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Shape Of Waters gewinnt den Oscar für betsen Film

APA/AFP/Mark RALSTON

Oscars

TimesUp dominiert die Oscars

„The Shape of Water“ geht mit vier Oscars nach Hause, unter anderen in den Kategorien „Bester Film“ und „Beste Regie“. Keine Überraschungen in den Schauspiel-Kategorien: Frances McDormand, Gary Oldman, Allison Janney und Sam Rockwell werden ausgezeichnet. Und ansonsten? Ein Abend im Zeichen von #TimesUp. The show ain’t over, bis sich der Oscarhost wünscht, eine Frau zu sein.

Von Pia Reiser

Weinstein. #metoo. #TimesUp. Pay Gap. Mike Pence. Black Panther. The students at Parkland. All das gab’s in den ersten paar Oscarminuten, in denen das Hirn, nach dem Michael-Michalsky-Rumgegurke als Fashion-Abgesandter von Pro7 am Roten Teppich, noch gar nicht aufnahmefähig für ganze Sätze ist, im Eröffnungsmonolog von Jimmy Kimmel zu hören Das Bühnenbild schreit Glitz und Glamour, so gut man halt Glamour schreien kann, wenn man aus High Tech Pappmaschee ist, doch der Eröffnungsmonolog erkennt immerhin die Existenz einer Welt abseits der Leinwand an.

Die Oscars feiern 90. Geburtstag, doch die Awardshow ballert deswegen mal nicht gleich ein Feuerwerk der Selbstbeklatschung in die Luft. Eingebettet in eh-ok-Witze ist Kimmels Eröffnungsmonolog eine Verortung im Hier und Jetzt und es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte jemand in einem muffigen Haus mal ein Fenster aufgemacht. Over the course of this evening, I hope you will listen to many brave and outspoken supporters of movements like “Me Too” and “Time’s Up” and “Never Again,” because what they’re doing is important. Things are changing for the better.

In Sachen „Best Supporting Actor“ ist allerdings alles beim Alten, da weiß man immer schon Monate vorher wer gewinnt und es ist immer gerne eine äußerst düstere, verschrobene, manchmal auch brutale Figur. Dieses Jahr heißt das Stück gemähte Wiese Sam Rockwell, der für seine Rolle in „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ ausgezeichnet wird. Rockwell widmet den Award Philipp Seymour Hoffman und bringt einen Preisträger-Enthusiasmus á la Cuba Gooding Jr auf die Bühne mit.

Bilder von den Oscars

FREDERIC J. BROWN / AFP

Sam Rockwell, Frances McDormand, Allison Janney und Gary Oldman

Die Oscars haben was wiedergutzumachen

„The Oscars are 90, which means they are probably at home watching Fox News.“, so Kimmel und gleich darauf kommt Schauspielerin Eve Marie Saint, ein paar Monate älter als die Oscars selbst und sie ist die erste in einer langen Reihe von Präsentatorinnen, die zeigen, dass die 90. Oscars an weiblicher Präsenz - in symbolischem Wert - gutmachen wollen, was Hollywood auf- und abseits der Leinwand die letzten Jahrzehnte vergeigt hat. Sichtbarkeit und Diversität. Und Kampfgeist.

Im Zuspieler, bevor der Preis für „Best supporting actress“ verliehen wird, fallen Sätze aus Filmen, die weniger verschwurbelten Hollywood-Pathos zitieren, als verbale Werkzeuge in Diskussionen um Gleichberechtigung sind. The least I require, is respect und: I want my money. Selbst die Zuspieler zu den einzelnen nominierten Schauspielerinnen sind im Falle von Octavia Spencer und Lesley Manville Kampfansagen Männern gegenüber. Ruhig und beherrscht im Falle von Manville, aufbrausend im Falle von Octavia Spencer.

Ausgezeichnet wird aber - wie auch schon bei allen voran gegangenen Preisverleihungen - Allison Janney für ihre Rolle von Tonya Hardings Mutter in „I’Tonya“. Man hält diese Figur für heillos übertrieben, bis man im Abspann Ausschnitte von der echten Mrs Harding sieht. Dann wird Janneys Spiel quasi Zurückhaltung in Reinform. Der Pelzmantel, das Dauerrauchen, der Vogel auf der Schulter... alles echt!

Veränderung zeigt sich auch in aktuellen Filmen

In einem eigenen Zuspieler - anmoderiert von Ashley Judd, Annabella Sciorra und Salma Hayek, die alle drei Vorwürfe der sexuellen Übergriffe gegen Harvey Weinstein erhoben haben - sprechen Mira Sorvino, Greta Gerwig, Ava DuVernay, Barry Jenkins und andere über den Wechsel, der gerade stattfindet, über die Bewusstseinsänderung, die (in Hollywood) vor sich geht und die Filme, die dafür stehen - von „Wonder Woman“ zu „Black Panther“ von „Lady Bird“ zu „The Big Sick“. Wie immer in diesen Zuspielern fallen große Worte und noch größere Metaphern, doch zum ersten Mal geht es (auch) um Dinge, die jetzt stattfinden.

Irgendwann dreht sich Rita Moreno auf der Bühne, in dem Kleid, das sie auch 1962 zur Oscarverleihung getragen hat, und ruft Viva Mexico“, das später von Oscar Isaac zu Viva Latin America gesteigert wird -als „Coco“ als „Bester animierter Spielfilm“ ausgezeichnet wird. „Feel the reality and feel the love“, sagt Daniela Vega, mit ihr steht zum ersten Mal eine Transgender Schauspielerin auf der Bühne der Oscars - „A Fantastic Woman“, der chilenische Film, in dem sie die Hauptrolle spielt, wird in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ ausgezeichnet.

Frauen: check. Lateinamerika: check. Was war da noch? Achja, wir, das Publikum!

Bilder von den Oscars

FREDERIC J. BROWN / AFP

James Ivory hat das beste Hemd an

Was für Social Media

Tonight we thank the moviegoing public - Kimmel, Mark Hamill, Ansel Elgort, Emily Blunt, Guillermo del Toro, Lupita Nyongo, Armie Hammer und Gal Gadot spazieren in einen Kinosaal nebenan. Seit Ellen das Superselfie gemacht hat, versucht man das jedes Jahr in Sachen High Five mit dem Publikum zu toppen. Man will natürlich auch - Diversität hin oder her - ein ordentliches Social Media-Echo haben.

Und so brüllt dann das Dolby Theatre „Thank you“ via Leinwand an das Publikum im Kinosaal, in dem es laut Kimmel und Gal Godard nach Marihuana riecht und Arme Hammer und Ansel Elgort ballern mit Hot Dog-Kanonen (ja, das gibt’s) Snacks ins kreischende Kinopublikum. Ich sags ungern, aber: man hätte dabeisein müssen.

Maya Rudolph und Tiffany Haddish haben - zurück im Dolby Theatre - dann die High Heels in der Hand, weil die Füße wehtun, zuvor ist schon Viola Davis als erste Präsentatorin über die Bühne gehumpelt, der Zeh tut weh. Schluss also auch mit verpflichtender Perfektion und verkürzter Achillessehne durch hohe Hacken.

Irgendwann singt Sufjan Steven - mit St. Vincent! - die sanfte Schönheit von „Call me by your name“ in den Saal hinein. Roger Deakins bekommt endlich einen Oscar für „Best Cinematography“. Eine Netflix-Doku - „Icarus“ - wird als „Best Documentary“ ausgezeichnet, Kobe Bryant wird der erste NBA Spieler, der einen Oscar mit nach Hause nimmt. Und so viele Brillen heute! Tschüss mit ü, Kontaktlinse!

Brille und Fliege - und das beste Hemd des Abends trägt übrigens James Ivory, der 89jährige wird für „Bestes adaptiertes Drehbuch“ für „Call me by your name“ ausgezeichnet und auf seinem weißen Hemd ist eine Zeichnung von Timothée Chalets Gesicht, dem Hauptdarsteller von „Call me by your name“.

Und schließlich: Was man nicht zu hoffen wagte, wird wahr, Jordan Peele holt sich den Oscar in der Kategorie „Bestes Originaldrehbuch“ für „Get Out“, den besten Film des letzten Jahres. Peele ist der erste schwarze Drehbuchautor, der in dieser Kategorie ausgezeichnet wird.

Jordan Peele mit Oscar

FREDERIC J. BROWN / AFP

Jordan Peele

Mit „This is me“ aus „The Greatest Showman“ kommt dann quasi nicht nur ein oscarnominierter Song auf die Bühne, sondern auch der Refrain, der in drei Worten am besten formuliert, wofür die Oscars 2018 stehen wollen: Diversität. Ich meine, wann haben wir das letzte Mal eine Frau mit Hijab über die Oscarbühne tanzen sehen! Das einzige same procedure as every year-Element sind die Teleprompter-Ablesereien, ansonsten ist man woke - und trägt Roben in weiß, Rot oder electric blue. Soll keiner sagen, wir haben hier die Mode vergessen.

Ja, und was sollen die mittelalten weißen Männer in Hollywood jetzt so machen? Die können sich eine Gitarre umhängen und den „In memoriam“-Teil begleiten, so wie Eddie Vedder. Adieu, Martin Landau, Roger Moore, Sam Shepard, Jeanne Moreau, George A. Romero, Bernie Casey, Danielle Darrieux ...

Die Hauptkategorien

Emma Stone kündigt - im Hosenanzug! ich riech sie schon, die Revolution - die „Beste Regie“-Kategorie als "diese vier Männer und Greta Gerwig“ an und der immer fröhliche del Toro gewinnt:
I am an immigrant sagt er und echot Lupita Nyongos Worte, als er den Oscar für „Beste Regie“ für „The Shape of Water“ entgegennimmt, also nochmal „Viva Latin America“!

Bilder von den Oscars

FREDERIC J. BROWN / AFP

Der Mexikaner hat mit seinem Film im Grunde einen Film gemacht, der das Auftragswerk eines Hollywoods sein könnte, das sich nach einem tröstenden, einenden Narrativ sehnt, das aber auch den Glanz des alten Hollywood in sich trägt. In „The Shape of Water“ retten eine stumme Frau, eine schwarze Frau, ein homosexueller Mann und ein Russe (!!!) einen Fischmann vor der Regierung - einschüchternd, brutal und übergriffig in pars pro toto-Manier verkörpert vom superen Michael Shannon. Und dann ist „The Shape of Water“ natürlich Balsam für Academy-Mitglieder-Seelen, mit all seinen Referenzen an das Kino.

Apropos, Referenzen, das Bühnenbild sei wie der Orgasmatron in „Barbarella“, sagt Jane Fonda - ebenfalls weiß berobt - sie und Helen Mirren vergeben den Oscar für „Bester Hauptdarsteller“ - und wie erwartet holt ihn sich Gary Oldman für seine Rolle als old man, als Winston Churchill in „Darkest Hour“ - wohl der klassischste Oscarfilm - eine Geschichtsstunde in entsättigten Farben und eingetunkt in Zigarrenrauch - unter den nominierten Filmen. (No country for Oldman, my ass!)

Alle googeln „Inclusion-Rider“

Jodie Foster - mit Krücken, Meryl Streep habe sie „ge-I-tonyad“ - und Jennifer Lawrence vergeben den Preis für „Beste Hauptdarstellerin“. Der Oscar-Tradition nach, hätte Casey Affleck diesen Award vergeben müssen, doch der hatte seine Teilnahme an den Oscars abgesagt. Auch hier gibt es keine Überraschung: Frances McDormand holt sich auch den Oscar für „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“, die Rolle der wütenden Frau im blauen Overall, die sich gegen die örtliche Polizei stellt. Ihre Figur der Mildred Hayes galt schon im Vorfeld als starkes Symbol für die Änderung unter den Hashtags #metoo und #TimesUp. I’m mad as hell and I’m not taking it anymore., wie es in „Network“ einst hieß.

Frances McDormand

Mark Ralston / AFP

McDormand bittet alle nominierten Frauen im Saal aufzustehen und verwirrt die Twitteria mit ihren Schlussworten: I have two words to say to you tonight: Inclusion Rider. Alle googlen „inclusion rider“. (Das hier hilft weiter). McDormand predigt keine hehren Ideale, sondern Anleitungen für den Hollywood-Alltag, wie man die revoluzzerische Grundstimmung vielleicht wirklich für das Einläuten einer Änderung nutzen kann. Rein statistisch aber, gehen dieses Jar so wenig Frauen mit einem Oscar nach Hause, wie das letzte Mal 2012.

I wish I was a woman, sagt Kimmel.

Bonnie und Clyde, Warren Beatty und Faye Dunaway, die letztes Jahr mit ihrer Kuvert-Vertauschung für größtmögliche Verwirrung gesorgt haben, bekommen eine zweite Chance und vergeben den Oscar für „Bester Film“ und der freundliche del Toro Onkel kommt nochmal, weil „The Shape of Water“ doch wohl der größere Konsensfilm war als „Get Out“ oder der bittere „Three Billboards...“.

Del Toro hat zwar jetzt den wichtigsten Preis bekommen, doch Frances McDormands Rede wird wohl mehr nachhallen - und der von Kimmel eingangs versprochene Jetski für die kürzeste Oscarrede, den darf jetzt „Phantom Thread“-Kostümdesigner Mark Bridges mit nach Hause nehmen. (Hier gilt das gleiche wie die oberste Regel für diesen Text: Kein Witz!) Und Meryl Streep hat zwar den Oscar nicht bekommen, dafür aber kurzlebigen Meme-Fame.

Es wurde also ein bisschen durchgelüftet im ehrwürdigen Awardhaus namens Oscar, auch, wenn sich in den Königskategorien „Bester Film“ und „Beste Regie“ der Konsensfilm durchgesetzt hat, aber he, es ist ein Konsenfilm über eine Frau, die einen Fischmann liebt, immerhin! Und wie sagte Daniel Day-Lewis als Reynolds Woodcock in „Phantom Thread“: „A house that doesn’t change is a dead house.“

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Liste der Oscargewinner 2018

  • Bester Film: “The Shape of Water”
  • Beste Regier: Guillermo del Toro, “The Shape of Water”
  • Bester Hauptdarsteller: Gary Oldman, “Darkest Hour”
  • Bester Hauptdarstellerin: Frances McDormand, “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”
  • Bester Nebendarsteleer: Sam Rockwell, “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”
  • Beste Nebendarstellerin: Allison Janney, “I, Tonya”
  • Bestes Originaldrehbuch: “Get Out”
  • Bestes adaptiertes Drehbuch: “Call Me by Your Name”
  • Bester fremdsprachiger Film: “A Fantastic Woman”
  • Bester animierter Spielfilm: “Coco”
  • Beste Spezialeffekte: “Blade Runner 2049”
  • Bester Schnitt: “Dunkirk”
  • Beser animierter Kurzfilm: “Dear Basketball”
  • Bester Kurzfilm: “The Silent Child”
  • Bester Dokumentar-Kurzfilm: “Heaven Is a Traffic Jam on the 405”
  • Beste Filmmusik: “The Shape of Water”
  • Bester Song: “Remember Me” from “Coco”
  • Bestes Szenenbild: “The Shape of Water”
  • Beste Kamera: “Blade Runner 2049”
  • Bestes Kostümdesign: “Phantom Thread”
  • Bestes Makeup und Beste Frisuren: “Darkest Hour”
  • Bester Dokumentarfilm: “Icarus”
  • Bester Tonschnitt: “Dunkirk”
  • Bester Ton: “Dunkirk”

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