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CasaPound Anhänger

FILIPPO MONTEFORTE FILIPPO MONTEFORTE / AFP

Neofaschismus mit linkem Touch

Sie wollen das junge coole Gesicht der Rechtsextremen sein. Die Identitäre Bewegung schreibt bei ihnen ab – hat CasaPound bei den italienischen Wahlen am 4. März Chancen auf einen Platz im Parlament?

Von Anna Masoner

Gepflegte Bärte, flatternde Tricolore, die rechte Hand gestreckt zum saluto romano. So ziehen die Anhänger von CasaPound durch die Straßen Roms. Sie geben sich als besorgte Bürger, ihre Zielscheibe sind Migranten und Flüchtlinge. Mit ihrer Präsenz wollen sie „Drogendealer vertreiben“ oder „vor gefährlichen Ausländern warnen“. Ob die Gruselgeschichte, die sie erzählen, stimmen oder nicht, ist Nebensache.

Die neofaschistische Partei und Bewegung CasaPound ist eines der schillerndsten Aushängeschilder der Ultrarechten in Italien und bekommt von den Medien gerade viel Aufmerksamkeit. Und wenn nicht, überfallen Aktivisten in sogenannten Blitzattacken auch mal Zeitungsredaktionen oder Pressekonferenzen.

CasaPound

ANDREAS SOLARO

„Faschisten des dritten Jahrtausends“

Die Aktivisten und Mitglieder von CasaPound sehen sich als direkte Erben des italienischen Diktators Benito Mussolini und wollen als „Faschisten des dritten Jahrtausend“ seine Ideen in die Gegenwart katapultieren. Das Pound im Namen bezieht sich auf den Schriftsteller Ezra Pound, einem glühenden Verehrer des italienischen Faschismus in den 1930er Jahren.

Ihr Programm lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: „italians first“. Italien müsse vor Überfremdung geschützt werden. Der Sozialstaat dürfe nur Italiener unter die Arme greifen, nicht Migranten oder Flüchtlingen. Denn sie sind laut CasaPound an allem schuld, was in Italien schief läuft: dass es zu wenig Sozialwohnungen gibt, dass die Müllabfuhr nicht funktioniert, dass junge Menschen arbeitslos sind oder in prekären Jobs hängen.

Hauptsitz CasaPound

Andreas SOLARO / AFP

CasaPounds Geschichte beginnt einer Hausbesetzung als Protest gegen Mietwucher – ziemlich ungewöhnlich für eine rechte Gruppierung. 2003 besetzt eine Gruppe von Familien ein leeres Bürogebäude mitten in Rom - ein symbolischer Akt. Das Haus steht im Stadtteil Esquilino, einem Stadtteil in dem viele Migrantinnen und Migranten aus Afrika und Asien leben. „Italienische Botschaft“ nennen sie ihren Hauptsitz.

Italien hatte anders als Deutschland nach dem Krieg nie eine entschlossene Politik der Entnazifizierung. Und obwohl seit 1952 ein Verbotsgesetz in Kraft ist, waren neofaschistische Parteien in Italien immer wieder an der Macht. Der Faschismus wird seit jeher bagatellisiert und toleriert.

„Me ne frego“

Angeführt wird CasaPound von Gianluca Iannone, heute Mitte Vierzig, kahler Kopf und Vollbart- eine Kreuzung aus Hipster und Hells Angel mit Prügelvorgeschichte. Auf seinem Hals tätowiert ist der Satz me ne frego („Ist mir egal“- geprägt haben diesen Spruch Mussolinis Truppen). Im neuen Sitz richtet Iannone ein Buchgeschäft und Jugendzentrum ein, seine Mitstreiter organisieren Konzerte, gratis Arztsprechstunden und verteilen Lebensmittel. Mit all dem gibt sich die Bewegung gezielt einen rebellischen und linken Touch. Sie rappen ihre Weltsicht in den Äther oder prügeln sich im hauseigenen Fitnesscenter in einen MMA Boxring aufs Blut.

In Sozialen Medien inszenieren sich CasaPound Mitglieder und andere Neofaschisten unter dem Hashtag #fascistlove mit Mussolini-Devotionalien und zeigen ihre eintätowierten Faschosprüche.

Die italienische Politikwissenschaftlerin Caterina Froio ist Professorin an der Katholischen Universität Lille und beschäftigt sich seit Jahren mit CasaPound und anderen neofaschistischen Bewegungen und Parteien in Italien.

Ein typischer Anhänger von CasaPound ist unter 35, männlich und gebildet, sagt die italienische Politikwissenschaftlerin Caterina Froio, die sich schon lange mit neofaschistischen Gruppen und Parteien beschäftigt. Und die erleben seit der Eurokrise 2010 immer mehr Zulauf.

Dass es CasaPound jetzt ins Parlament schaffen könnten, findet Froio trotzdem unwahrscheinlich. Denn am äußerst rechten Rand drängen sich bei diesen Wahlen ganze fünf Parteien und sie machen sich gegenseitig Konkurrenz. Dazu kommt das neue und äußerst komplizierte Wahlsystem, das große Parteien bevorzugt, also das mitte-rechts Bündnis um Silvio Berlusconi oder den Partito Democratico mit Ex-Premier Matteo Renzi als Spitzenkandidaten.

CasaPound sind vor allem in Mittelitalien auf lokaler Ebene stark. In einer norditalienischen Kleinstadt Nahe Brescia stellen sie den Bürgermeister und bei den letzten Kommunalwahlen in Lucca in der Toskana haben sie fast 10 Prozent der Stimmen geholt.

Unklare Finanzen

Wie CasaPound finanziert wird, darüber weiß man bisher wenig, sagt Caterina Froio. Mit ihren Aktivitäten weben sie sich sehr clever in die Zivilgesellschaft ein. So verfügen sie über eine Umweltschutz-, eine Studentenorganisation und einen Wanderverein, die aber nicht unter ihrem Logo auftreten.

Über diese Organisationen kommt CasaPound auch an öffentliche Gelder heran. All das hilft der Gruppierung Einfluss zu gewinnen. Auch wenn sie es also nicht ins Parlament schaffen sollten, aus der Öffentlichkeit werden sie wohl nicht so schnell verschwinden.

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