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Song zum Sonntag

Die Leere und die Nacht

Der Song zum Sonntag: Yung Hurn - „Hellwach“

Von Christoph Sepin

Wenn man dasselbe Wort ewig wiederholt, dann kann das in zwei Richtungen gehen: Entweder wird es in seiner Bedeutung immer schwerer, aufgeladener und tiefgründiger. Oder es verliert jegliches Gewicht, wird zu einer sinnbefreiten Aneinanderreihung von Buchstaben, versinkt in der Bedeutungslosigkeit.

Yung Hurn scheint das nicht nur zu wissen, sondern absichtlich damit zu spielen. Wie auch in „Hellwach“, einem Song vom endlich veröffentlichten Debütalbum „1220“.

Die zentrale Zeile des gleichnamigen Lieds, von Anfang an erschöpft und kraftlos dahin lamentiert: „Hellwach“. Hier geht es entweder um alles oder um gar nichts.

Die Ruhelosigkeit der Nacht, die Einsamkeit in der Zweisamkeit, die Introversion und Selbstbeobachtung, das kommt hier alles zusammen bevor noch eine ganze Zeile ausgesprochen wird.

Beobachtungen der Umwelt, objektiv und emotionslos, alles ist, wie es ist. Das ist auch in diesem Yung Hurn-Track wiederzufinden. Reduziert und auf die kleinste Essenz gebracht, leere Worte, die am Ende ihrer Aussagekraft stehen: „Mach dies, mach das, zehn Lachs. Nektar Mango, trink’ Saft.“

Blick’ nach oben auf die Decke

Warum er immer nur Liebeslieder schreibt, wollte ich mal von Yung Hurn wissen. „Weil ich verliebt bin“, war die logische Antwort, natürlich. Die ewige Liebe im ewigen Jetzt, auch in „Hellwach“ wieder deutlich gemacht. „Kommt dir das echt vor? Ehrlich, sag mir, was du fühlst.“

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  • Auch der geschätzte Wissenschafts- und Popjournalist Thomas Kramar macht sich in der Presse am Sonntag zum jeweils selben Song seine Gedanken.

Und dann gelingt dem Rapper in all der erschöpften Selbstaufgabe doch noch ein Moment der großen Erkenntnis, ein Aufblitzen, eine wichtige Message an die Liebenden: „Wenn ich sterb’, weine nicht. Kerze auf meinem Grabstein. Seelen, Baby, bleiben nicht. Schlaf’ zum letzten Mal ein.“

Und das alles eingepackt in Wolken und Mondlicht, verschwitzte Träume in heißen Sommernächten. Schweiß auf der Stirn, leerer Magen, rote Augen. Ein Griff nach der ewigen Momentaufnahme, eine Umarmung vor dem nächtlichen Spaziergang nach Hause. Und alles ist sinnvoll und sinnlos zugleich.

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