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Szenenbild aus "the chi"

Showtime

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Der Alltag in der South Side

Bei den Emmys letztes Jahr hat die Schauspielerin, Producerin und Drehbuchautorin Lena Waithe Geschichte geschrieben. Und nun schreibt sie „The Chi“.

Von Dalia Ahmed

Die gebürtige Chicagoerin Lena Waithe, die in der Netflix-Serie „Master of None“ Denise spielt und auch bei der Show mitschreibt (u.a. die Folge „Thanksgiving“) hat letztes Jahr als erste schwarze Frau den Emmy für „Outstanding Writing for a Comedy Series“ gewonnen. 

Und nun schreibt und produziert sie ihre ganz eigene Serie. Nämlich „The Chi“. Ein Drama über die Nachbarschaft, in der sie aufgewachsen ist.

Die Showtime-Serie spielt in der South Side Chicagos und ist eine fast schon dokumentarische und feinfühlige Erzählung des ganz normalen Wahnsinns einer Nachbarschaft, in einer der wohl gefährlichsten Gegenden der USA.

 Eine Gegend, die man aus Rapsongs kennt, die entweder an eine Besserung der Verhältnisse dort appelieren oder vom Leben der dort ansässigen Bandenmitglieder erzählen.

Die Haupthandlung von „The Chi“ startet mit der Ermordung eines Schülers mitten in der Nacht in einer von Banden kontrollierten Straßenecke. 

Die Leiche wird vom ebenfalls jugendlichen Coogie entdeckt, der dem Toten Schuhe und Schmuck abnimmt und damit - ohne es zu wissen - eine Serie an Zufällen, Morden, Gewalt und familiären Zerrüttungen lostritt.



Cast von The Chi

Showtime

Schon in der ersten Folge sterben Kinder, Männer werden zu Mördern und ganze Familien werden in Dinge hineingezogen, von denen sie nie Teil sein wollten. Die South Side frisst ihre Kinder.

„I wanted to say, it’s not a jungle. It’s not a bunch of hooligans with no heart and no souls. And that every black boy isn’t born with a gun in his right hand and a pile of drugs in his left. They’re born with the same amount of hope and joy like every other little baby in the world.“ - Lena Waithe<

Während der erzählerische Hauptstrang von „The Chi“ ein karmischer Kreislauf von Gewalt und Vergeltung ist, passiert drumherum noch so viel mehr in der Nachbarschaft. Charaktere, die in einer Szene Zeugen eines Mordes sind, werden in der nächsten Szene beim fürs Schulmusical proben und einfach gewöhnliche Kinder sein gezeigt.

Einer der spannendsten Side-Plots der Show ist das Hadern des Charmeurs und Strizzis Emmett (von Lena Waithe nach Emmett Till benannt), dem eine Ex-Freundin plötzlich seinen einjährigen Sohn vor die Türe setzt. Das Teen-Dad Drama das sich daraufhin entfaltet ist oft komisch, aber auch herzzerreißend. Und genau dieser Mix macht die Show aus.

"The Chi“ handelt nur peripher von den Gang-Bangern, die neben der Polizei das Waffen- und Gewaltmonopol im Viertel inne haben, sondern hauptsächlich von den „ganz normalen“ Menschen der South Side. Den Müttern und ihren Söhnen, den alten Männern und den kleinen Kindern, die versuchen, so gut es geht, ihr Leben an der Gewalt vorbeizumanövrieren. Das aber auch oft nicht schaffen. Mit „The Chi“ wollte 

Lena Waithe Geschichten erzählen, die als Gegengewicht zu der Flut an Nachrichtenberichten über Ermordungen, dem „War on Drugs“ und Bandenaktivität fungieren. Eine Show, die die Männer, mit denen sie aufgewachsen ist, in einem anderen Licht zeigen. Männer und Frauen, die ihr Leben leben und so gut und schwer es geht, versuchen, die richtigen Entscheidungen für sich und ihre Familien zu treffen und auch trotz der widrigen Umstände Momente der Freude erleben und teilen.

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