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R.I.P.: Craig Mack

Mit nur 46 Jahren ist der New Yorker Rapper Craig Mack an einem Herzversagen gestorben. Mit dem Song „Flava in ya ear“ hat er 1994 Hip Hop-Geschichte geschrieben.

Von Alex „DJ Phekt“ Hertel

Wenn morgens beim ersten Social Media-Scroll immer wieder dasselbe Gesicht auftaucht, bedeutet das meistens nichts Gutes.

Craig Mack Albumcover "Project Funk da World"

Bad Boy Records

Bei mir waren und sind die Timelines heute gefüllt mit Fotos von Craig Mack, der mit nur 46 Jahren an einem Herzversagen gestorben ist. Zahlreiche Hip Hop-Künstler wie Redman, DJ Jazzy Jeff, Pete Rock oder DJ Premier haben persönliche Fotos geteilt und dem Rapper aus Long Island noch einmal Respekt gezollt.

Mit seinem unkonventionellen Rap-Stil und der einprägsamen, tiefen Stimme hat Craig Mack 1994 mit „Flava in ya ear“ einen DER Rap-Songs des durchaus starken Hip Hop-Jahrgangs veröffentlicht. Puff Daddys damals noch junges Label Bad Boy Records verdankt ihm den ersten großen Hit. Die Single wurde mehr als eine Million mal verkauft, zusätzlich gab es kurz darauf einen Remix mit Label-Kollegen Notorious B.I.G., LL Cool J, Busta Rhymes & Rampage.

Funk da world

1988 veröffentlicht Craig Mack unter dem Namen „MC EZ & Troup“ die Single „Get retarded“ auf Fresh Records, jenem Label wo damals auch EPMD ihre Platten veröffentlichen. Deren Kollektiv „Hit Squad“ (mit Redman & K-Solo) ist auch die erste Crew, die ihn als Roadie auf Tour mitnimmt. In Hotel-Lobbys und in Backstage-Räumen etabliert er sich als begnadeter Freestyle-Rapper.

Mit Labels hat er am Anfang seiner Karriere leider kein Glück. Er wechselt seinen Namen in Craig Mack, nimmt erste Demos auf und geht zu Listening Sessions in die Büros von Def Jam & Co. Niemand will den Mann mit den groben Gesichtszügen und der tiefen Stimme unter Vertrag nehmen.

Das Blatt wendet sich, als der junge Labelbetreiber Sean „Puff Daddy“ Combs ihm anbietet, sein Debüt auf dessen neu gegründetem Label Bad Boy Records zu veröffentlichen. Alles was es noch braucht, ist ein Hit. Den soll der Produzent Easy Mo Bee beisteuern.

Wegbegleiter von damals erinnern sich, dass Craig Mack beim ersten Hören von „Flava in ya ear“ von dem Beat gar nicht angetan war und der Deal mit „Bad Boy“ daran fast gescheitert wäre. Letztendlich überzeugen Freunde den als eigenwilligen Character bekannten Craig Mack, einen Text dazu zu schreiben. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Diese und noch viel mehr interessante Anekdoten erfährt man in der semi-professionell wirkenden, aufgrund der Interviews aber durchaus aufschlussreichen Doku „The Craig Mack Story“. Zeitzeugen, enge Freunde und musikalische Partner von damals erzählen darin über den Werdegang von Craig Mack und suchen nach einer Erklärung, warum es ab seinem zweiten Album ruhig um ihn wurde.

Auch wenn rückblickend Label-Kollege Notorious B.I.G. der viel wichtigere und bekanntere Rapper war, der Erfolg von Craig Mack hat für Puff Daddy und dessen Label viele Türen geöffnet.

Dass er, obwohl es sehr naheliegend gewesen wäre, nicht auf dem Debüt-Album von Biggie zu hören ist, liegt an Differenzen, die Craig Mack damals mit Puff Daddy und Notorious B.I.G. hatte.

Craig Mack, der für „Flava in ya ear“ sogar für einen Grammy nominiert war, konnte folglich mit seinem zweiten Album an den Erfolg seines Debüts nicht annähernd anschließen. Es folgte ein Rückzug aus der Hip Hop-Welt und aus dem Showbusiness. Religion wurde für Craig Mack der neue Lebensinhalt, dem er sich voll gewidmet hat.

Jetzt, im Zuge seines Todes, wurde bekannt, dass laut Erick Sermon (EPMD) ein neues Album kurz vor der Fertigstellung war. Und es wurde an einer neuen Doku über sein Leben gearbeitet.

Ob wir davon je etwas hören oder sehen werden, bleibt abzuwarten. Die Stimme von Craig Mack wird mit Sicherheit auch in Zukunft einen Stammplatz in den Kisten und Ordnern vieler Hip Hop-DJs haben. Rest in Peace.

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