Kobrakasino

Eingängige Pop-Songs von vier jungen Musikern aus Wien.
H_O_F
Mai, 2021

Kobrakasino über sich

Wenn Bands offenbar nicht mehr in eine Schublade passen wollen, warum muss sie (die Schublade) dann immer noch dafür herhalten um musikalische Ordnung zu schaffen? Oder eben um auszudrücken, wie absolut unmöglich es ist die eigene Musik in vorkatalogisierte Fächer zu stecken.

Deswegen haben Kobrakasino die alten Etiketten erst mal runtergerissen, die Lade umgedreht und ausgeleert, das alte Zeug zum Sturzplatz gebracht und neues Zeug drin abgelagert. Und zum Schluss groß „Bruder Alaska“ auf die Stirnseite geschrieben.

Die auf diesem Album in ungezügeltem Galopp freigelassenen Ideen sind zwar auf wundersame Weise nachvollzieh-, aber nie vorhersehbar. Klar gibt’s Muster, hookige Riffs und Lines, Anker, die einen nicht allzu weit abdriften lassen und in Sicherheit wiegen. Aber wie das Ganze zusammengewürfelt ist, wie sich die großgestischen und in deutscher Sprache dargebrachten Mitsing-Botschaften mit den innermonologisch anmutenden und oft ganz spontan-banal gereimten Strophen verbrüdern, das hat Style. Und wirkt im positivsten Sinn sowohl sinnbefreit als auch herrlich sinnbefreiend! Trotzdem machen sich Kobrakasino auf die Suche nach etwas Festem zum Anhalten in dieser schnellen Zeit.

Auf allen sieben Songs auf „Bruder Alaska“ schwingt er mit, dieser surreale fast weltverschwörerische Grundton: „Alles was zählt ist nur der Augenblick, woher weißt du, dass bis jetzt nicht alles Rückwärts abgelaufen ist?“ Man will die Augen verschließen, ein bisschen durchblinzeln, um nicht ganz zu erblinden, sein eigenes Tempo gehen, sich einlullen im Mutterleib. Mit frischem Elan in Jungspundmanier wird dann wieder ein Nachmittag auf der Wiese mit der Gefährtin besungen, wo man sich im weinroten (Heißluft-)Balalloon der Ideologie und den Plänen der Lieblingsperson verschreibt. Oder über den letzten Farfalla siniert, der sich aus dem Bauch verabschiedet, und über die im gleichen Atemzug gewonnene Erkenntnis, dass Zähneputzen sich früher anders angefühlt hat als heute (irgendwie enthusiastischer nämlich). Oder über das Slivowitz Kid, das Blickfick mit dir macht, über schwesterliche Lästervereine und dass man sich als Waage berechtigte Sorgen über den Verlust des Gleichgewichts machen sollte.

All diese Bilder, Ideen, Perspektiven und Personen sowie die erfrischende Unbekümmertheit der um die 20-jährigen haben bei Kobrakasino in einer Schublade Platz. Aber wahrscheinlich auch nur so lange, bis sie die Etiketten runterreißen, die Lade umdrehen, ausleeren und das Zeug zum Sturzplatz bringen.

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kobrakasino | 3.Mär.2021
Blip Blup Blip Computermusik von unserer Person - was fürs Herz und für'd Söl.

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aus Wien | *2017
Christian Schoettel
Benno Hiti
Sebastian Hiti
Ferdinand Marsoner

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1120
Wien

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