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Gruppe F

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Blumenaus WM-Journal

Der allzu nahe Nachbar als Star in der variabelsten aller Gruppen

Die Gruppe F kann taktisch und systemisch am allermeisten. Es wird am Outcome aber genau nichts ändern: Deutschland geht weit, die anderen schnell heim.

Von Martin Blumenau

Mehr als bei Deutschland, Mexiko und Korea geht nicht, mehr Variabilität, was schnelle System-Switches, taktische In-Game-Strategien etc. betrifft. Und nicht nur, weil sich diese Hyper-Modernität gegenüber dem blökend drögen Schweden-Stil so grell abhebt.

The daily blumenau bietet seit 2013 ebenso wie sein Vorgänger, das Journal, regelmäßig Einträge zu diesen Themenfeldern.

Nur: es wird, zumindest in der Gruppenphase, keinen Unterschied machen. Und auch im weiteren Verlauf nicht. Deutschland wird weit kommen, Mexiko gegen Brasilien ausscheiden und die anderen zwei früh nach Hause fahren.

Obwohl, Einschränkung: dem DFB-Team kann die schon generationenübergreifende Selbstverständlichkeit des flotten taktischen Kopfes gegen weniger flexible Mitfavoriten schon die entscheidenden Körner bringen. Aber das ist schon sehr weit nach vorne gedacht.

Bundesrepublik Deutschland

Ganz prinzipiell und im Vertrauen:
Wir kennen den Deutschen besser als er sich selbst. Fußballerisch gesprochen. Dieser österreichische Blick über die offene Grenze, der alle Infos absaugt, die Sprache in ihren Nuancen versteht, die schnell aufkeimende Überheblichkeit antizipiert: es ist wie Mama, die deine Verfasstheit erkennt, bevor du dir selber drüber bewusst bist.
Glauben wir.
Im Ernst.
Ist natürlich totaler Blödsinn. Es gibt keinen subjektiv-absurderen Blick auf Deutschtand als den österreichischen. Vor allem im Fußball. Weil wir uns im emotionalen Feld zwischen Großer-Bruder-Ablehnung, Häme-bei-Versagen, Zuschreibungs-Zujubelei und nicht nur sprachlicher Anpassung vollends verloren haben, in einem Gefühlslalom, der zwischen 31, 54, 78, 82, 86, 08, 2012&13 und zuletzt eben Klagenfurt, hin- und hertaumelt wie eine besoffene Flipper-Kugel.
Wir wissen nichts über den Deutschen, gerade weil er so nah ist.

Manchmal kennen sie sich aber ohnehin auch selber nicht: Özil und Gündogan waren unlängst Opfer einer solchen Selbstverwirrung; und wurden von Teammanager Bierhoff dann als „unsere Türken“ bezeichnet und somit wieder zurückgeholt. Dabei ist die Integration der Truppe mehr als gelungen: für mich ist Jerome Boateng der Prototyp des mit überhöhtem Selbstbewusstsein die Untiefen des Lebens managende Allerwelts-Autowasch-Deutschen der Gegenwart, der den zappeligen Onkel Matthäus den Garten mähen lässt und Opa Gauland im Rollstuhl vor die Tür schiebt. Und nicht ein Spahn oder ein Lindner, diese Buchhalter des eigenen Lebensentwurfs.

Und Joachim Löw ist der Nachbar, der mit dem Durchblick, bei dem man sich Rat holt in der Nachbarschaft. Deswegen macht Löw das jetzt auch bis zur Rente, das mit der gefühlten und echten Titelverteidigung.

Und er wird es wieder gut machen, er hat die Spieler beinander, die er wollte, mit denen er alles kann, 4-2-3-1 genauso wie alles mit Dreier-Abwehr und offensiven Außen, von einer bis zu drei Spitzen. Das DFB-Team ist gerüstet, da sollten die beiden letzten (schiefen) Tests uns nicht blenden.

Ebenso wie vor vier oder zwei oder acht oder sechs Jahren hat Löws Team sein Unwuchten: Neuer ist nicht der Alter und kein Ter Stegen; hinten außen gibt’s keine Back-Ups. Timo Werner ist eigentlich nicht gut genug. Und Özil lässt sich vielleicht wieder einmal durchs Turnier schleifen. Solche Details kann ich aber auch bei Brasilien, Frankreich oder Spanien finden, das ist Gejammer auf sehr, sehr hohem Niveau. Und bis zum Halbfinale des Turniers hat sich so etwas immer noch rausgeschliffen.

Estados Unidos Mexicanos

Noch einen Dreh mehr an System-Varianten hat Juan Carlos Osorio, weltläufiger Kolumbianer in Mexikos Diensten: er hat sein ohnehin gern viel testendes Team mit zumindest sechs Versionen seiner selbst erprobt (mit einer leisen Vorliebe für ein 4-3-3). Dabei aber - ganz wie Löw - einen Stamm gefunden, auf dem es sich gut aufsetzen lässt. Hinten mit Tormann Ochoa, Salcedo, Hector Moreno oder Layun in der Abwehr, Hector Herrera als Sechser, davor die hibbeligen Dos Santos Brüder und der taktische Taktgeber Abdres Guardado, oder Vela oder Corona, und ganz vorne Peralta oder Chicharito Hernandez.

Jürgen Damm hat’s nicht in den Kader geschafft, da fallen fürs deutsche TV gleich viele Minuten weg, die man über die Deutschstämmigkeit hätte jubilieren können. So bleiben mit Salcedo und Fabian zwei aktuelle Liga-Spieler übrig.

In Mexico selber geht es darum, endlich wieder einmal ins „fünfte Match“ zu kommen, also das (als sicher angenommene) Achtelfinale zu überstehen, was außer daheim (70 und 86) noch nie gelungen ist. Und auch diesmal, trotz aller Qualität des Teams schwer werden wird. Weil es nämlich - wie immer - wohl zehn bessere gibt. Aber: am 1. Juli Präsidentschaftswahlen im Land, der linke Kandidat López Obrador challengt die konservativen Machthaber, man hat womöglich andere Sorgen

Trister Nachsatz: seit ich eine Doku über die Drogen-Kartell-Verwicklungen von Langzeit-Kapitän Rafael Marquez (der trotz seiner 39 auch mit dabei ist, quasi als Maskottchen) gesehen habe, krieg ich einen Würg-Reflex, wenn ich seine Fresse sehe. Denn die erwartbare Manipulation der mexikanischen Meisterschaft (frivole Besitzverhältnisse, direkter Kontakt zur Wettbranche) ist die eine (eh schon ekelhafte) Sache, der direkte Draht in die Zentralen der Mörder-Maschinerie aber eine andere-

대한민국 - 大韓民國 - Daehan Minguk

Shin Tae-Yong steht Osorio und Löw nicht nach: in den letzten beiden Jahren hat er noch einen Tick mehr an Systemen ausprobiert (zusammen kommen die drei fluiden Coaches auf zumindest 16), wobei zuletzt ein 4-4-1-1 die Nase vorn hatte. Die Spielanlage wird eine deutlich einfachere sein: bei Ballgewinn/-besitz schnell und vertikal nach vorne spielen, Abschluss suchen und ja die defensive Ordnung nicht aufgeben. Korea weiß, dass es diesmal keine Chance (da waren andere Generationen spielstärker und willenskräftiger) hat und will sich so teuer wie möglich verkaufen. Ein Erfolg wie 2010 (über Griechenland und Nigeria ins Achtelfinale geschlüpft) oder gar wie 2002 bei der Heim-WM (Halbfinale) ist jenseits jeglicher Reichweite.

Zu wenige der koreanischen Spieler tummeln sich jenseits der zwar eh brauchbaren, aber einfach nicht kompetitiv fordernden Ligen von China, Japan und Korea - einer ist Hwang Hee-Chan, Stürmer-Star bei Salzburg, der aber nur Back-Up für Song Heung-Min, den Superstar von Tottenham sein wird.

Süd-Korea wird sich damit begnügen müssen im quasi kontinentalinternen Wettbewerb um die beste Leistung eines asiatischen Vertreters zu punkten. Und weil Japan und Australien schwerere Gruppen haben, stehen die Chancen gar nicht so schlecht, diesen kleinen Titel einzuheimsen.

Konungariket Sverige

Schweden ist der Favorit meiner argentinischen Schwägerin, aber das hat wohl weniger mit dem fußballerischen Können zu tun.

Schweden ist das perfekte Gegenmodell zu seinen drei Gruppen-Kontrahenten: null taktische Flexibilität, 4-4-2-flach bis in den Tod.

Schweden ist ohne Ibrahimovic gut dran, weil das unendlich anstrengende und energieraubende Ego eines selbsternannten Superstars wegfällt, der in seiner eigenen Welt lebt, und dort davon ausgeht, dass er einen Einzelsport betreibt und eine Art Teamsport-Allergie hat.
Schweden ist ohne Ibrahimovic aber auch keinen Deut besser, weil nichts und niemand mit einem neuen Ansatz oder gar Gewitztheit nachgekommen ist.

Schwedens Fußball entspricht der Realverfassung seiner geradezu triebhaft egalitäre Gesellschaft; immer wieder orientieren sich leicht bessere Spieler an einer mittelmäßigeren Gruppen-Identität - Peter Forsberg, Jimmy Durmaz oder Victor Lindelöf sind in ihrem Vereinsumfeld deutlich eigenständigere Kicker als im Team-Umfeld.

Schweden ist wie ein Wutzler: man spielt wie an eine der drei Formations-Stangen genagelt.

Coach Janne Andersson hat keine einzige neue Idee; sein Sturm heißt Berg - Toivonen, das sind zwei über 30-Jährige, die gefühlt auch schon zurückgetreten waren; die Mittelfeldzentrale steuert impulslos, die an die Außen gepressten Kreativspieler legen ihre inversen Läufe sehr vorschriftsmäßig an. Immerhin steht die Abwehr (Lustig - Lindelöf -Granquist - Olsson oder Augustinsson) sehr gut. Vielleicht sind zwei Unentschieden drinnen, es ist aber auch egal. Weil es nämlich egal ist ob Schweden bei dieser WM mitspielt oder nicht, weil man sie und ihr Spiel in der Minute des Schlusspfiffes schon wieder vergessen hat.

Alle Tabellen und Spielpläne

Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D
Russland Portugal Frankreich Argentinien
Saudi-Arabien Spanien Australien Island
Ägypten Marokko Peru Kroatien
Uruguay Iran Dänemark Nigeria
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Brasilien Deutschland Belgien Polen
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Costa Rica Schweden Tunesien Kolumbien
Serbien Südkorea England Japan

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