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Portraitfoto Rene Mühlberger alias Pressyes

Marlene Lacherstorfer

Soundpark Act des Monats

Positiver Psychedelic-Hippie-Pop

Es hat Klick gemacht. Aus melancholischem Indie-Rock ist psychedelischer Hippie-Pop mit viel positiver Energie geworden. Rene Mühlberger präsentiert sein neues Solo-Projekt Pressyes und ist damit unser FM4 Soundparkact des Monats Mai.

Von Andreas Gstettner-Brugger

Unscharfe Urlaubsfotos, das Gesicht nur verschwommen zu erkennen. So hat sich Pressyes visuell der Öffentlichkeit präsentiert. Und schon begann das heitere Rätselraten, wer denn hinter diesem Projekt stecken könnte. Mit seiner Stimme war Pressyes zum ersten Mal auf dem großartigen Track „Just Can’t Get Enough“ von Gudrun von Laxenburg zu hören. Schon da versinken die samtenen Vocals in einem Soundmeer aus Halleffekt und flirrender Atmosphäre.

Dann veröffentlicht Pressyes die erste Single „On The Run“ und es wird deutlich, dass hier ein außergewöhnlicher Multiinstrumentalist und Komponist am Werk ist, der sein Handwerk versteht. Die dahingaloppierenden Percussions, die herrlich dreckig schrammelnde Akustik-Gitarre im linken und der kecke Synthesizer im rechten Ohr lassen sofort Assoziationen zum grandiosen Beck der Neunzigerjahre aufkommen. Auch, wie das galant dahingroovende Schlagzeug gespielt und aufgenommen worden ist, erinnert an Beck. „On The Run“ ist ein grandioser Eröffnungssong in die neue Welt von Rene Mühlberger.

Den Schalter im Kopf umlegen

Zuerst kam der Fall. Nach der Auflösung von Velojet hat sich Rene Mühlberger - Sänger, Songschreiber und Mastermind der Band - allein im Proberaum wiedergefunden. Während seine ehemaligen Bandmitglieder sich teilweise dem Familienleben gewidmet haben, hat Rene weiter Songs geschrieben, die alle eher in die Indierock-Richtung seiner ehemaligen Band gegangen sind. Nach und nach sind tieferliegende Gefühle in dieser schwierigen Situation aufgebrochen und der Musiker hat begonnen, sich intensiv mit seiner persönlichen Entwicklung auseinander zu setzen. Vor allem regelmäßige Meditation und Reflexion haben geholfen, den Schalter im Kopf umzulegen.

Rene: „Ich war früher immer sehr melancholisch und oft nicht gut drauf. Manchmal war mir alles zu viel. Dann habe ich mich in den letzten Jahren irgendwie umgepolt. Durch positives Denken, auch wenn das blöd klingt. Das hat sehr gut funktioniert! Ich habe mich auch fast nur mehr mit positiven Sachen und positiver Musik umgeben. Und daher wollt ich auch so ein positives Album schreiben.“

Pressyes live in Österreich:

Das ist „On The Run“ auch geworden, von der ersten Minute an. Denn was uns hier in kompakten, liebevoll und detailverliebt produzierten Songs entgegenströmt, ist verträumter, sphärischer Pop, durchzogen mit psychedelischem Rock der Sechziger und Siebziger, wobei auch Referenzen zur gegenwärtige Musik Einzug gefunden haben. Ein Track wie die zweite Single „Touch The Sky“ könnte mit seinem treibenden Groove, den wabernden Synthie-Flächen und der galaktisch klingenden Gitarrenmelodie auch von Tame Impala geschrieben worden sein.

Endless summer roadtrip

„On The Run“ klingt wie ein Konzeptalbum, ein groß angelegter Roadtrip, der einen spätestens mit dem Song „California“ unweigerlich an die amerikanische Westküste führt. Hier spielt Rene zu gepfiffener Melodie und geschmeidiger Fuzz-Solo-Guitar mit allen Klischees, die das Land der braungebrannten Surfer-Dudes und ewig lächelnden Golden-State-Girls so hergibt. Das augenzwinkernde Stück repräsentiert Renes Wunsch, wirklich nach Kalifornien zu reisen. Allerdings in einem aufgemotzten DeLorean, um gute fünfzig, sechzig Jahre in die Vergangenheit zu reisen, als Jack Kerouac über die staubigen Highways gefahren ist.

Auch der Titelsong „On The Run“ thematisiert das Reisen und ständige unterwegs sein. Schließlich hat Rene in den letzten Jahren auch als Live-Gitarrist von Clueso viele Kilometer hinter sich gebracht. Außerdem geht es einmal im Jahr nach Asien - nicht zuletzt auch für die Inspiration und das Anfeuern des kreativen Prozesses. Meist, wenn hierzulande der graue Winter Einzug hält.

Wahrscheinlich klingt das Pressyes-Debüt auch deshalb durch und durch wie ein perfektes Sommeralbum. Es flirren und flimmern die Sounds der analogen Instrumente wie die Hitze am Horizont, der luftige und doch erdige Drum-Sound lässt das Herz und die Beine auf der nächtlichen Open-Air-Tanzfläche hüpfen und das zurückgelehnte „Summertime“ versetzt uns sofort auf den weißen Sandstrand unter die schattenspendende Palme.

Portraitfoto rene Mühöberger alias Pressyes

Marlene Lacherstorfer

Dass Rene Mühlberger aber nicht abgehoben nur mehr mit dem Kopf in den Wolken unterwegs ist, sondern durchaus Bodenhaftung besitzt, beweist das politische Stück „Children Of The Sun“. In diesem Song ruft er die „Kinder der Sonne“ auf, sich zusammenzuschließen und mutig den Schattenmächten entgegenzutreten.

Ein kleines Stück Vergangenheitsbewältigung ist auch auf der Platte zu finden: Das Indie-Pop-Stück „Fountains“ ist mit seiner melancholischen Grundstimmung eine Aufarbeitung der dunklen Zeit nach der Auflösung von Velojet. Und am Schluss von „On The Run“ freut sich Rene dann doch, wieder nach Hause zu kommen. „Well Come Back“ handelt davon, wie anders es sich anfühlt, nach einer längeren Reise zurückzukehren. Wie klein oder groß einem auf einmal die Stadt und die eigenen vier Wände vorkommen. Und dass der Blick wieder neugierig und offen ist und man Dinge entdeckt, die einem im Alltagstrott verborgen bleiben.

Albumcover "On The Run" von Pressyes

Pressyes/Ink Music

Das Debütalbum „On The Run“ von Pressyes erscheint am 11.05. bei Ink Music.

So ganz ist Rene trotz der blonden Haarsträhnen und dem blumigen Outfit nicht zum Hippie geworden, auch wenn ihn das schon immer fasziniert hat.

Rene: „Ich habe das schon immer ein Stück weit versucht zu leben. Aber ich bin natürlich kein echter Hippie, der einfach in den Tag hineinlebt. Dazu arbeite ich viel zu viel und hänge auch leider an materiellen Dingen, wie an meinen alten Synthesizern und Gitarren. Aber ich träume gerne davon und es gibt auch Momente, wo ich mit meinem VW Bus aus den Sechzigern herumfahre, einfach wo stehen bleibe, ein paar Tage im Bus schlafe und einfach mache, was ich will.“

Genau diesen Spirit vermittelt das großartige Pressyes-Debüt mit all seiner Positivität, seinem wundervollen Dream-Pop-Klanguniversum und den sonnigen Songs, die einem schon beim ersten Mal hören nicht mehr aus dem Kopf wollen. Um die wieder loszuwerden, hilft dann wohl nur mehr meditieren.

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