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Mitglieder des Habitat-Kollektivs

Ali Cem Deniz

Auf Laut

Eigentümer ohne Eigentum

Der Verein habiTAT will mit selbstverwalteten Wohnräumen Immobilienspekulation und urbaner Vereinzelnung entgegenwirken. Wie soll das funktionieren?

Von Ali Cem Deniz

Es ist nicht die schönste Gegend von Simmering. Noch nicht. Wenn es nach Eva, Gudrun und Helle geht, wird hier bald ihr eigenes Zuhause entstehen. Neben und mit ihnen sollen sieben weitere Leute wohnen, und das alles soll ganz anders sein als gewöhnliche Wohnräume. Bis es so weit ist, muss aber hier noch viel getan werden.

Die drei stehen vor einer leeren Akrobatik-Halle. Der jetzige Besitzer wohnt nebenan und trainiert hier mit seiner Gruppe. Als er letztes Jahr das 3000m² große Grundstück auf eine Immobilien-Plattform gestellt hat, hat sich das Kollektiv habiTAT bei ihm gemeldet.

Die Habitäter*innen

Der Verein will in ganz Österreich alternative Wohnräume schaffen. In Linz steht schon das willy*fred Haus. Das war das erste Projekt, das erfolgreich umgesetzt wurde. In Simmering wollen die selbsternannten habiTäter*innen mit „SchloR“ die nächsten Wohnträume wahr machen.

„Es soll verschiedene betrieblich genutzte Räume geben. Dazu Ateliers, Seminarräume und eine Gastro-Küche. Und in einem Neubau werden wir wohnen“ sagt Gudrun.

Bei den Projekten orientiert sich Habitat an einem Modell aus Deutschland. Das Miethäuser Syndikat, das aus der Freiburger Hausbesetzer-Szene entstanden ist, hat bereits über 120 Hausprojekte realisiert. Und das funktioniert so: Die BewohnerInnen finanzieren den Kauf der Immobilie mit privaten Mitteln, Crowdfunding und Krediten. Diese Kredite werden anschließend in Form der Miete abbezahlt.

So werden alle MieterInnen zugleich auch EigentümerInnen, obwohl der Verein das Konzept des Eigentums eigentlich ablehnt.
„Wir schaffen hier tatsächlich Eigentum, aber was wir nicht schaffen ist Eigentum, das wir weitervererben. Wir schaffen Eigentum indem wir eine Immobilie vom Spekulationsmarkt nehmen.“ sagt Helle.

Kollektiv alt werden

Bis die Schulden abbezahlt sind, kann es lange dauern. In der Wohnfabrik in Salzburg, ebenfalls ein habiTAT-Projekt, fallen pro Quadratmeter 15 Euro Miete an. Kein Schnäppchen, aber wenn die Kredite erstmal zurückgezahlt sind, soll die Miete sinken. „Es geht nicht darum, dass wir damit Gewinne machen.“ sagt Eva.

Bei den Wohnprojekten geht es auch nicht nur um das Geld und das günstige Wohnen. Wer in einem habiTAT-Haus einzieht, sucht nicht nur ein Zuhause, sondern auch eine Community. In regelmäßigen Sitzungen treffen die BewohnerInnen alle Entscheidungen gemeinsam.
Wer seine Nachbarn lieber meidet, ist hier eher falsch. „Ich würde mich schon freuen, wenn ich die Leute um mich herum kenne, was ja auch dazu führt, dass man sich gegenseitig unterstützt.“ sagt Gudrun.

Dass das Leben in der Kommune nicht nur Vorteile hat, wissen die drei. „Es kann ja schon sein, dass man irgendwann so nicht leben möchte und das ist ja auch ok. Wir sind nicht persönlich daran gebunden unser Leben hier zu verbringen bis wir sterben. Es kann aber auch die Möglichkeit geben, hier alt zu werden.“

FM4 Auf Laut: Alternative Wohnprojekte

In den Städten steigen die Immobilienpreise ins Unermessliche, am Land verbreiten sich Einfamilienhäuser wie Ausschlag. Was sind die Alternativen? Wie können wir besser wohnen - Ressourcen schonend und leistbar? Barbara Nothegger wohnt im Wohnprojekt Wien und hat ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben. Und die Linzer Initiative HabiTAT versucht, über Miethäusersyndikate Alternativen zum Immobilienmarkt zu finden.

Mit ihnen diskutiert Rainer Springenschmid in FM4 Auf Laut über alternative Wohnprojekte. Am Dienstag, 20.2., ab 21.00.

Anrufen und mitdiskutieren: 0800 226 996

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