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Anna Gasser springt mit Snowboard

APA/HANS KLAUS TECHT

Snowboarden bei Olympia

In der Nacht von Freitag auf Samstag beginnt der erste Snowboard-Freestyle-Bewerb bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang. Der Kurs ist sehr speziell, die Medaillen umkämpft. Wer sind die Favoriten und welchen Chancen haben Anna Gasser und Clemens Millauer?

Von Simon Welebil

In den 20 Jahren seit Snowboarden eine olympische Sportart geworden ist, hat sich einiges verändert. Die Diskussion, die es 1998 noch gegeben hat, ob Snowboarden an Olympia überhaupt teilnehmen soll, sind lange verstummt, zumindest in den Reihen der ContestfahrerInnen. Alle, die die Möglichkeiten haben, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, wollen dort hin, um sich und ihren Sport einer Öffentlichkeit zu präsentieren, die sonst selten Bilder aus einem Snowpark zu sehen bekommt.

Das TV-Publikum hat auch großen Anteil daran, dass die Snowboard-Freestyle-Bewerbe bei den Olympischen Spielen zweimal in Folge Zuwachs bekommen haben. Vor allem im wichtigsten Fernsehmarkt, den USA, hat Snowboarden die höchsten Einschaltquoten. Und im Gegensatz zu den anderen Sportarten erreicht es auch ein junges Publikum, das den Olympischen Spielen sonst fernbleibt. 2014 wurde unter anderem auch deshalb Slopestyle als zweite Freestyle-Disziplin aufgenommen, bei den Spielen in Pyeongchang kommt jetzt Big Air dazu.

Der etwas andere Slopestyle-Kurs

Dem Fernsehpublikum soll bei Olympia auch eine besondere Show geboten werden. Deshalb haben die Veranstalter das deutsche Snowpark-Unternehmen Schneestern mit dem Bau des Slopestyle-Kurses beauftragt. Nachdem die ersten Renderings dazu veröffentlicht wurden, haben viele Rider wie etwa Clemens Millauer erstmal schlucken müssen: „Mein Eindruck ist, die sind ein bisschen verrückt“, sagt er im FM4 Interview und spricht Rails (die doppelt so hoch wie ein Fußballtor sind) und Schanzen mit schrägen Absprungwinkeln an. „Wir sind sowas eigentlich noch nie gefahren und es wird deshalb eine besondere Challenge für uns sein, dort unser bestes rauszuholen und zu überleben!“

Eine Obstacle-für-Obstacle-Analyse des Slopestyle-Kurses gibt es hier

Schneestern hat den Kurs so angelegt, dass jede Sektion möglichst viele Möglichkeiten bieten soll, sie zu fahren. Schon in der ersten Rail-Section müssen sich die RiderInnen zwischen vier Varianten entscheiden und das setzt sich bis in die Jump-Sections fort, wo es eben Schanzen mit schrägen Absprüngen gibt. Angst haben müsse vor diesem Kurs aber niemand, relativiert der österreichische Snowboard-Headcoach Gigi Scheidl die Befürchtungen über den Kurs im Vorfeld. Er sei nicht viel anders zu fahren als die Slopestyle-Kurse bei anderen Contests. Vor allem dem Publikum soll das Setup möglichst viel Abwechslung garantieren, wie diese Abwechslung dann von den Judges bewertet wird, wird sich spätestens in der Qualifikation der Männer in der Nacht von Freitag auf Samstag zeigen.

Favoritenrollen

Dass Anna Gasser eine Kandidatin für Medaillen ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Sie ist diese Saison allerdings noch kaum Slopestyle-Contests gefahren, einerseits wegen einer Verletzung im Herbst, andererseits, um sich ein wenig zu schonen. Der letzte Versuch in Laax wurde wegen schlechten Wetters abgesagt. Seit den letzten Olympischen Spielen in Sotschi, wo ihr ein Missgeschick beim Start passiert ist, hat sie einiges an Erfahrung gesammelt und fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: „Letztes Jahr ist so gut gelaufen, ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich will nicht vorn dabei sein.“

Anna Gasser

APA/EXPA/JOHANN GRODER

Anna Gasser

Eine Medaille ist Anna Gassers Ziel, aber vor allem im Slopestyle sind die umkämpft. Die US-Amerikanerin Jamie Anderson, die 2014 schon den Slopestyle in Sotschi gewonnen hat und aktuell wieder die XGames, zählt zu den Favoritinnen, genauso wie ihre Teamkollegin Julia Marino, die Finnin Enni Rukajärvi, die Kanadierin Spencer O’Brien und noch einige andere mehr. Die Frauen fahren ihr Finale in der Nacht von Sonntag auf Montag um 2:00.

Zeitplan der Snowboard Freestyle Bewerbe im Pyeongchang

Termine nach mitteleuropäischer Zeit (MEZ)

  • SA, 10. Februar 2018 ab 02:00 Uhr Slopestyle Männer (Qualifikation)
  • SO, 11. Februar 2018 ab 02:00 Uhr Slopestyle Männer (Finale)
  • SO, 11. Februar 2018 ab 05:30 Uhr Slopestyle Frauen (Qualifikation)
  • MO, 12. Februar 2018 ab 02:00 Uhr Slopestyle Frauen (Finale)
  • MO, 12. Februar 2018 ab 05:30 Uhr Halfpipe Frauen (Qualifikation)
  • DI, 13. Februar 2018 ab 02:00 Uhr Halfpipe Frauen (Finale)
  • DI, 13. Februar 2018 ab 05:30 Uhr Halfpipe Männer (Qualifikation)
  • MI, 14. Februar 2018 ab 02:30 Uhr Halfpipe Männer (Finale)
  • MO, 19. Februar 2018 ab 01:30 Uhr Big Air Frauen (Qualifikation)
  • MI, 21. Februar 2018 ab 01:30 Uhr Big Air Männer (Qualifikation)
  • FR, 23. Februar 2018 ab 01:30 Uhr Big Air Frauen (Finale)
  • SA, 24. Februar 2018 ab 02:00 Uhr Big Air Männer (Finale)

Bei den Männern ist die Spitze im Slopestyle noch dichter. Aus den starken norwegischen und kanadischen Teams kann fast jeder der vier Fahrer eine olympische Medaille holen. Mark McMorris und Stale Sandbech haben schon eine aus Sotschi, Marcus Kleveland, Max Parrot oder Sebastian Toutant sind ebenfalls heiße Medaillentipps. Schon jetzt steht fest, dass es einen neuen Olympiasieger geben wird, da Sage Kotsenburg aktuell keine Contests mehr fährt. Ebenso nicht dabei ist Mitfavorit Sven Thorgren aus Schweden, der hat sich diesen Winter zum zweiten Mal hintereinander das Schlüsselbein gebrochen.

Clemens Millauer

APA/EXPA/JOHANN GRODER

Clemens Millauer

Clemens Millauer stapelt im Interview vor dem Abflug nach Südkorea noch tief, will vor allem seinen Run stehen (in der Nacht von Freitag auf Samstag), ins Finale kommen und dort dann nochmal All-In gehen. Außenseiterchancen hat er auf jeden Fall, ein Slopestyle-Podium bei einem großen Contest fehlt ihm allerdings noch.

Der einzige Snowboarder, der in allen drei Freestyle-Disziplinen antritt - was in Zeiten der Spezialisierung fast unmöglich ist - ist übrigens der finnische Altmeister Peetu Piiroinen. Und auch das Gastland Südkorea stellt einen Teilnehmer für den Slopestyle-Contest, den erst er 16-jährigen Minsik Lee. Dass er die südkoreanischen Fans in Medaillenjubel versetzt, ist nahezu ausgeschlossen, dafür fehlen ihm wohl Weite und Höhe.

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