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JEAN GRAE & QUELLE CHRIS

Mindy Tucker

hiphop-Lesekreis

Jean Grae & Quelle Chris haben „zero fucks to give“

Die New Yorker Indie Rap-Heldin hat mit ihrem Verlobten Quelle Chris die musikalisch sperrige, aber inhaltlich umso vielschichtigere Platte „Everything’s Fine“ gemacht - der FM4 HipHop-Lesekreis ist begeistert.

Von Stefan „Trishes“ Trischler

Manches ändert sich nicht: Als ich Jean Grae zum ersten Mal hörte, nannte sich die Rapperin noch What? What? und gastierte auf einem Song von The Herbaliser. Aber schon damals zog mich ihre ruhige Stimme ebenso in ihren Bann wie die offene Art, mit Gefühlen und Befindlichkeiten umzugehen. Im Gegensatz zur Emo-Ära, in der wir heute leben, war das im HipHop-New York der späten 90er die rare Ausnahme.

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Aber „Ausnahme“ ist ein Wort wie geschaffen für Jean Grae: Geboren in Kapstadt als Tochter der beiden südafrikanischen Jazz-Größen Sathima Bea Benjamin und dem davor als Dollar Brand bekannten Abdullah Ibrahim wuchs sie im Chelsea Hotel auf - ja, DEM Chelsea Hotel. Es war nicht gerade die unbeschwerteste Kindheit. Aber die nach einer Comic-Heldin benannte Rapperin machte sich dafür musikalisch einen Namen, erst als Teil der Gruppe Natural Resource und dann solo. Sie rappte über Liebe und Hass, verarbeitete tiefe persönliche Traumata oder sprengte mit epischem Storytelling jegliche Rap-Formate.

Diese Kompromisslosigkeit, für die wir Fans sie lieben, machte ein Leben in den Mühlen der Musikindustrie leider sehr schwierig und frustrierend. Jean Grae entschied sich vor zehn Jahren dagegen und macht seitdem fast alles selbst. Nimmt Selbsthilfe-Alben auf, spielt Comedy-Shows und schreibt ihre eigene Sitcom. Life With Jeannie nimmt trotz seiner LoFi-Ästhetik einen Blick auf afroamerikanische Alltagskultur zwischen Normalität und Awkwardness vorweg, für die wir heute Serien wie Atlanta oder Insecure schätzen. Achja, Priesterin und Gründerin der Church Of The Infinite You ist Jean Grae auch noch.

Jetzt hat die Gute an der Seite ihres Detroiter Verlobten Quelle Chris wieder eine neue Rap-Platte aufgenommen. Der Titel Everything’s Fine spielt auf den Stehsatz an, den man vor allem in Amerika auch sagt, wenn eigentlich gerade nichts fine ist. Die beiden machen offenbar nicht nur im Haushalt halb-halb, sondern auch bei den Beats und den Texten. Des Resultat ist musikalisch über weite Strecken eher sperrig, inhaltlich aber extrem vielschichtig ausgefallen. Visuell haben sich Jean Grae & Quelle Chris ebenfalls ordentlich ausgelebt: Da gibt es eine 80er Party im Fotostudio, an anderer Stelle durchbricht der Nerdfaktor den roten Bereich, wenn statt einem Video einfach ein Retro-Computerspiel selbst programmiert wird.

Die zero fucks, die Jean Grae hier wortspielreich über einen Chiptune-Beat zu geben hat, fassen eigentlich ganz gut zusammen, warum wir die New Yorkerin lieben. Natalie Brunner, Mahdi Rahimi und meine Wenigkeit haben über den Song, das Album und das rare Künstler-Paar ohne medial verarbeitete Beziehungskrisen gesprochen:

FM4 HipHop Lesekreis: Jean Grae & Quelle Chris - Zero

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