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Der erste Bubble Days Tag

Der erste Bubble Days Festival Tag sollte ein Ungleichgewicht bei Festival Bookings aufzeigen. Wir haben uns angeschaut, ob das mit dem „Female Friday“ geklappt hat.

Von Dalia Ahmed

Schon wieder in Linz. Nach dem Stream Festival letzte Woche zieht es uns auch dieses Wochenende zur oberösterreichischen Hauptstadt. Diesmal weil das Bubble Days stattfindet. Zum siebten Mal wird an zwei Tagen am Linzer Hafen entspannt, Wassersport betrieben und Musik genossen.

Und das nicht ganz unpolitisch. Der erste Festivaltag stand nämlich im Zeichen der Sichtbarmachung der Ungleichheit bei Festivalbookings.

Schlägt man aktuell das Programmheft eines nationalen oder internationalen Festivals auf, findet man wahrscheinlich eher vereinzelt weibliche Acts in einem Meer aus Jungs-Bands und männlichen DJs, die im schwarzen Shirt auf den Laptop starren.

Aus diesem Ungleichgewicht heraus taufte das Bubble Days den ersten Festival Tag „Female Friday“ und lud Hunney Pimp, Yasmo & die Klangkantine und Ankathi Koi auf die Festivalbühne. Nur der Headliner war männlich, die beiden Deutschrapper Audio 88 & Yassin. Ein Booking, dass die gesamte schöne Idee ein bisschen über den Haufen warf.

Bubble Days

Philipp Greindl

Doch erstmal ganz von Vorne. Der erste Bubble Days Tag startete mit Wakeboarding Kursen, Stand-Up Paddling und mehreren Workshops des Linzer B-Girls Circle - einer Breakdancerinnen Truppe unter der Leitung der ehemaligen Cirque du Soleil Tänzerin Silke Grabinger.

Danach eröffnete die Bühne mit einem souverenen Set der Wienerin Hunney Pimp. Die Cloudrapperin performte vor einem kleinen aber motivierten Publikum. Es wurden Rosen auf die Bühne geworfen und ihr Song „Guade Nocht“ lautstark requestet. Und zum Schluss spielte Hunney Pimp uns bei einer Publikums-Größe-bedingten exklusiven Listening Session einen Track von ihrem kommenden Debütalbum „Chicago Baby“ vor, den sie mit den Worten „Ich entschuldige mich bei allen Fuckboys“ einleitete.

Nach Hunney Pimps Auftritt, der sich nach dem einer große-Hip-Hop-Bühnen Performerin anfühlte, war Yasmo mit ihrer Klangkantine dran.

Bubble Days

Philipp Greindl

Gemeinsam mit der achtköpfigen Big Band animierte Yasmo das Publikum mal zum Mitsingen, mal zum Hände-hin-und-her-Bewegen und mal zu Sprechchören. Dazu gab’s Kritik an der Regierung und plakative feministische Slogans. Ein Auftritt der nicht unbedingt subtil daherkam, aber der brachiale, poppige Vibe sorgte dafür, dass sogar die, die ganz hinten auf der Wiese vor der Bühne entspannten, die Message zumindest verständlich zu hören bekamen.

Bubble Days

Philipp Greindl

Als Ankathi Koi die Bühne stürmte, fühlte es sich so an, als wäre gerade die Bubble Days Headlinerin vor uns. Anfangs standen die Linzer/innen noch weit weg und teils sogar etwas desineressiert da, doch nach den ersten paar Tracks raffte sich das Publikum zu einer ordentlichen Festivalstimmung auf. Es wurde drei mal ge-stagedived. Es wurden epische Grimassen geschnitten und Powerstances eingenommen, von denen Selbstbewusstseins- und Motivationscoaches nur Träumen können. Ankathi Koi brachte wienerischen Glam Rock, Disco Funk und Soul Pop auf die Bühne am Linzer Hafen.

Danach hätte der erste Bubble Days Tag eigentlich auch schon vorbei sein können. Der „Female Friday“ war es auf jeden Fall. Die Headliner waren dran. Nämlich die in Berlin lebenden Rapper Audio 88 & Yassin. Ein Hip Hop Duo, das sonst mit old School Flows und gewitzten, gesellschaftskritischen Texten und einer KIZ-haften Inszenierung mit Hang zur Aneignug katholischer Gewänder und Symbole glänzt.

Bubble Days

Philipp Greindl

Doch im Kontext des Tages wirkten ihre Schmähs abgedroschen und in einigen Momenten sogar unterirdisch tief. „Die Erde ist eine Scheide. Manchmal schön, manchmal schmutzig, aber sie erfüllt ihren Zweck“ funktioniert mit viel Wohlwollen eventuell als ironische Kritik an der Misogynie in manchen Ecken des Deutschraps, wenn man den Audio 88 Track zu Hause mit Booklet in der Hand hört. Aber es funktioniert definitiv nicht an einem als „Female Friday“ gebdrandeten Festival Tag.

Wobei das viele der Festivalbesucher(innen) nicht besonders irritierte. Das Publikum feierte Audio 88 & Yassin, ließ sich von ihnen mit Wasser zur „Taufe“ besprühen, fand sich zum Moshpit ein und rappte laut mit. Der bildungsbürgerliche Machismo war plötzlich über uns hereingebrochen.

Sonst stören mich ja Deutschrapjungs, die bei ihrer aktivistischen Gleichberechtigungsthemen ein bisschen ausklammern, nicht so sehr. Aber wenn man einen ganzen Tag im Zeichen des Hinweisens und Ausbesserns eines Missstandes setzt, dann wird das doch zunichte gemacht, wenn am Ende die großen Headliner doch wieder toughe Deutschrap-Jungs sind.

Wobei das nicht die Schuld von Audio 88 & Yassins ist. Im Interview äußern sie sich auch weitaus reflektierter, als auf der Bühne. Auf die Tatsache angesprochen, dass sie die Headliner am „Female Friday“ sind, meint Yassin: „Ich finde das schade. Wenn man sich anguckt, wie viel wir letztes Jahr gespielt haben und wie viel - im Vergleich dazu - andere Acts unserer Größe oder sogar größer, die weiblich besetzt sind, dann ist das schon merkwürdig.“

Und weiter geht’s

Am Samstag gibt’s bei freiem Eintritt Buntspecht, Gurr, Foreign Beggars, Steaming Satellites und das FM4 Tribe Vibes Soundsystem auf der Bubble Days Bühne am Linzer Hafen zu sehen.

Wenn man als Veranstalter/in, die – unbegründete – Sorge hat, man bekommt kein Festival voll mit nur weiblichen Acts, aber trotzdem dem Geschlechter-Ungleichgewicht auf Lineups entgegenwirken will, dann hätte man das mit dem groß deklarierten „Female Friday“ sein lassen können und auch ganz ohne Tam-Tam einfach mehr Frauen buchen können.

Ganz für sich war der erste Bubble Days Tag ja programmatisch großartig. Nur im Kontext eines „Female Fridays“ hätte man sich eben mehr erwartet.

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