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Zita Bereuter

Wortlaut

Musik beginnt immer mit Bowie

John Wray hat früher Platten verkauft und in mittelmäßigen Bands gespielt. Nachdem aus der Musik nichts geworden ist, begann er zu schreiben, wurde unter die zwanzig besten jungen US-Autoren gewählt und ist heuer Wortlautjuror. Ein Portrait mit Musiktipps.

von Zita Bereuter

„Servus“ grüßt John Wray grinsend. Das Fahrrad seines Onkels habe einen Platten und daher habe die Fahrt ins Funkhaus etwas länger gedauert. John Wray hat ein entspanntes Verhältnis zu Zeit. Er prokastiniert gerne „Ich verwende sehr viel Energie drauf, die Arbeit, in meinem Fall das Schreiben, zu vermeiden.“ Dennoch oder gerade deswegen hat er den Roman „Das Geheimnis der verlorenen Zeit“ geschrieben.

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Zita Bereuter

John Wray heißt eigentlich John Henderson. Aber so heißen in den USA recht viele, weshalb er sich ein Pseudonym suchte. Das fand der Kinoliebhaber bei einem seiner Lieblingsfilme, bei King Kong. Genauer bei der Hauptdarstellerin Fay Wray.

Ins Deutsche übersetzt wurden seine Romane
„Die rechte Hand des Schlafes“ (2002), „Retter der Welt“ (2010) und „Das Geheimnis der verlorenen Zeit“ (2016).

John Wray pendelt derzeit zwischen Mexiko und New York, zur Sommerfrische ist er gern in Frisach in Kärnten - der Heimat seiner Mutter.

John Wray beobachtet lieber. Vorzugsweise im Kino oder in einem Kaffeehaus. Er hört gerne Musik oder spielt die selbst und er liest viel. Zur Inspiration schlage er gern irgend ein Buch auf und lese ein paar Seiten. „Und was dann kommt, ist sehr oft eine Raktion auf das, was ich gerade gelesen habe.“

Damit ist er bisher wohl ziemlich gut gefahren: 2007 wurde er vom Literaturmagazin „Granta“ unter die 20 besten jungen US-Autoren gewählt und im Vorjahr wurde er beim Wettlesen um den Bachmannpreis sehr knapp zweiter und gewann - übrigens mit seinem ersten auf Deutsch geschreibenen Text - den Deutschlandfunkpreis.

Heuer ist John Wray Juror bei Wortlaut, dem FM4 Kurzgeschichtenwettbewerb. Gute Kurzgeschichten müssen für ihn von Anfang an etwas sonderbares haben. „Vielleicht sogar etwas unheimliches. Etwas seltsames. Aber wenigstens etwas überraschendes. Ich lass mich gerne überraschen.“

Auch wenn er sehr hofft, kein strenger Mensch zu sein, so kann er nicht ausschließen, ein strenger Juror zu sein.

Sterne

„Sterne“ ist jededenfalls das Thema von Wortlaut. Damit assoziiert er erst mal „Kälte“, Sternchen in der Schule hat er so gut wie nie bekommen und Sternbilder selbst erkennt er kaum. Auf Sternebewertungen schaut er höchstens beim Schallplattenkauf im Internet. Er selbst würde alles mit Sternen bewerten - „Aber nur privat.“

Musik ist ihm sehr wichtig. Bei seiner Arbeit wie auch sonst im Leben. Er hat jahrelang in einem Plattengeschäft gearbeite und auch „in ganz schön vielen mittelmäßigen Bands gespielt“.

Mir wär ein Leben ohne Literatur viel viel lieber als ein Leben ohne Musik.

Warum ist er dann nicht Musiker geworden?
„Ich habs ja versucht,“ flüstert er.
Er habe sehr lange Gitarre sowie Schlagzeug gespielt, doch irgendwann „zu meiner Trauer feststellen müssen, dass das Schreiben die bessere Route wäre für mich. Und ich weine immer noch drüber. Das Leben ist hart. Man muss aber sein Schicksal akzeptieren. Früher oder später.“

Gästezimmer mit John Wray

Umso einfachder fällt es ihm, Musik für das FM4 Gästezimmer auszusuchen - Themenspezifisch zum Wortlautthema „Sterne“.

Gästezimmer mit John Wray am Sonntag, 6.5. in Connected

  • David Bowie – Starman
  • The Clash – Death is a Star
  • Low – Stars gone Out
  • Spacemen 3 – Walking With Jesus
  • Cosby, Stills & Nash - Dark Star
  • The XX - Stars

Der Beginn ist klar: „Für mich fängt es bei der Popmusik eigentlich fast immer mit David Bowie an.“ Die Platte „Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ ist für John Wray die beste Platte überhaupt. Eine Platte, die alles geändert habe für ihn. „Das war vielleicht das erste Mal, das ich verstanden habe, wie nahe die Popmusik an hohe Kunst kommen kann. Und wieviel Intelligenz man in einen Popsong einbauen kann.“

Er hört auch beim Schreiben gern Musik. Allerdings funktioniere das am besten mit Minimalistischer Musik.
Vielleicht könne ja die Fähigkeit dieser Musik, aus wenig so viel Schönes zu machen, auch Leute zum Schreiben einer Kurzgeschichte animieren. Er würde sich freuen.

(Einsendeschluss bei Wortlaut, dem FM4 Kurzgeschichtenwettbewerb ist der 13. Mai.)

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