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Nicola Werdenigg

APA/GEORG HOCHMUTH

„Mich verblüfft das gar nicht“

Nicola Werdenigg hat mit ihrer eigenen Geschichte eine Diskussion rund um sexuelle Übergriffe im Österreichischen Skiverband ÖSV losgetreten. Bei der vom ÖSV eingerichteten Meldestelle und Kommission haben sich keine Betroffenen mit Namen gemeldet. Nicola Werdenigg dazu im Interview.

Von Irmi Wutscher

Vor ca. einem halben Jahr hat die ehemalige Skirennläuferin Nicola Werdenigg in Österreich eine große Debatte rund um sexuelle Übergriffe im österreichischen Skiverband ÖSV losgetreten. Sie selbst berichtet von einer Vergewaltigung. Andere Skifahrerinnen haben sich über die Medien gemeldet – allerdings alle anonym – und von ähnlichen Erfahrungen berichtet.

Der ÖSV hat daraufhin eine Anlaufstelle plus Experten-Kommission eingerichtet, die diese Fälle aufarbeiten sollten. Geleitet hat diese Kommission Waltraud Klasnic. Die ehemalige steirische Landeshauptfrau hat auch schon eine Kommission für Kirchen-Missbrauchsopfer geleitet. Gestern hat Waltraud Klasnic das Ergebnis dieser Kommission verlesen: „Es hat keinen einzigen Namen gegeben, keine Sportlerin, kein Sportler“, so Klasnic. 130 Telefonate hat die Anlaufstelle geführt und 90 Emails bekommen. „Es haben sich Anverwandte gemeldet, aber es hat niemand einen Namen genannt. Weder von sich selbst noch von Beschuldigten.“ Einen konkreten Fall gibt es, er betrifft einen gewerblichen Masseur. Für ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel heißt das: „Was uns vorgeworfen wurde stimmt einfach nicht. Das muss man festhalten.“

Das sagt Nicola Werdenigg zu den Ergebnissen der Aufklärungskommission.

Die Klasnic-Expertenkommission, die die Fälle von Missbrauch im Skiverband erhoben und ausgewertet hat, hat gestern dem ÖSV eine Art Freispruch erteilt – es sind keine konkreten Namen und Fälle aufgetaucht, heißt es im Abschlussbericht. Was sagen Sie dazu? Überrascht Sie das?

Nicola Werdenigg: Das überrascht mich nicht. Für mich war das von vornherein eine große Frage, ob sich Opfer, Betroffene an diese Kommission wenden wollen. Weil ja ein Vertrauensproblem besteht, sich an eine Organisation zu wenden, in deren Rahmen man schlimme Dinge erfahren hat. Mich verblüfft nicht, dass sich wenige Menschen gemeldet haben.

Weil man Angst hat, weil man überhaupt nicht weiß, wie das weiter verarbeitet wird?

Wenn man einen Machtmissbrauch innerhalb einer Organisation erfährt, dann hat man zu dieser Organisation nicht dasselbe Vertrauen, wie zur unabhängigen Ermittlungsbehörden oder Meldestellen. Wenn man selbst eine Kommission installiert, die einen prüft und dann sagt: da war nix – das ist ja auch ein Machtmissbrauch.
Wir arbeiten darauf hin, dass es eine übergeordnete Clearingstelle gibt, die nicht mit den Sportsystemen verbunden ist. Die dort sehr wohl hinschaut und kooperiert, aber eben unabhängig sein muss von so einem Sportsystem.

Ist das auch der Grund, warum sie selbst dieser Kommission keine Namen nennen wollten?

Ich habe von vornherein den normalen Rechtsweg beschritten. Ich habe gesagt: ich nenne Namen der Staatsanwaltschaft oder den zuständigen Polizeibehörden. Aber einer Kommission, die nur einen Auftrag von einem Skiverband hat, der ja nix anderes ist, als ein Verein, dem kann ich keine Namen nennen. Weil ich ja auch nicht weiß, was mit diesen Namen passiert.
Wenn es um seriöse Aufklärung geht, die möglicherweise mit Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft oder gar Gerichten einher geht, kann ich mich doch nur direkt an den Rechtsstaat wenden.

Wie geht es Ihnen damit, dass Sie jetzt angegriffen, von der Krone sogar als Lügnerin bezeichnet werden?

Die Überschriften von der Kronen Zeitung berühren mich jetzt nicht. Das ist tendenziös. Wenn einem jemand öffentlich Lüge unterstellt … - die Krone macht das ja sehr geschickt, sie stellt eine Frage, begeht keinen Rufmord – dann sollen die das machen. mir ist das völlig egal, weil ich weiß, dass ich immer den guten Weg gegangen und ganz an der Wahrheit geblieben bin.

Sie haben gemeinsam mit der Psychologin Chris Karl eine eigene Anlaufstelle eingerichtet namens „WeTogether“– was passiert mit diesen Fällen, wird da etwas geahndet?

Diese Woche ist da aus einem Sportumfeld eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft gegangen. Die Meldestelle sind nicht wir selber – das geht überhaupt nicht – und wir weisen an den Weißen Ring weiter oder an die Möwe, an Kinderschutzorganisationen.

In der ZIB2 gestern haben Sie gesagt, es ist eine wissenschaftliche Erhebung geplant, gemeinsam mit der Sporthochschule Köln – die ja in größer angelegten Studien gezeigt hat, dass im Sport generell ein Umfeld herrscht das Übergriffe erleichtert. Was ist da geplant bei dieser Erhebung?

Da geht es darum, dass man einmal zu Zahlen kommt, die Sporthochschule Köln hat ja schon eine Studie gemacht. Die Leiterin dieser Studie war vergangene Woche in Wien – da ist es einmal um Studiendesign gegangen. In vielschichtiger Weise soll da erhoben werden, in welchen Sportarten wie und auf welchen Ebenen so ein Machtmissbrauch passiert. Der Gedanke dahinter ist, dann Präventionsmaßnahmen zu etablieren.

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