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Blumenaus WM-Journal

Alles klar in Gruppe B! Oder schießt der Host von 2026 quer?

Marokko will nach Europa! Niemand mag den Iran! Portugal kommt als Meister! Spaniens neue Bescheidenheit rules!

Von Martin Blumenau

Eh alles klar in Gruppe B, oder? Die zwei letzten Europameister, also die iberischen Nachbarn, kommen weiter. Und tschüß!

Selbst wenn: der Blick auf den direkten Nachbarn lohnt sich. Nicht nur weil Marokko dann, wenn Trump sich vertwittert, echt die WM 2026 hosten wird.

The daily blumenau bietet seit 2013 ebenso wie sein Vorgänger, das Journal, regelmäßig Einträge zu diesen Themenfeldern.

المملكة المغربية

Marokko ist näher dran an Spanien als Rest-Europa: direkte, enge Grenzen (Ceuta, Melilla) statt eines weitläufig trennenden Gebirgsmassivs, dazu die gemeinsame Klammer der maurischen Kultur oder die kanarischen Inseln. Und Marokko will da rein, nach Europa, in den Club der Großen, auf Augenhöhe, Anschluss halten – nicht mit der (ganz okayen) Liga, das geht sich nicht aus, aber mit der Nationalmannschaft.
Dafür sucht man seit Jahren quer durch die europäische Diaspora ganz gezielt nach Talenten. Beim entscheidenden Quali-Match für die WM, in dem man die Elfenbeinküste rauskegelte (auswärts, 2:0) standen ausschließlich in Spanien, Frankreich, Holland oder Belgien geborene Marokkaner auf dem Platz; die auch fast allesamt dort (und in England und Italien und Deutschland und der Türkei) spielen, bei Real, Juve oder Ajax, als Qualität haben wie Benatia, Saiss, Hakimi, Amrabat, Belhanda, Ziyach oder Boutaib.

Dazu hat Marokko auch den bestmöglichen Coach: Herve Renard, Franzose mit Model-Look, Afrika-Meister mit dem Außenseiter Sambia 2012 und den untrainierbaren Ivorern 2015. Renard lässt zwischen Dreier- und Viererkette switchen (fühlt sich aber im 4-2-3-1 am wohlsten), hat saubere Tests gespielt, und etwa Serbien geschlagen. Wenn einer der beiden europäischen Nachbarn diese Mannschaft unterschätzt, dann wird er zuschlagen.

Marokko nähert sich Europa übrigens auch demokratiepolitisch an: der Monarch baut seine absolute Monarchie zwar nominell in eine konstitutionelle mit vom Volk gewählten Parlament um, bastelt aber seit Jahren am perfekten Polizeistaat (man sagt, dass kein Blatt von einem Baum fallen kann, ohne dass die Polizei davon erfahren würde) und wird so locker Anschluss an die neuen, illiberalen Demokratien Europas finden; und vielleicht auch deren Stimmen beim Duell um die WM 2026 mit dem uneinigen Trio Kanada-USA-Mexiko (samt Puddingfinger Trump) als einzigem Gegner.

Dieses ungleich bedeutendere Match am Vorabend der WM-Eröffnung will Marokko gewinnen, die drei Vorrundenspiele sind dann nur eine Dreingabe.

جمهوری اسلامی ايران

Mit derlei Gedanken (WM-Austragung, Demokratie-Umbau…) muss sich der zweite Außenseiter der Gruppe B nicht befassen: wichtig ist nur ja nicht gegen israelische Teams zu spielen so wie das Shojaei, der Captain und seinen Co Haji Safi (mit einer griechischen Mannschaft) getan hatten. Da wirst du nämlich dann gesperrt vom Verband. Und dann eh wieder pardoniert und doch mitgenommen. Auch hier: viel propagandistischer Theaterdonner. Was Starstürmer Kaveh Rezaei, der dann als einziger tatsächlich ausgeladen wurde, angestellt hat, weiß man nicht.

Carlos Queiroz, der portugiesische Coach in Teheran, hat jedenfalls sonst alle brauchbaren Europa-Legionäre zusammengekratzt und spielt mit einem flexiblen Offensiv-System vor einer Viererkette einen vergleichsweise routinierten Stiefel. Der dann wie 2014 auch ins schlechteste Match der WM münden kann (das 0:0 gegen Nigeria, es war das Grauen).

Queiroz weiß auch alles über Portugal, dort war er 2010 Trainer, nachdem er rund um 1990 schon die sogenannte Goldene Generation zum Junioren-WM-Titel geführt hatte. Das ist aber lange her und ein schwacher Trumpf. Aktuell weht dem persischen Team der Wind voll ins Gesicht: keiner will gegen sie testen (der in Frage gestellte Atomvertrag und die Folgen), jetzt hat sich nach langer Suche Litauen erbarmt, und fliegt nach Moskau ein, zu einem Spiel ohne Zuschauer. Mehr ungeliebter Außenseiter sein geht nicht.

República Portuguesa

Queiroz’ Landsleute, also die Europameister, haben keinen Druck. Erstmals bei einer WM hat Portugal keinen Druck, sie sind Europameister, sie haben einen Titel, den ersten und deshalb ewigen. Genau darin liegen Chance und Gefahr. Die Chance auf einen mit lockerer „mir doch egal“-Haltung hingerotzten Durchmarsch ebenso wie die Gefahr auf ein klägliches Out in einer frühen Phase.

Der Kader, den Fernando Santos, der heiliggesprochene Europameistertrainer, diesmal hingestellt hat, umfasst zwar drei Innenverteidiger die zusammen 105 Jahre alt sind (also eine echte Rollatoren-Gang) aber auch acht Unter-25-jährige, und mit Bernardo und Andre Silva auch die beiden Shooting Stars/Hoffnungsträger, die die nächsten Nani&CR7 werden sollen.

Außerdem hat sich Santos mit seinem defacto-Co-Trainer Cristiano Ronaldo auf ein fixes 4-4-2 geeinigt, das die Stärken aller (etwa Joao Mario, Moutinho, William Carvalho) am profitabelsten berücksichtigt. Soll nicht heißen, dass man für die entscheidende Phase nicht wieder taktische Tricks bereithält, die die Euro gewonnen haben - nur hat es der Europameister einfach nicht nötig sich zu verstellen.

Hab’ ich schon erwähnt, dass Portugal mit dem breitestmöglichen Grinsen, nämlich als amtierender Europameister in dieses Turnier geht, und deswegen so rein gar keinen Druck hat?

Reino de España

Der Nachbar (der von Portugal, aber auch der von Marokko, also fast jedermanns Nachbar in dieser Gruppe, denn der Iran der bleibt wohl unsichtbar) nimmt auch keinen sonderlichen Rucksack ins Turnier mit: Spanien wird zwar allenthalben als Mit-Favorit genannt, mit der Bürde, die besten Mannschaft der Dekade zu sein oder mit seinem stilprägenden Fußball unbedingt anschreiben zu müssen, wird das aktuelle, von Julen Lopetegui geführte Team aber nicht belastet.

Es kommt bescheiden daher, im formschönen immergleichen 4-3-3 angeordnet, mit Stars, die sich in den Dienst der Mannschaft stellen wie Iniesta von Barca bei seinem letzten Turnier oder Isco von Real oder Thiago Alcantara von Bayern oder der unscheinbare Koke von Atletico. Exzentrisch, flamboyant, allürenhaft sind interessanterweise nur die Abwehrrecken wie Sergio Ramos, der Treter, oder der schöne Gerard Pique.

Die irgendwie unbesiegbare Truppe von 2008 - 2012 hatte mehr an Genie/Wahnsinn zu bieten: Casillas, Puyol, Xavi, Cesc, Xabi, Mata, Villa... Vielleicht ist es aber genau diese geerdete Version Spanien 3.0 die wieder ganz vorne mitspielen kann.

Nachgereichtes PS vom 13.6.: mit der Erdung ist es mit der kurzfristig-panischen Entlassung von Coach Lopetegui (Sportdirektor Hierro übernimmt) auch schon wieder vorbei...

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