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Janelle Monae

Janelle Monae

Artist of the Week

Das Trojanische Roboterpferd

Janelle Monáe spricht auf „Dirty Computer“ sehr direkt über wichtige gesellschaftliche Themen, verpackt diese aber in sehr breiten Pop-Sound. Auch deshalb ist sie unser Artist Of The Week.

Von Stefan „Trishes“ Trischler

Der FM4 HipHop-Lesekreis hat sich den Song „Django Jane“ genauer angehört.

Es ist die Platte, die sie immer machen wollte, aber sich bis jetzt nicht getraut hat. Während sich Janelle Monae auf The ArchAndroid und Electric Lady hinter dem Androiden-Alter Ego Cindi Mayweather versteckte, hören und sehen wir sie auf Dirty Computer in Fleisch und Blut. Den erforderlichen Mut zur Verletzlichkeit musste sie erst über Jahre aufbauen. Vielleicht war es Janelle Monae in Zeiten von #metoo, #timesup und #blacklivesmatter aber auch einfach wichtig, ihre großen Statements musikalisch umzusetzen.

Und das passiert auf der neuen Platte zur Genüge, wenn auch - wie im oberen Fallbeispiel - in einem musikalischen Gewand, das auch oberflächliche Berieselung zulässt. Ob die Message der weiblichen Selbstermächtigung gegen bestehende patriarchale Machtverhältnisse unterbewusst besser ankommt als in einem sehr direkten Rapsong mit Wut im Bauch, ist eine interessante Frage. Auf Dirty Computer wählt Janelle Monae jedenfalls hauptsächlich den Weg eines extra-poppigen Trojanischen Pferdes, mitunter auch zur Verwirrung ihrer bisherigen Fans.

FM4 Interviewpodcast

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Janelle Monae im FM4 Interview Podcast

Die volle Wirkung ihrer Songs entfaltet sich aber mitunter erst in Kombination mit den visuellen Elementen, die im Fall von Dirty Computer sogar zu einem kompletten Emotion Picture ausgebaut wurden. Janelle Monae hat in der Zwischenzeit ja Hollywood-Luft geschnuppert - und in „Moonlight“ und „Hidden Figures“ ja auch echtes Talent bewiesen. Auch der große afroamerikanische Blockbuster „Black Panther“ hat sie inspiriert und mit seinem kulturellen aber auch kommerziellen Impact sehr stolz gemacht.

Nicht zuletzt ist der Einfluss ihres großen Mentors Prince auf Dirty Computer ebenfalls spürbar. Die erste Single Make Me Feel klingt nicht nur nach dem Funk-Gott, er hat da tatsächlich vor seinem frühen Tod ein paar Grooves beigesteuert. Und mit der Vorgehensweise, Songs gegen Diskriminierung und Machtmissbrauch aller Art in großer Pop-Ummantelung durch das Stadttor der Aufmerksamkeit zu rollen, wäre der Violette vermutlich auch einverstanden gewesen.

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