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Filmstills "Der Gesang der Flusskrebse"

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„Der Gesang der Flusskrebse“: Verfilmung des Bestsellers gerät zu glatt

Mit dem Buch „Der Gesang der Flusskrebse“ ist der Zoologin Delia Owens ein internationaler Bestseller gelungen. Nun erscheint die langersehnte Verfilmung des Stoffes – und das dürfte neue Aufmerksamkeit auf Mordvorwürfe gegen die Autorin bringen.

Von Philip Emberger

Das Marschmädchen. So nennen die Menschen des kleinen Ortes Barkley Cove abfällig Catherine Danielle Clark (Spitzname Kya). Seit sie ein kleines Mädchen war, lebt sie isoliert und zurückgezogenen in der verlassenen Sumpflandschaft North Carolinas – der Marsch. Von ihrer Mutter und den Geschwistern wurde sie ebenso wie vom tyrannischen Vater verlassen.

Eines Tages wird der beliebte Quarterback des Ortes Chase Andrews (Harris Dickinson) tot aufgefunden, ermordet. Der Verdacht fällt schnell auf das wilde Marschmädchen. Die Außenseiterin ist ein einfaches Ziel für die Dorfgemeinschaft. Von hier weg rollt Kya in Form von Rückblicken ihre Lebensgeschichte auf. Die junge Frau erzählt von all den Menschen, die sie im Laufe ihres Lebens verlassen haben. Sie erzählt von ihrer Beziehung zum good boy Tate Andrews (Taylor John Smith) bis hin zu ihrer Liaison mit dem ermordeten bad boy Chase Andrews. An dieser Stelle wird schon recht deutlich, dass die Story per se recht simpel gestrickt ist.

Filmstills "Der Gesang der Flusskrebse"

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Tate (Taylor John Smith) und Kya (Daisy Edgar-Jones) in der Marsch

I Did Something Bad

Das 2018 erschienene Buch hat sich millionenfach auf der ganzen Welt verkauft. Gepriesen wurde Autorin Delia Owens vor allem für die detaillierten und präzisen Naturbeschreibungen. Ein Umstand, der vor allem ihrem Lebensweg als Zoologin geschuldet ist. Damit gehen allerdings auch riesengroße Erwartungen einher. Die große Frage war im Vorhinein, wie es gelingen wird, die naturalistischen Motive auf die Leinwand zu übersetzen.

Mit der Veröffentlichung werden auch strafrechtliche Vorwürfe gegen die Autorin der Buchvorlage Delia Owens wieder lauter. Behörden in Sambia suchen sie in Zusammenhang mit der Ermordung eines Mannes. In ihrer Zeit als Zoologin soll sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Elefanten vor Wilderern geschützt haben – und das mit brutalen Methoden. Der Vorwurf, dass hier die Grenzen zwischen Fiktion und Fakten verschwimmen, formuliert sich da quasi von selbst.

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Kitschige Bilder wie dieses lassen „Der Gesang der Flusskrebse“ zum Märchen werden

A Place In This World

Die Männer im Film verhalten sich fast ausnahmslos scheiße. Dass das Leid sich hier real anfühlt und Kya in all ihren Facetten gezeigt wird, liegt sicherlich auch daran, dass hinter der Kamera ein weibliches Team für den Film verantwortlich ist. Buchautorin, Regisseurin, Drehbuchautorin – alles Frauen. Mit Reese Witherspoon als Produzentin und Taylor Swift, die den Titelsong „Carolina“ beisteuert, kommen noch zwei prominente Namen dazu.

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Kya (Daisy Edgar-Jones) steht unter Mordeverdacht, ihr Anwalt (David Strathairn) ist an ihrer Seite

Fans werden den geliebten Stoff auf jeden Fall wiedererkennen; das Filmteam hält sich zum Großteil die Buchvorlage. Das ist allerdings gut und schlecht gleichermaßen. Die detailreichen Beschreibungen des Buches verwandelt Regisseurin Olivia Newman in malerische Kamerafahrten, der Film ist eine Liebeserklärung an die Natur.

Gleichzeitig wirkt alles aber auch überladen. Liebesdrama, Krimidrama, Coming-of-Age-Film und Sozialdrama: All das will „Der Gesang der Flusskrebse“ sein und ist nichts davon so wirklich. Dazu kommt, dass das Kitsch-o-meter teilweise schon ordentlich ausschlägt und die Story glattpoliert daherkommt. Daisy Edgar-Jones, die dieses Jahr schon in „Fresh“ überzeugt hat, ist eine fabelhafte Hauptdarstellerin. Die Antwort auf die Frage, warum Kya styltechnisch für den Runway angezogen ist, bleibt, wie so vieles, in der sumpfigen Marsch verborgen. Obwohl die Verfilmung recht glatt daherkommt und der Realismus an manchen Stellen abwesend ist, dürften vor allem Fans ihren Spaß mit dem Film haben.

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