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ceci n'est pas Penka - Kuh Symbolbild

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Save Penka

Der Schicksal einer Kuh bewegt die EU-BürgerInnen mehr als der Schicksal von tausenden Menschen. Es geht um die Kuh Penka.

Von Todor Ovtcharov

Der Schicksal einer Kuh bewegt die EU-BürgerInnen mehr als der Schicksal von tausenden Menschen. Es geht um die Kuh Penka. Penka wurde beschuldigt, illegal in die EU eingereist zu sein. Deshalb droht ihr die Todesstrafe. Bis vor Kurzem war Penka eine Kuh wie alle anderen. Sie fraß zusammen mit anderen Kühen Gras in der Nähe eines bulgarischen Grenzdorfes. Ihre Milch war gut und sie und ihr Eigentümer erwarteten bald einen Kalb. Aber dann...

Penka ging von ihrer Herde fort und kam unabsichtlich illegal über die EU-Grenze nach Serbien. Früher wurde diese Grenze strengstens von Grenzsoldaten bewacht, die auf alle schossen, die versuchten, sie zu überqueren. Und es waren nicht Wenige, die es versuchten, denn Viele suchten den Weg durch Jugoslawien in den freien Westen.

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Als der Kommunismus zusammenbrach, wurden die Zäune entfernt. Niemand wollte mehr über diese Grenze. In den letzten Jahren wurde in den Nachrichten noch ab und zu über diese Grenze gesprochen – die zwei Länder beschuldigen einander nämlich, dort illegale Migranten herüber zu schleusen. Aber das alles ist nur Gerede. Niemand nimmt diese Grenze ernst.

Bis Penka sie überquert hat. Ihr Eigentümer suchte sie erfolglos, bis er eines Tages eine Nachricht bekam, dass Penka in Serbien sei. Der serbische Bauer, der sie fand, kümmerte sich um die verlorene Kuh und ließ sie sogar von einem Tierarzt untersuchen, um sich zu vergewissern, dass es ihr gut ginge. Da er selbst Kühe hatte und wusste, wie schlimm es ist, wenn man eine von ihnen verliert, suchte er nach ihrem bulgarischen Eigentümer und wollte sie zurückbringen.

Die Kuh war außerdem schwanger. So begann die wahre Tragödie von Penka. An der Grenze wurde die Kuh aufgehalten. Die bulgarische Veterinärbehörde sagte klar und deutlich, dass Penka und ihr ungeborenes Kalb getötet werden müssen, da sie ohne Papiere aus einem Nicht EU-Land hereinwollten. Der Kuhbauer wollte aber seine Kuh nicht aufgeben und ein epischer Kampf begann.

Kühe auf einer Ebene

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Die Presse erfuhr vom Fall. Die britische Zeitung „Telegraph“ hat unter dem Motto #SavePenka sogar eine Unterschriftenaktion für Penkas Leben begonnen. Dort wird pathetisch erklärt, dass ein Tierleben von den kalten EU-Bürokraten genommen werde. Es hört sich beinahe so an, als ob Juncker und Tusk selbst Penka blutdurstig an der Grenze schlachten wollten.

All das passiert am Ende der bulgarischen EU-Ratspräsidentschaft. Ich würde mich nicht wundern, wenn der Fall in die österreichische Ratspräsidentschaft übergeht. Liebe Hörerinnen und Hörer, es könnte sein, dass ihr euch noch viel mit der Kuh beschäftigen müsst. Entscheidet euch auf welcher Seite ihr steht, denn es geht um Leben und Tod!

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