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Bildschirmfoto aus "Missing - Game for a Cause"

MISSING Project

Die verlorenen Mädchen

Die indische Künstlerin und Aktivistin Leena Kejriwal macht mit dem Projekt „Missing“ auf Menschenhandel und Zwangsprostitution aufmerksam. Der Weg dorthin verlief facettenreich, von öffentlichen Installationen bis zu einem Computerspiel.

Von Robert Glashüttner

Seit über fünf Jahren kämpft eine indische Fotografin, Künstlerin und Aktivistin nun schon gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution. In Südasien und Südostasien sind sexuelle Ausbeutung und Missbrauch ein großes Problem, das Millionen von Mädchen und junge Frauen betrifft, die oft verschwinden und nie wieder auftauchen.

Leena Kejriwal hat zuerst mit Fotos, später mit Installationen, dann mit Streetart und schließlich mit einem Videospiel auf diese groben Missstände aufmerksam gemacht. Vor kurzem war sie am Indiegames-Festival Amaze Berlin zu Gast und hat über ihre Arbeit und das vielseitige Projekt „Missing“ gesprochen.

Titelbild von "Missing - Game for a Cause"

MISSING Project

Augenöffnend

Als Leena Kejriwal eines Tages durch ein Rotlichtviertel in Kalkutta geführt wird und die Mädchen am Straßenrand stehen sieht, war ihr klar, dass dieses Thema viel mehr Aufmerksamkeit braucht. Ihre bisherigen, wie sie selbst sagt, komplizierten Installationen sollten einem Werk weichen, das auch außerhalb von Galerien sichtbar sein soll. Sie gestaltet große schwarze Silhouetten - Mahnmale gewissermaßen -, die auch im öffentlichen Raum montiert werden.

Doch selbst diese großen, schwarzen Silhouetten des verlorenen Mädchens sind Leena irgendwann zu wenig durchdringend. Das Thema sollte noch mehr Menschen erreichen, und vor allem soll jede und jeder dabei selbst aktiv werden und auf das Thema aufmerksam machen können. So gründet sie das Stencil Project und macht aus der Installatoin ein Streetart-Piece, das man aus dem Netz laden und selbst etwa auf Häuserwände anbringen kann.

Bildschirmfoto aus "Missing - Game for a Cause"

MISSING Project

Das Spiel als Aufmerksamkeitsmagnet

Nach den Graffiti-Stencils kommt der dritte Schritt: Leena trommelt ein kleines Softwareentwicklerteam zusammen und sammelt Geld für eine Augmented-Reality-App. Weil das aber technisch zu aufwendig ist, wie sich bald herausstellt, sattelt man stattdessen auf ein kleines Videospiel um.

In „Missing – Game for a Cause“ schlüpft man in die Rolle eines circa 14-jährigen Mädchens, das gekidnappt und fortan zur Prostitution gezwungen wird. Explizite Bilder sieht man als Spielerin dabei nicht, das Setting und die Dialoge genügen, um den dahinter stehenden Schrecken zumindest ansatzweise erfahrbar zu machen. Das Spiel erscheint im Herbst 2016 und gewinnt noch im selben Jahr den „Indie Game of the Year Award“ des unkommerziellen indischen Softwareverbandes NASSCOM.



Leena Kejriwal und ihr Team nutzen die erweiterte Aufmerksamkeit und investieren das Preisgeld unter anderem in die Umsetzung einer Crowdfunding-Kampagne für ein zweites Spiel namens „Missing: The Complete Saga“, das die Geschichte der Protagonistin Champa von ihrer Kindheit an erzählen und nicht mehr nur ein Mini-Adventure, sondern auch ein Rollenspiel sein soll. Dieses zweite „Missing“-Game wird allerdings frühestens in einem Jahr fertig werden.

Übersetzungen für Süd(ost)asien

Bis es soweit ist, tourt Leena Kejriwal durch die Welt, promotet die „Missing“-Kampagne und sucht Partner in Form von NGOs, diversen Förderinstitutionen und individuellen HelferInnen. Das Spieleteam verbessert währenddessen das dazugehörige (erste) Game, das mittlerweile bereits in über ein Dutzend Sprachen übersetzt worden ist – vor allem in jene vieler süd(ost)asiatischer Staaten wie Bangladesh (bengalisch). Kürzlich ist auch eine deutsche Version des Spiels online gegangen.

„Missing – Game for a Cause“ ist zwar technisch und spielerisch nicht einwandfrei, macht aber gekonnt wie beklemmend auf das Problem von Menschenhandel und Zwangsprostitution aufmerksam. Es ist frei für mobile Apple-Geräte und Android sowie für Windows und Mac verfügbar.

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