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Scott Hutchison

Susi Ondrusova

RIP Scott Hutchison

Über den Tod des Frightened Rabbit Sängers.

Von Susi Ondrušová

Scott Hutchison, Sänger von Frightened Rabbit, ist tot. Nach einer Suchaktion in der schottischen Hauptstadt wurde die Leiche des Sängers am 10. Mai im Hafen in South Queensferry gefunden. Der 36-jährige Musiker ist stets sehr offen mit seiner Depression umgegangen. Sein Leben mit der Krankheit hat er in zahlreichen Songs verarbeitet.

Wenn du Hilfe brauchst

Berichte über (mögliche) Suizide können bei Personen in Krisen deren Situation verschlimmern. Rat und Hilfe im Krisenfall bietet die Psychiatrische Soforthilfe. Unter dieser Nummer erhalten Menschen in Krisensituationen täglich und rund um die Uhr qualifizierte und rasche Hilfestellung: 01 / 313 30

Rund um die Uhr erreichst du – ohne Vorwahl – unter der Notrufnummer 147 auch Rat auf Draht - die Telefonberatung für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen, für alle Themen, die Kinder und Jugendliche betreffen.

Vom Moment als Grant Hutchison, der Drummer der Band und Scotts Bruder, auf Instagram das erste Posting veröffentlicht mit der Bitte um Unterstützung bei der Suche nach seinem „best friend / band mate“ bis zur herzzerreißenden Stellungnahme der Familie, dass Scott Hutchison diese Welt verlassen hat, hat sich das Internet von seiner besten Seite gezeigt. Hashtag: Stay. Its okay not to be okay. You are not alone. Let‘s talk about mental health.

Während der Suchaktion, bevor der Tod des Sängers offiziell bestätigt wurde, haben Fans liebevolle Kommentare auf den diversen Plattformen hinterlassen und von persönlichen Begegnungen mit Scott Hutchison berichtet. Von seiner warmherzigen und schonungslos offenen Art ist vielerorts zu lesen. Es ist nämlich so: nur weil man sprechen kann, heißt es nicht, dass man verstanden wird. Scott hat aber verstanden und zu verstehen gegeben. Er hat seine Songs als Trostpflaster und viel mehr angeboten.

Scott Hutchison

Susi Ondrusova

„While I’m alive, I’ll make tiny changes to earth” singt Scott im Frightened Rabbit-Song “Head Rolls Off”. Es geht um Sterblichkeit und dass Jesus auch nur ein „spanish name“ ist. Egal, wie hoch auf der Popularitäts-Skala du bist oder dich fühlst, es geht um die kleinen Schritte, die kleinen Veränderungen, die du erwirken kannst. Mit “tiny changes” ist wohl kaum Mülltrennung gemeint, sondern etwas, das ungreifbar aber nicht unbegreiflich ist: Musik eben, die dich so berührt, dass ein Song wie ein Leuchtturm sein kann, damit du den Weg aus dem schwarzen Loch heraus findest. Die Songs von Frightened Rabbit sind voller Referenzen auf Einsamkeit und den Rand oder die Mitte dieses schwarzen Lochs. Es geht um den „great tank of disaster” (The Wreck) und einen “modern leper”, dem etwas fehlt, obwohl alle Gliedmaßen noch dran sind: „You see, I´ve got this disease I can´t shake and I´m just rattling through life”.

In den Songs von Frightened Rabbit gibt es eine “slipped disc in the spine of community” (State Hospital). Es gibt Feuer und die Frage “would you come brighten my corner” (Woodpile). Es gibt auch Sehnsucht und Humor und Hoffnung.

Get together now
Find hope
There is a life beyond the one you already know
Get together now
Build a home
There is life beyond the one you already know

Die Familie bedankt sich in ihrer Stellungnahme für die Anteilnahme und ermutigt die Fans, weiterhin seelische Probleme offen anzusprechen.

„His absence will always be felt, but he leaves a legacy of hope, kindness and colour, that will forever be remembered and shared”.

Frightened Rabbit war der Spitzname von Scott Hutchisons Mutter für ihr schüchternes Kind. Der 36-jährige Musiker ist in Selkirk, im Süden Schottlands aufgewachsen und hat in Glasgow die Kunstuni besucht. 2003 als Soloprojekt gestartet, hat er das Debütalbum „Sing The Greys“ (2006) gemeinsam mit seinem Bruder am Schlagzeug aufgenommen. Mit „Midnight Organ Fight“ wächst die Band und mit ihr auch das Publikum. In einem seiner letzten Interviews meint Scott „I didn’t edit myself lyrically, because there was no tangible audience to feel embarrassed about expressing these things to”.

Der Beruf des tourenden Musikers ist oftmals schlicht und ergreifend ungesund. Es gibt wenig Routine und die Versuchung von Alkohol. Die frühere Tourmanagerin von Frightened Rabbit hat hier ausführlich darüber geschrieben.

Ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßiger Sport – wichtige Faktoren für Stabilisierung – kommen dabei zu kurz.

Frightened Rabbit touren unermüdlich, nicht nur durch Europa sondern auch in Amerika und Australien. Sänger Scott Hutchison glättet beim Singen seinen Akzent nicht, was dem Ganzen den Reiz des Neuen verleiht. Das letzte Album, das auf dem Indie-Label Fat Cat erscheint, ist “Winter Of Mixed Drinks“ bevor sie zum Major wechseln und 2013 „Pedestrian Verse“ veröffentlichen. Eine Platte über die Scott gesagt hat „That record is the right combination of big, simple songs with added elements of weirdness, both lyrically and instrumentally. It´s the closest we´ve got to perfect balance.” Mit dem letzten Album „Painting Of A Panic Attack” arbeitet die Band mit und im Studio von Aaron Dessner von Scott´s Lieblingsband The National.

Drei Mal haben Frightened Rabbit in Österreich gespielt: November 2010 im Flex und im Juni 2013 in der Arena Wien. 2014 ist Scott mit seinem Solo-Album, das er unter dem Namen Owl John veröffentlicht hat, auf dem Acoustic Lakeside Festival aufgetreten. (Und gemeinsam mit Frank Turner „Modern Leper“ performt, but „lets not talk about Austria“) Erst Anfang April hat er mit seinem Bruder Grant an den Drums und den beiden Lockey-Brüdern Justin (Editors) und James (Minor Victories) das Debütalbum für das gemeinsame Nebenprojekt Mastersystem veröffentlicht und Konzerte gespielt.

Für die schottische Musikszene ist Hutchisons Tod ein schwerer Verlust. Anfang Juni hätte die Band zum ersten Mal in ihrer Heimat Glasgow ihr eigenes Festival „The First Incident“ kuratiert: „craft beers, street food and roaming entertainment“ steht auf den Plakaten.

Bei einem meiner letzten Interviews mit Scott Hutchison hab ich ihn gefragt, wie ich zuhause dem Gefühl bei einer Frightened Rabbit Show am nächsten komme: Ich solle mich aufwärmen hat er gemeint:

„Because everyone is sweaty at a Frightened Rabbit show! Turn up the music nice and loud. A really big part of a Frightened Rabbit show is involvement and people singing our words. It seems to be that a lot of people have a sort of shared experience, so get some friends around. Don’t do it alone! Don’t do it alone because that’s terribly sad. There could be some sad moments in there so have company and jump around and you´ll have a marvelous time!"

Danke für die Songs.


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