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Gruppe H

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Blumenaus WM-Journal

Die Gruppe H ist der ungeliebte Appendix dieser WM...

Gemein! Nur weil kein Ex-Weltmeister dabei ist... dabei wird dort guter Fußball gespielt werden... James, Lewa, Mane, Kagawa, alles pipifein!

Von Martin Blumenau

Es wird am nächsten Dienstag sein, nachmittags, wenn die vier Außenseiter der mindergeschätzten letzten Gruppe ihren ersten Auftritt absolvieren. Bis dorthin werden alle anderen sich positioniert haben; und die Weltöffentlichkeit wird ihre erste Gesamt-Einschätzung abgeben, ohne auch nur eine Sekunde H gesehen zu haben. Sie werden wie ein lästiger Kropf behandelt werden, wie eine Warze, wie ein Blinddarm. Und das ist nicht nur gemein, sondern auch falsch. Nicht weil der künftige Weltmeister aus diesem Quartett kommen wird, sondern weil der Fußball, den diese vier Mannschaften spielen, doch deutlich über dem Schnitt sein und zu den 16 besseren Teams dieses 32er-Feldes gehören wird.

The daily blumenau bietet seit 2013 ebenso wie sein Vorgänger, das Journal, regelmäßig Einträge zu diesen Themenfeldern.

Rzeczpospolita Polska

2012 war Polen der EM-Gastgeber der Herzen, ein knapp gescheiterter Underdog. 2016 spielte Polen einen knausrigen Angeber-Fußball, der fürs Viertelfinale reichte. Zwei Jahre später, diesmal beim weit wichtigeren WM-Turnier hat man sich in der Mitte eingependelt: eine schlaue, gut kalkulierende Mannschaft, die weiß, dass sie womöglich ihre letzte Chance auf dieser Bühne hat.

Adam Nawałka, Coach seit 2013, kennt die Bedeutung eines WM-Erfolgs, er war 1978 dabei, mitten in der historisch größten Phase des polnischen Fußballs, als man zweimal Dritter wurde (74 und 82) Olympiasieger (72) und Zweiter (76).

Der Plan von Nawałka für diese WM, der der Generation Lewa/Kuba/Piszczek/Krychowiak/Glik/Grosicki/Szczesny das Highlight bescheren soll, war generalstabsmäßig: die hervorragende Qualifikation in der Weltrangliste absichern, indem Polen einfach gar keine Testmatches bestritt um keine Punkte zu verlieren - der Trick hat Topf 1 gebracht, immerhin. Das Viertelfinale wird trotzdem schwer zu erreichen sein, denn: die Konkurrenz ist gut, das Team schon über dem Zenit, zu viel 30plus, die Abwehr nicht so gut, dazu die Abhängigkeit von Lewandowski, dessen Streitereien mit Kuba Blaszczykowski...

Weil Nawalka das alles auch weiß, hat er zum 4-4-2 der Quali ein 4-2-3-1 gepackt und es zuletzt (wegen Außenverteidiger-Problemen, vor allem links) mit einem 3-4-3 probiert; alles Varianten, die Sicherheit geben sollen, in einer Ausgangsposition als Favorit, in der Bürde der Erwartungshaltung.

Bloß: Erwartungen hat man nur in der Heimat. Für den Rest der Welt, selbst in Russland ist es nur der Kopf der popeligen letzte Gruppe, die halt auch mitspielen darf.

República de Colombia

Besser ist die Ausgangsposition für Jose Pekermans Kolumbianer: kein Favoriten-Gerede, wiewohl Platz 5 bei der letzten WM das eigentlich nach sich ziehen müsste. Auch weil diesmal Radamel Falcao, der damals fehlende Star und Kapitän dabei ist. Vielleicht hat das damit zu tun, dass der Torschützenkönig von 2014 im Anschluss nicht die Superstar-Karriere gemacht hat, die viele vorm geistigen Auge hatten: James (sprich: Chaamess) Rodriguez (zuerst Real, jetzt Bayern) wurde eben kein neuer Neymar, Messi oder CR7, sondern blieb irdisch.

Ich erwarte von Team Colombia einiges: Top-Tormann (Ospina), Super-innenverteidiger-Duo (Oldie Zapata, Jungstar Mina), dem guten Sechser Sanchez und der Offensive mit Uribe, Cuadrado, James, Bacca und Falcao dann doch mehr als nur gediegenes Mitspielen. Ich will ein Stückchen Zauberei und Fantasie, mehr davon als es die anderen in der Gruppe und auch die meisten anderen bei der WM aufbieten können.

Pekerman stellt in allen möglichen Versionen mit Viererkette auf, zuletzt in 4-2-3-1, aber auch 4-3-3 oder 4-4-2 - sein Personal ist flexibel und er kann was. Wobei... Ich zitier mich einmal selber: „Jose Pekerman ist ein sauguter Trainer. Und trotzdem zuckt der gemeine Fußball-Freund (zurecht) zusammen, wenn er diesen Namen hört. Weil er ihn mit einem einzigen Spiel und vor allem einer fatalen Fehlentscheidung in diesem Spiel verbindet. 2006 hat Pekerman Argentiniens Führung gegen das deutsche Team verjuxt, indem er vorschnell auf Defensive zurückbaute und dem jungen Lionel Messi einen Eintausch verwehrte. Es kam, wie es kommen musste: Ausgleich, Elferschießen, Lehmanns berühmter Zettel und das argentinische Aus.“

Wird Pekerman nie mehr wieder passieren.

日本

Apropos Trainer und Fehler: wie Japan mit Vahid Halilhodzic, dem legendären Bosnier in Frankreich, umgegangen ist, ihn nämlich nach erfolgter Quali im April dieses Jahres zu feuern, weil ein paar Tests so aussahen (wie Tests eben) spricht nicht für den Verband. Beerbt wurde er von Akira Nishino, dem technischen Direktor. (Erinnert an die absurde Geschichte, die Spanien gerade mit Lopetegui und Hierro treibt - nur ohne die suizidal wirkende Zeitnähe zum Turnierstart...)

Nishino (in Japan durchaus eine Legende, vor allem wegen des Olympiateams von 1996) hat in seinen drei Spielen von Halilhodzics 4-3-3 auf ein 4-2-3-1 umgestellt, das - wie zuletzt gegen die Schweiz - recht hölzern daherkam, was aber wohl auch damit zu tun hatte, dass Keisuke Honda (der Chef beim SV Horn) die zentrale Rolle von Kagawa bekam.

Andererseits ist der Stamm gut eingespielt: Tormann Kawashima, Yoshida und Makino hinten innen, Nagatomo links, Hasebe im zentralen Mittelfeld, Kagawa davor offensiv, dazu die anderen Deutschen wie Haraguchi, Usami, Muto, Osako und dann noch Okasaki aus Leicester, das hat eine gewisse Routine. Mir ist das Spiel dieser guten Individualisten insgesamt dann aber weitstreckig zu fad und zu statisch. Bei der starken Konkurrenz dieser Gruppe wird sich Team Japan kreativitätsmäßig weit aus dem Fenster lehnen müssen um mithalten zu können.

République du Sénégal

Der Star des Senegal dirigiert draußen: Aliou Cisse ist nicht nur wegen seiner Dreads, grellen Outfits und schicken Brillen eine echte Erscheinung, er war auch der Kapitän der 2002er-Mannschaft, die (übrigens in Japan) Frankreich demoliert hatte und ins Viertelfinale kam, die (geteilt) beste Leistung einer afrikanischen Mannschaft ever.

Damals waren alle Feldspieler des Senegal in Frankreich unter Vertrag - diesmal schickt man eine Weltauswahl aus fast allen großen Ligen, allen voran Sadio Mane, Ex Salzburg, Jetzt-Liverpool. Mane ist so wichtig, dass er auch im Zentrum spielen und Cheikhou Kouyaté als Kapitän ersetzen darf, der im flexiblen System von Aliou zwischen Innenverteidigung (neben dem charismatischen Kara) und Sechser wechselt. In der Quali war es noch ein 4-3-3, zuletzt wurden aber sowohl Fünfer-Abwehr als auch ein 4-2-3-1 getestet.
Im Mittelfeld werden wohl Gana und Ndoye sowie einer der drei Ndiayes (Alfred) Akzente setzen (alle spielen sie in England), vorne sind noch Mame Diouf und Moussa Sow von Gefahr. Alle sind sie potentielle Stars und stehen vor einer massiven Marktwert-Aufwertung, wenn sie auch nur halbwegs gut performen. Und sie haben es in der Hand deutlich berechenbareren Teams als sie es sind (also allen drei Gruppengegnern) kräftig das Haxerl zu stellen; weil sie eben gar nicht einzuschätzen sind, was Positionen oder gar Spielidee betrifft. Womit wieder Aliou Cisse ins Spiel kommt, der einzige schwarze Coach dieses Turniers, an dem so viele schwarze Spieler beteiligt sind.

Aber das ist wieder eine andere Geschichte, die des strukturellen Rassismus im Trainergeschäft. Eine der vielen problematischen Themen und Geschichten, die während der WM nicht sehr laut zu Wort kommen werden.

Alle Gruppen in der Übersicht

Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D
Russland Portugal Frankreich Argentinien
Saudi-Arabien Spanien Australien Island
Ägypten Marokko Peru Kroatien
Uruguay Iran Dänemark Nigeria
Gruppe E Gruppe F Gruppe G Gruppe H
Brasilien Deutschland Belgien Polen
Schweiz Mexiko Panama Senegal
Costa Rica Schweden Tunesien Kolumbien
Serbien Südkorea England Japan

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