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Blumenaus WM-Journal

Hier kommt der Weltmeister; Frankreich und seine Vorrunde.

Ein Hoch auf die Koks-Flüsterer! Es lebe die Revolten-Prävention! Gratulation an Stryger Larsen! Australische Destruktivität, ole! Die Peruanische Erinnerungskultur lebe hoch - und der Weltmeister auch...

Von Martin Blumenau

Hier kommt der Weltmeister – und drei kleine, aber mögliche Stolpersteine. Die sich allesamt in zumindest einer Sache sehr einig sind: Kokser haben ein Menschenrecht auf WM-Teilnahme.

The daily blumenau bietet seit 2013 ebenso wie sein Vorgänger, das Journal, regelmäßig Einträge zu diesen Themenfeldern.

Es war ein offener Brief von Lloris, Jedinak und Kjaer, also der drei Kapitäne von Frankreich, Australien und Dänemark, der die FIFA vor ein paar Wochen erreichte. Es wäre falsch, Paolo Guerrero, den alten peruanischen Stürmerstar, vom Höhepunkt seiner Karriere auszuschließen, er habe schließlich weder betrügen noch seine Leistung verbessern wollen. Man möge die 14-monatige Doping-Sperre des internationalen Sportgerichtshofs doch aufheben. Die Spielervereinigung FIFPro schloss sich an – und nun wurde Guerrero begnadigt. Die FIFA kann Gaunereien einfach nur mit einem Augenzwinkern begegnen.

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Einerseits ist dieses Kollegen-Kuscheln durchaus rührend, signalisiert Fürsorge inmitten eines sonst rüden Ellbogen-Biz; andererseits sendet es das fatale Zeichen, dass Kokain eigentlich eh keine Droge, sondern nur ein besserer Espresso ist. Und dass Doping im Fußball ja genau gar kein Thema ist, war oder jemals sein kann, sondern bestenfalls irrtümlich passiert. Ich sehe bei diesem Thema immer die verzerrte Fratze des schlimm gealterten Maradona vor mir, der sich sein Hirn mit zu viel von diesem inexistenten Irrtum weggepfeffert hat und die WM ’94 zur Farce verkommen ließ. In jedem Fall hat die Guerrero-Affäre die Gruppe C mit einer seltsam amikalen Gefühligkeit zugezuckert.

République française

Lege ich mich fest? Ich lege mich fest: Frankreich wird Weltmeister. Bis vor kurzem habe ich diese Einschätzung mit dem Satz „weil sie gleich zwei A-Teams stellen können“ begleitet. Das ist durch die finale Kader-Nominierung von Teamchef Didier Deschamps hinfällig. Mit Rabiot, Coman, Martial, Laporte, Lacazette oder Payet hat der Selber-Weltmeister von 1998 jene rausfiletiert, die vielleicht zu viele Ansprüche auf Spielzeit stellen könnten, und durch den dritten Anzug ersetzt. Frankreich hat Erfahrung mit Spielerrevolten bei großen Turnieren; also auch in der Prävention. Und somit nur den sportlichen Krisenherd Pogba mit dabei.

Frankreich hat kleine potentielle Schwächen in der Abwehr, wird dies aber mit seiner potenten Offensive wettmachen. Deschamps hat zwei Spielideen, das normale 4-3-3 mit seinem spielberuhigenden Mittelfeld Kante-Pogba-Tolisso und das wildere 4-2-4, bei dem er Mbappe, Griezman, Dembele und Giroud zugleich einsetzen kann. Wenn seine Mannschaft ins Rollen kommt, wird das genügen um alles aus dem Weg zu kicken. Und es würde wieder (wie vor zwei Jahren) ein Team auf der Höhe der taktischen Finesse brauchen, um das zu verhindern.

Dass einer der drei Gruppengegner einen Beinsteller abgibt, ehrlich, dazu fehlt mir die Fantasie.

Kongeriget Danmark

Ich will’s beim innereuropäischen Kontrahenten mit einem österreichnahen Beispiel illustrieren. Seit einiger Zeit auf der rechten Abwehrseite der Dänen gesetzt ist Jens Stryger Larsen, der bei Udine in Italiens Serie A spielt. Davor war er einige Zeit in der hiesigen Liga aktiv, bei Austria Wien. Und dort wurde er auch Teamspieler. Stryger ist kein schlechter Rechtsverteidiger, war aber auch kein Durchreißer, und er wurde durch Rückkehrer Florian Klein adäquat ersetzt.

Das erzählt vieles über die dänische Mannschaft: sie verteidigt im Zentrum (Schmeichel jr im Tor, Kjaer, Christensen, Vestergaard) erstklassig, hat mit Kvist, Delaney, Schöne oder Krohn-Dehli auch ein solides Mittelfeld, kann mit Poulsen, Jörgensen oder Dolberg auch gute Angreifer vorweisen, verfügt mit Christian Eriksen auch über einen wirklich herausragenden Spieler und mit Pione Sisto auch über ein potentielles Supertalent.

Worauf ich hinauswill: strukturell ist das Österreich von 2016, also ein Team, das droht sich selber im Weg zu stehen. Zumindest sind Åge Hareides Dänen in ihrer strategischer Variabilität geübter: das grundsätzliche 4-3-3 kann schnell umgebaut werden. Wenn sie sich aber wie Österreich vor zwei Jahren überschätzt, wird es nix mit Platz 2 in der Gruppe.

Commonwealth of Australia

Das österreichnahe Beispiel für die australische Mittelständigkeit wäre James Jeggo, der noch 2017 dabei war, den Kader-Cut aber nicht geschafft hat. Der in Wien geborene Australier wäre bei anderer Staatsbürgerschaftslage angesichts seiner guten Herbst-Halbsaison wohl auch für Österreich ein (mediales) Thema gewesen und dann doch nicht berufen worden.

Die diesmal vom Defensiv-Knauserer Bert van Marwijk (wir erinnern uns an die elende holländische WM 2010, die den Anfang der rasanten Talfahrt des niederländischen Teams initiiert - seine Schuld) angeleiteten Ozzies sind seit 2006 fixer Bestandteil jeder WM, können aber das damals gegebene Versprechen nicht und nicht einlösen. Ein bisschen wie die USA: die Idee eines anderen, frischen, quasi urbritischen Fußballs wird nur angedeutet, aber man bleibt in der Entwicklung stecken. Van Marwijks im Kern destruktives 3-4-2-1 ist nicht dazu angetan, diesen Knoten zu lösen, sondern gibt sich mit wenig zufrieden.

Noch dazu kommt rein gar nichts nach: es sind immer noch die Cahills, Kruses, Leckies und Jedinaks der letzten Jahre. Der Wechsel in die asiatische Konföderation, der mehr Competition in den Quali-Spielen bringen sollte, hat sich nicht wirklich gelohnt - auch die dortige Gegnerschaft ist zu schwach. Einzige wirkliche Konsequenz dieses eigentlich absurden moves (Australien verlässt die ozeanische Fußball-Föderation, die danach nur noch aus Neuseeland und Inseln besteht) ist die Tatsache, dass Südamerika jetzt de facto einen Starter mehr hat. Da muss eine andere Idee her.

Piruw Republika - Piruw Suyu - República del Perú

Vom Play-Off gegen Neuseeland profitierte diesmal übrigens Peru, das erstmals seit 78/82 wieder auf die große Bühne darf. Mit den alten Säcken Guerrero und Jefferson Farfan, aber auch mit jüngeren Hoffnungsträgern wie Tapia, Flores oder Carrillo. Der argentinische Coach Ricardo Gareca, noch so ein El Flaco, war Meistertrainer beim vergleichsweise kleinen Velez Sarsfield, kann also mit Underdogs und hat sich auf ein 4-2-3-1 eingegroovt. Ich spüre da eine Chance auf ein Weiterkommen.

Das ist aber wahrscheinlich Unsinn und hat mit meiner jugendlichen Früherinnerung an die Mannschaft von 78 zu tun, die damals überraschend und verdient unter die letzten 8 kam und wundervolle Underdog-Spiele lieferte, ehe sie dann in den Betrugsfall des 0:6 gegen Argentinien schlitterte. Davor waren der ausflugssüchtige, eigentlich zu kleine, aber großartige Tormann Ramon Quiroga, der Abwehrzwerg Chumpitaz, Flügelgott Oblitas und vor allem Teofilo Cubillas, einer der besten Regisseure dieser Ära (der Peru den bislang einzigen Titel der Geschichte brachte: Südamerika-Meister 1975). Wenn die Peruaner mit ihren Schärpen-Trikots (rot auf weißem Grund) in ein Stadion einlaufen umfasst mich heute noch ein juveniles Gefühl von Freude und Stolz, ich kann’s nicht wegradieren, werde also parteiisch bleiben.

Alle Tabellen und Spielpläne

Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D
Russland Portugal Frankreich Argentinien
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Ägypten Marokko Peru Kroatien
Uruguay Iran Dänemark Nigeria
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Brasilien Deutschland Belgien Polen
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Serbien Südkorea England Japan

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