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Superorganism

Superorganism

Artist of the week

Rettet die Wale

Superorganism kommen aus allen Ecken der Welt, schreiben Popsongs über Garnelen und Tokio, machen Musikvideos mit Walen drin und veröffentlichen diese Woche ihr Debütalbum. Und Superorganism sind unser Artist of the Week.

Von Christoph Sepin

Rauschen im Hintergrund, Geräusche, wie aus einem Wasserfall, eine tief verzerrte Stimme: „Good Morning, Orono!“. Und schon sind wir mitten drin in der zuckersüß-wunderlichen Welt von Superorganism. „It’s All Good“, der Eröffnungstrack am Debüt der Band aus Australien, Neuseeland, Großbritannien und Japan stellt gleich klar, womit man es hier zu tun hat: Popmusik der Eigensinnigkeit. Naiv, optimistisch, verträumt und verschwommen.

Lange hat es nicht gedauert vom ersten Hören von Superorganism bis zum Release der ersten Platte. Letztes Jahr tauchte die Band wie aus dem Nichts in den Radiostationen und Musikseiten der Welt auf, das Toplied „Something for your M.I.N.D.“ lief auf Heavy Rotation, die ersten Gerüchte machten sich breit, wer denn hinter Superorganism steckte. Denn so einfach und mühelos sollte es doch eigentlich keiner neuen Band sein, Hitsong auf Ohrwurm auf Popoffenbarung zu veröffentlichen.

Damon Albarn wurde von manchen hinter Superorganism vermutet, der Schreiber dieser Zeilen tippte schon eher auf das britische Kollektiv PC Music, während andere kritische Beobachter und Beobachterinnen die Theorie aufstellten, Sängerin Orono würde gar nicht existieren, sei ein Hologram oder eine Computeranimation. Konsumskepsis im 21. Jahrhundert, was wird mir hier vorgesetzt, her mit der Verschwörungstheorie.

Superorganism

Superorganism

Wohngemeinschaftsmusik

Tatsächlich ist alles doch ganz einfach mit Superorganism: Einige der Mitglieder der Band waren schon vor Jahren gemeinsam unterwegs, trafen Sängerin Orono übers Internet und bei Konzerten in Japan - und begannen erstmal sich Songideen online zuzuschicken. Dass da was dran war, an den Liedern des auf acht Personen angewachsenen Projekts, war den Mitgliedern schnell klar. Mittlerweile wohnen sieben der acht Superorganisms zusammen in einem Haus in London, Bandmember Nummer Acht wohnt ein paar Häuser weiter.

Das diesen Freitag erscheinende Debütalbum der Band ist der logische nächste Schritt dieser Entwicklungen. Ein Album der glücklichen Zufälle und der präzisen Planung, das einerseits vorsichtig konstruiert wirkt, andererseits in überladener Spontanität daherkommt. Ein unabsichtliches Konzeptalbum, ein Tag im Leben der Sängerin Orono in ihrer wunderlichen Welt der Wahnwitzigkeiten. Das beginnt mit einem Weckersound, der die Sängerin aus dem Bett läutet. Die Textzeile: „We know you feel the world is too heavy, but you can turn it all around if you want“, bevor im Chor verlautbart wird: „It’s All Good!“.

Superorganism beim FM4 Geburtstagsfest

Franz Reiterer - Radio FM4

Der kollektive Optimismus den Superorganism auf der Bühne live demonstriert, in bunte Regenmäntel gehüllt, von Makeup und Visuals erleuchtet, der findet sich auch am Album wieder. Das wirkt aber nicht ermüdend und fad und zu gewohnt, sondern tanzt auf der notwendigen Kante. Dank sei den nonchalanten Vocals von Orono, dem knarrenden Bass, den sich ständig abwechselnden Drumsequenzen. Und vor allem den Samples. Äpfel, Schreien, Niesen, Autoreifen, die quietschen und jede Menge Wassergeräusche. Denn Wasser spielt für Superorganism eine wichtige Rolle.

„Wir sind ein bisschen vom Internet besessen, weil das ist das, was die Welt heutzutage verbindet“, erzählt Harry, Gitarrist und einer der Songwriter von Superorganism. „Aber vor dem Internet, was hat die Welt da verbunden? Der Ozean! Menschen sind um die Welt gesegelt und so haben sich Dinge entwickelt. Der Ozean ist dieses seltsame Ding, das uns interessiert, das uns aber auch ein bisschen Angst macht.“

Im Musikvideo (und dazu passenden Computerspiel) zum großen Hit „Something for your M.I.N.D.“ schwimmt ein Wal im Stil des Sega-Spiels „Ecco the Dolphin“ durch eine Pixelwelt, die Visuals von „Nais March“ zeigen eine Schifffahrt von Tokio nach Amerika, während sich der „Prawn Song“ ganz einfach nur um Garnelen dreht. „I’m happy just being a prawn!“, singt die Band da im Chor. „Chillin at the bottom of the sea.“

I wanna be a Superorganism

Superorganism haben Großes vor, das wird klar am Debütalbum, obwohl sich die Band noch immer nicht ganz daran gewöhnt hat, der neue heiße Scheiß zu sein. Als man letztens mit Franz Ferdinand abends unterwegs war, sei das schon komisch gewesen, so die Band. Und Orono fragt sich jetzt schon, was sie machen würde, wenn sie diesen Sommer bei einer der zahlreichen Festivalshows der Band auf jemanden wie Tyler the Creator treffen würde.

Sinnesexplosionen beim FM4 Geburtstagsfest

Glitzerkonfetti, 3D-Brillen, neonfarbene Regenjacken - die britische Band Superorganism kleckerte auch beim vergangenen FM4 Geburtstagsfest nicht mit Sinnesreizen. Hier gibt’s das Video vom FM4 Geburtstagsfest.

Dabei gibt sie sich selbst auf der Platte den besten Ratschlag: „Just relax“, am Lied „Relax“, „Turn on, tune in, drop out if you can.“ Mal ein bisschen chillen, zurücklehnen und Pause machen. Superorganism haben mit ihrem Erstling ein Album geschrieben, das genau dafür den Soundtrack bietet. Zwischen 90s-Throwback, überladener Herrlichkeit und Zukunftsmusik for your Mind.

Und dann endet das Ganze, wie es angefangen hat: „Night Time“ heißt der finale Track auf der Platte, auf dem im Hintergrund die Zeile „Wake Up, wake up, wake up!“ flüsternd wiederholt wird, während Orono darüber über unruhige Nächte singt. Und bevor man sich versieht, ist man schon wieder am Anfang der Platte, wie in einem niemals endenden Loop. „Good Morning, Orono!“. Aufgewacht, alles wird gut.

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