann klingt es wie mehrere verpackt in einem.
E. Ok, ok, ich weiß eh, du hast alt-J verstanden, aber ich würde jetzt bitte gern zuhören.. Es klingt nämlich auch ganz gut, nicht so wie letztens hier bei Queens Of The Stone Age.

alt-J @ Wiener Stadthalle 2018

Patrick Wally

Song: Every Other Freckle

M. Der Song hat meiner Exfreundin so gut gefallen.
E. „I’m gonna kiss you like the sun browns you...“ hast ihr das dann auch vorgesungen?
M. Haha, Scherzkeks.
E. Ich finde, das war eine der besten Singles überhaupt, aber irgendwie kommt die Stimmung bei mir grad nicht so rüber wie sonst.
M. Ja, es wirkt ein bisschen distanziert, weil es ist halt alles perfekt konstruiert, mit dieser mega Lichtershow, und dem strikten Ablauf der Songs. Das haben sie eh gesagt, dass sie die Setlist immer so runterspielen und nicht ändern, weil ihnen das einfach nicht liegt. Finde ich total ok, so kann man es dann live eben perfekt machen.
E. Ja, aber live, find ich, muss es ja nicht perfekt sein. Weil: Dann klingt einmal die Gitarre ein bisschen anders, schräger, oder sie treffen einen Ton nicht, und es fällt gleich viel mehr auf. Weil der Rest so im Korsett steckt.
M. Das stimmt schon. Es ist halt immer noch eher eine Band, der man zuschaut, als eine, bei der man mitmacht. Aber es ist so ein Spektakel, ich könnt stundenlang nur dastehen und zuschauen.

Song: Hunger Of The Pine

M. Schade, dass sie Miley Cyrus nie live mit dabei haben.
E. Naja, komm schon, für den einen Song, für die paar Zeilen. Und stell’ dir vor, dann bräuchten sie vier LED-Zellen auf der Bühne.
E. He, warte mal, jetzt sagen sie endlich mal etwas dazwischen... „sing with me“? Aaaah, ich weiß schon...

Song: Bloodflood
Song: Matilda

M., E. „This is from, this is from Matilda...“

Song: Dissolve Me

M. Ich freu mich so, dass sie den Song echt fast jedes Mal spielen, obwohl er schon einer der ältesten ist und nicht einmal wirklich die Hauptsingle vom ersten Album.
E. Aber weißt, was mich nervt? Das ist der Song, wo es am allerwichtigsten ist, dass der Schlagzeuger tight spielt, und irgendwie hängt er gerade immer eine Sekunde hinten nach.
M. Seit wann bist du denn so ein Profi wenn’s ums tighte Spielen geht?
E. Jetzt tu nicht so, das fällt ja sogar mir auf!
M. Stimmt schon. Aber sonst ist er echt ein sehr cooler Typ, super Musiker. Find auch sein Soloprojekt echt spannend, bisschen weird, aber gut.
E. Das bringt mir jetzt aber auch wenig.

alt-J @ Wiener Stadthalle 2018

Patrick Wally

Song: Pleader
Song: Taro

E. Ok, da muss ich jetzt ein Video machen für Philipp. Der mag den Song so gern.
M. Geh, dafür sind wir viel zu weit hinten.
E. Ja, aber man hört’s ja trotzdem! Und jetzt schau mal da nach rechts oben, sie projizieren riesige Dreiecke an die Wände. Echt schön. Die krieg ich drauf.
M. Da fällt mir erst auf, die Sitzhänge sind ja alle zugehängt.
E. Ja, und hinten ist die Halle auch abgehängt. Vorher hab’ ich gehört, dass 6.000 Leute da sind.
M. Ok, ich dachte vorher, ein bisschen mehr vielleicht. Aber die Halle wirkt so abgehängt kompakter, wahrscheinlich deshalb. Angenehm ist es auch, wenn nicht so vollgestopft. Keine WC-Schlangen.

Song: Left Hand Free

E. Puh, ich sag das bei alt-J eigentlich nie, aber DEN Song kann ich nicht mehr hören.
M. Ja, ich auch nicht. Hab gelesen, da wollte das Management einfach einen Hit, und den haben sie in drei Minuten geschrieben. Dafür find ich, klingt er dann eh schon wieder viel zu gut.
E. War das jetzt der letzte Song?
M. Na, warte mal, Zugaben kommen sicher noch.

Song: Intro (An Awesome Wave)

E. Haha, alt-J ist aber auch die einzige Band, die zwei Intros in eine Setlist packt.
M. Sind aber auch die einzige Band, die solche guten Intros schreibt. Mir ist es bei den Alben oft so gegangen, dass ich bei den ersten drei Songs hängen geblieben bin, weil die einfach schon so gut sind.

Song: 3WW

M. So, und was jetzt kommt, wissen wir eh.

Song: Breezeblocks

E. „... please don’t go, please don’t go, I love you so, I love you so....“ Es ist komplett egal, wie oft ich’s hör’, das ist doch wohl das liebste Liebeslied, das es gibt. Ich mein’, hör dir an, wenn er singt: „I’ll eat you whole“!

M. Stimmt. Schönster und würdigster Schluss-Satz.

Und jetzt Bier?

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