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APA/AFP/Kirill KUDRYAVTSEV

Blumenaus WM-Journal

Die Bilanz von Runde 2: Nach dem Sprung vom Zehn-Meter-Turm

Oh heimliche Lieblingsgruppe H, du stillst mein Verlangen, du erfüllst mich mit deinem schnörkellosen Verve, du bringst Glück in jedes unvoreingenommene Heim...

Von Martin Blumenau

Und es ist ein wenig wie vorhergesagt: die bis dato durchwegs tollen Spiele der Gruppe H werden schon allein deshalb zu wenig Würdigung erhalten, weil es nach ihrer Beendigung an die Bilanzierung der gesamten Runde geht und das alles überlagert.

The daily blumenau bietet seit 2013 ebenso wie sein Vorgänger, das Journal, regelmäßig Einträge zu diesen Themenfeldern.

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Dabei ließen sich aus dem Scheitern Polens, dem Comeback von Kolumbien, der Wucht des Senegal und der Beharrlichkeit Japans gleich mehrere Epen schnitzen. Bleiben wir bei den Polen, weil die hiermit ja draußen sind. Neben der bereits im Vorfeld angesprochenen Überalterung und der mangelnden Einheit sind Nawalkas Team zwei Problem-Komplexe auf den Kopf gefallen.

Zum einen die System-Umstellung. In der Quali gab es (erfolgreich) das alte 4-4-2, in den Tests dieses Jahres aber das ebenso gut greifende 3-4-3. Statt weiter darauf zu setzen, machte der Teamchef den Schritt zurück; nur um in der Pause des Auftaktspiels alles wieder umzureißen und trotzdem nicht zu gewinnen. Also mit beiden Systemen zu scheitern. Das ist psychologisch ganz schlecht.

Dazu kommt ein weiteres, durchaus bekanntes Phänomen: man richtet sich nach dem Spiel (und den Wünschen) seines Superstars. Das ist - siehe Messi, Neymar etc - nie eine gute Idee. Vor allem, wenn das Bild des Zielspielers Robert Lewandowski im Lexikon unter „launisch“ zu finden ist. Lewys Vorstellung war dann dementsprechend. Obwohl die anderen brav um ihn herum und für ihn auf-spielten. Co-Stürmer Milik wurde gleich ganz geopfert.

Das Ganze erinnert in seiner Traurigkeit nicht so sehr an die aktuelle Messi/Neymar-Problematik, sondern an die Ukraine mit dem alternden Shevchenko.

Die anderen Nationen, die schon nach zwei Runden ohne Chance sind, teilen sich in drei Gruppen:
1) Mit Recht (Saudi-Arabien)
2) Mit Pech und Tränen (die drei Nordafrikaner)
3) Mit ordentlich Rambazamba (Panama, Costa Rica und Peru)

Eines eint sie: alle haben ordentlich mitgespielt, versucht selbstständig kreativ zu sein (sogar die Saudis), und sich nicht auf reines Konterspiel verlegt (wie zb Schweden, weshalb sich mein Last-Minute-Niederlagen-Mitleid auch in Grenzen hält).

Das ist überhaupt eine positive Erkenntnis der WM bisher: jede Mannschaft hat in zumindest einem von zwei Spielen ihre Seele offenbart und sich nach vorne geworfen, dorthin wo der Fußball-Gott des Herz des schönen Spiels gesetzt hat. Um in ein Alltags-Bild zu gehen: alle sind zumindest einmal vom Zehn-Meter-Turm gesprungen. Okay, einige (Uruguay, Australien, Iran, Korea und vor allem Schweden und Island, aber die können das fußball-genetisch nicht anders) halt nur vom 5-Meter-Turm, aber immerhin.

Die Eintrittskarten für einen Auftritt in der K.O.-Runde sind nur in der Argentinien-Gruppe D (und das war schon vorher klar), der Brasilien-Gruppe E (obwohl, eigentlich auch wieder nicht...) und der vogelwilden Gruppe H (die von heute Abend) noch umstritten. Serbien kann sein wahrscheinliches Out ja in Den Haag einklagen, das findet Trainer Krstajic ja toll. Krstajic ist übrigens einer dieser Verbands-Günstlinge, die ohne jede Coaching-Erfahrung in den Job kommen und sich deshalb dann politisch-nationalistisch profilieren müssen um zu gefallen. Und die Schweizer werden nach der Doppeladler-Affäre vielleicht ohne drei Schlüsselspieler auskommen müssen.

In der Final-Projektion hat sich im Vergleich zu Runde 1 wenig geändert, es sind ein paar mehr Klarnamen dazugekommen: der Sieger aus Frankreich oder Portugal gegen Brasilien oder Belgien trifft auf den Sieger zwischen Spanien oder Kroatien und Mexico oder England. Natürlich wird es dazu nicht kommen, weil das Achtelfinale eigene Gesetze hat und weil schon in Runde 3 zumindest ein unvorhergesehenes Resultat viele schocken wird.

1. Runde
Kolumbien : Japan 1:2 Review
Polen : Senegal 1:2 Review
2. Runde
Japan : Senegal 2:2
Polen : Kolumbien 0:3
3. Runde
Senegal : Kolumbien 0:1
Japan : Polen 0:1

Gruppe H

Kolumbien 2 0 1 5:2 6
Japan 1 1 1 4:4 4
Senegal 1 1 1 4:4 4
Polen 1 0 2 2:5 3
Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D
Russland Portugal Frankreich Argentinien
Saudi-Arabien Spanien Australien Island
Ägypten Marokko Peru Kroatien
Uruguay Iran Dänemark Nigeria
Gruppe E Gruppe F Gruppe G Gruppe H
Brasilien Deutschland Belgien Polen
Schweiz Mexiko Panama Senegal
Costa Rica Schweden Tunesien Kolumbien
Serbien Südkorea England Japan

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