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Grüner Spargel

CC0 / Debora Cartagena, USCDCP

MARC CARNAL

Das Spargel-Erfolgsgeheimnis

Warum ist Spargel eigentlich so beliebt? Seit Jahrhunderten beißen sich die großen Denker an dieser Frage ihre quietschenden Zähne aus. Doch jetzt konnte eines der letzten Menschheitsrätsel endlich gelöst werden.

Von Marc Carnal

Kurze Begriffsklärung zum Warmwerden: Was verstehen wir unter Spargel?
Spargel ist ein phallisches, teures sowie essbares Gemüse in den Modellen Grün und Weiß, das beim Kontakt mit Schneidezähnen quietscht und circa so schmeckt, wie der Harn nach dem Verzehr riecht.

Soweit die kompakte Aufzählung der wichtigstens Spargel-Assets. Außerdem sind die faserigen Stangen aus dem Erdreich beliebt. Das ist rätselhaft, denn mal ehrlich: Soooo geil ist Spargel auch wieder nicht. In Wahrheit schmecken doch die allermeisten Gemüsesorten viel besser. Trotzdem erfreut sich der Spargel ungebrochener Popularität.

Kaum werden die ersten Spargel gestochen, spamt ein jeder Wirt seine Speisekarte mit Spargel-Gerichten zu, in Vorabendmagazinen wetteifern Starköche um die originellsten Spargel-Rezepte, in den Supermärkten überragen Spargel-Berge die Spargel-hungrige Kundschaft und beim Promiwirt schieben sich die Seitenblicke-Protagonisten den Spargel kiloweise zwischen die spargeldicken Botoxlippen.

Why?

Der Grund für den jährlichen Spargel-Hype ist nicht etwa seine Bekömmlichkeit, sondern einzig seine Saisonalität. Niemand würde nach Spargel krähen, schon gar kein Hahn, wenn er das ganze Jahr über erhältlich wäre. Dasselbe Beliebtheits-Phänomen wird beim vermaledeiten Bärlauch schlagend. Die Bevölkerung verzehrt sich nach Bärlauch, weil er nur im Frühling gedeiht und weil sich obendrein jeder Depp im erstbesten Wald damit die Jutebeutel vollstopfen kann, um sich dann Bärlauch-Pesto zusammenzumörsern und mit entsetzlichem Bärlauch-Mundgeruch das Umfeld zu martern.

Der Mensch liebt die süße Qual der Vorfreude. Was nicht immerfort verfügbar ist, gewinnt an Appeal. Dieses Prinzip nützt die Natur auf meisterhafte Weise, um verzichtbare Gewächse wie Spargel, Bärlauch oder Eierschwammerl zu promoten. Ohne ihren einmal jährlichen Erscheinungstermin hätten diese Speisen am freien Markt keine Chance.

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Zweifellos lächerliche Küchengeräte

Dass sich die Lebensmittelindustrie diesen Trick nicht viel häufiger zunutze macht, ist rätselhaft. Würde man den “Nur für kurze Zeit erhältlich”-Schmäh flächendeckend zum Einsatz bringen, wäre die Klientel auf die banalsten Produkte scharf.

Pute nur im März! Schon wird die Putenbrust zum Statussymbol, das Putengeschnetzelte zum Gourmet-Highlight und der internationale Tag des Putencordo versöhnt die Generationen.
Gouda exklusiv in der letzten Novemberwoche! Schon posieren Birgit Sarata und Franz Klammer bei Toni Mörwalds großer Gouda-Gaudi stolz mit der Gouda-Prinzessin.
Kornspitz nur zum Kornspitz-Fest! Die Hamsterkäufe würden die Infrastruktur lahmlegen, auch die Verkaufszahlen für XL-Tiefkühltruhen würden in die Höhe schnellen - Wer etwas gelten will, konserviert im Keller einen Kornspitz-Jahresvorrat.

Auch das Gesundheitsministerium wäre gut beraten, auf die Psychologie der Saisonalität zu setzen und alle gesunden Lebensmittel fortan nur für wenige Wochen zum Verkauf freizugeben. Äpfel oder Karotten wären Zeit ihrer kurzen Verfügbarkeit derartig begehrt, dass die Absätze den sonstigen Jahresschnitt übersteigen würden.

Falls der unberechtigte Fame des Spargels nicht als Beweis für meine These akzeptiert wird, lege ich sie eben auf diesen Text um und behaupte hiermit, ihn in einer Woche wieder zu löschen und erst Ende April 2019 wieder für sieben Tage online zu stellen.

Es ist wieder Spargeltext-Saison! “Das Spargel-Erfolgsgeheimnis” - Jetzt nur für kurze Zeit! Schnell lesen, bevor es zu spät ist!

Ich gehe also davon aus, dass dieser Aufsatz millionenfach geteilt wird und mir endlich der Ruhm zuteil wird, den ich mir schon längst verdient hätte.

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