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Atomic Blonde

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Hart, zart und extrem smart

Eben noch martialische Agentin in „Atomic Blonde“, spielt Charlize Theron in „Tully“ eine müde Mama in der Krise. Hier ein paar weitere Toprollen des Hollywood-Superstars.

Von Christian Fuchs

Als Supermodel in „Celebrity“ (1998)

Es ist nur ein winziger Auftritt, aber er hat Starqualitäten. In Woody Allens unterschätzter Gesellschaftssatire „Celebrity“ betört die junge Charlize Theron als namenlos bleibendes Supermodel. Nicht nur Kenneth Brannagh als brabbelnder Society-Reporter verfällt im Film auf der Stelle ihrem Charme, er überträgt sich auch in den Zuschauerraum. Theron, die zuvor bloß in kleinen Nebenrollen aufgefallen ist, parodiert auch ihr Image als ehemaliges Model in Hollywood.

Celebrity

Miramax

Celebrity

Fast zeitgleich präsentiert sich im eigentlich vergessenswerten Beelzebuben-Schocker „The Devil’s Advocate“ eine ganz andere Charlize. Als in die Depression getriebene Ehefrau eines jungen Staranwalts lässt sie Abgründe in ihren verheulten Augen aufblitzen. Weder Al Pacino noch Keanu Reeves bleiben dem Schreiber dieser Zeilen in Erinnerung, nur das traurige Wegdriften der Charlize Theron. Ein maximaler Gegensatz zur leichtfüßig-hedonistischen Figur in „Celebrity“, aber solche Kontraste werden in der Karriere der gebürtigen Südafrikanerin zum Programm.

Aileen Wournos in „Monster“ (2003)

Charlize Theron schafft es in Folge immer wieder, höchst nebensächliche Filme, vom mittelmäßigen Science-Fiction-Horror „The Astronauts Wife“ bis zur John-Irving-Schnulze „The Cider House Rules“, mit ihrer Präsenz zu veredeln. Es sind aber Meisterregisseure wie James Gray („The Yards“), die ihr den Spielraum geben zu berühren und mitzureißen. Trotzdem bleiben viele Kritiker skeptisch, Therons Schönheit steht ihr bei der strengen Cineastenpolizei lange im Weg.

Monster

Einhorn Film

Erst als sie in dem True-Crime-Drama „Monster“ zur seelisch und körperlich vernarbten Serienmörderin mutiert, bekommt sie die verdiente Aufmerksamkeit. Mehr noch, für ihre beklemmende Darstellung der zum Tode verurteilten Aileen Wournos wird Charlize Theron mit dem Oscar gekrönt. Zurecht. Die von der späteren „Wonder Woman“-Regisseurin Patty Jenkins inszenierte White-Trash-Tragödie mag zwar etwas zerfahren zwischen Sozialkritik und Country-Pathos, Overacting und Understatement pendeln. Aber Theron und ihre Filmpartnerin Christina Ricci brillieren als vom Leben zerstörte Frauen.

Mavis Gary in „Young Adult“ (2011)

Nach „Monster“ kann sich die Schauspielerin ihre Parts aussuchen, sie wechselt zwischen ironischer Blockbuster-Action („Hancock“) und Sozialrealismus („The Burning Plain“), engagiert sich für kontroverse politische Themen und vertritt gleichzeitig eine berühmte Parfümmarke in Kampagnen. Im bitterbösen Comedydrama „Young Adult(whttps://www.youtube.com/watch?v=Ar_-v7dEEoo&t=4s)“ darf Theron viele dieser Facetten kollidieren lassen, das Existentielle prallt auf das Oberflächliche, die Tragik auf den Humor, der Dior-Glitzer trifft auf den Schmuddelchic von Frotteetraininganzügen. Die Figur, in der all diese Seiten zusammenkommen, heißt Mavis Gary, ist Mitte Dreißig, sieht blendend aus und finanziert ihr teures Appartment mit Bestseller-Romanen. Wie so oft trügt aber der schöne Schein.

Young Adult

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Young Adult

Mavis taumelt gelangweilt von einem One-Night-Stand zum nächsten, zählt die ersten Falten, säuft aus Frust, weil sie als Ghostwriter doch bloß kitschige Teen-Novels für andere schreibt. Autorin Diablo Cody und Regisseur Jason Reitman kreieren in „Young Adult“ einen neuen Antiheldinnen-Typus: Die ehemalige Cheerleader-Prinzessin ist eigentlich eine clevere, attraktive Frau, die dennoch in einer gewaltigen Krise steckt. Wo andere aus Mavis Gary wahrscheinlich eine hassenswerte Karikatur machen würden, verleiht ihr Charlize Theron aber Tiefe, Substanz und Glaubwürdigkeit.

Imperator Furiosa in „Mad Max: Fury Road“ (2015)

Auch wenn ihr diabolische Fädenzieherinnen wie die böse Königin in „Snow White & The Huntsman“ oder die hinterlistige Konzernmanagerin in Ridley Scotts „Prometheus“ bestens liegen, es ist ihr Part in „Mad Max: Fury Road“, mit dem Theron zu einer Genrekino-Ikone wird.

Mad Max: Fury Road

Warner Bros.

Mad Max: Fury Road

Im Reboot der von ihm geschaffenen apokalyptischen Action-Saga verzichtet Regisseur George Miller auf jegliche konventionelle Dramaturgie, es reicht ein bloßes Handlungsgerüst rund um den einsamen Überlebenden Max, der sich mit einer Gruppe Frauen gegen einen infernalischen Diktator verbündet. Schließlich geht es um pure Bewegung in diesem Film, um rasende Maschinen, Schmutz in den Augen, Sand im Getriebe, Benzingestank und Motoröl. Mittendrin Charlize Theron als Rebellenführerin Imperator Furiosa (allein dieser Name!), die den wortkargen Max (Tom Hardy) zur Nebenfigur in seinem eigenen Film degradiert.

Lorraine Broughton in „Atomic Blonde“ (2017)

Nach „Mad Max: Fury Road“ fokussiert Theron einen Teil ihrer Energie auf das Actiongenre. Sie sei fasziniert von einer kinetischen Art des Filmemachens, erzählt sie in einem FM4 Interview, bei der es weniger um Dialoge als um bedrohte Körper in rasender Bewegung geht. Ex-Stuntkoordinator David Leitch („John Wick“, „Deadpool 2“) gibt ihr das Vehikel dazu. Der Retro-Spionagethriller „Atomic Blonde“ bietet null Substanz, aber dafür knochenzermalmende Stunts, neongetränkte Bilder, pumpende Beats und das charismatische, oft zerschrammte Gesicht von Charlize Theron in Großaufnahme.

For whom the belly tolls
Statt pastellfarbener Babyfreude und Hormonrausch bebildert Jason Reitman in „Tully“ das Muttersein mit Müdigkeit und der Andeutung postnataler Depression. Deprimierendes Sozialdrama ist „Tully“ trotzdem nicht, schreibt Pia Reiser.

Dass sich die Schauspielerin einem brutalen Trainingsregime unterworfen hat, zahlt sich sichtbar aus. Eine wortkarge, menschenfeindliche Spezialagentin wie Lorraine Broughton, die reihenweise Angreifer zermalmt, einsam Wodka trinkt und dabei ihre Wunden pflegt, kriegt man im Kino eher selten zu sehen. Dass Charlize Theron direkt danach 23 Kilo zunimmt, um in „Tully“ überzeugend eine erschöpfte Schwangere zu spielen, das nennt man wohl einen schweren Fall von Method-Acting.

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