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Im Mai ist Bad Ischl das Kalifornien von Österreich

Es gibt auch in Österreich Wellen, auf denen man surfen kann - eine von ihnen ist die Welle in der Traun bei Bad Ischl. Dort hat zum dritten Mal der „Crown of the Traun“ Riversurfcontest stattgefunden.

von Claus Diwisch

Nur Eingeweihte wissen, wo man auf der Traun Turns mit dem Surfboard machen kann. Schwer zugänglich formt sie sich neben einer Schnellstraße in Bad Ischl in Oberösterreich und nicht einmal zum Saisonhöhepunkt, dem „Crown of the Traun“ Riversurf-Contest kommen Menschenmassen hierher. Der Crown of the Traun ist auch kein durchorganisierter Wettkampf, das merkt man gleich, wenn man sich dem Contestgelände nähert, sondern viel mehr ein lockeres Fest für die Freunde des Riversurfens. Unter Partyzelten wird Bier ausgeschenkt und ein Moderator kommentiert die Runs der Surfer, die auf der gegenüberliegenden Flussseite ins Wasser steigen. Man feiert die gemeinsame Faszination, das Riversurfing.

Gesurft wird beim Riversurfen, anders als im Meer, nicht zum Ufer hin, sondern am Fleck. Wenn die Traun genug Wasser führt, bildet sich aufgrund besonderer Gesteinsformationen im Fluss eine stehende Welle. Diese Welle ist ungefähr einen Meter hoch und von selbst entstanden. Anders als etwa die Flusswelle bei der Area 47 in Tirol, für die Steine in den Inn platziert wurden, oder große künstliche Anlagen mit Pumpen, wie man sie 2016 am Wiener Schwarzenbergplatz aufgebaut hat. Die natürliche Flusswelle in der Traun ist eine der bekanntesten Surfspots der Gegend und bereits zum dritten Mal Austragungsort des Crown of the Traun.

Style, Tricks und Abwechslung entscheiden

Wer die Krone der Traun bekommt, entscheiden die vier Judges, die am Flussrand sitzen und die Runs der Surfer nach verschiedenen Kriterien beurteilen. Surfstil, Tricks und Abwechslungsreichtum spielen da unter anderem eine Rolle. Ein Run dauert maximal 40 Sekunden, dann wird abgepfiffen. Nicht ganz so beliebt ist die Sonderwertung „Worst Wipe-Out“, aber auch hier finden sich einige Teilnehmer, die sich über diese Auszeichnung freuen. Denn bei diesem Contest geht es weniger um Rivalität und Wettkampf, sondern um das Zusammenkommen einer Community, die eine Begeisterung teilt. Man hilft sich gegenseitig und feiert auch die Erfolge der Konkurrenten.

Die Community in Bad Ischl wirkt wie ein sehr harmonischer, erweiterter Freundeskreis. Die Teilnehmer kommen aus der Umgebung, oder sind aus Deutschland angereist. Gerade in München gibt es eine aktive Riversurfszene, der die Strecke ins Salzkammergut zum Surfen keinesfalls zu weit ist.

Geheimwissen um die Surfspots

Doch auch wenn es beim Riversurfen kaum Rivalitäten gibt, alles teilt man dann doch nicht miteinander, neue Surfspots etwa. Falls jemand einen neuen Ort zum Surfen im Fluss entdeckt, postet man keine Bilder auf Facebook und erzählt nur wirklich engen Freunden davon. Denn man möchte vermeiden, dass von einem Tag auf den nächsten 50 Leute dieselbe Welle reiten möchten und man selbst nicht mehr zum Zug kommt. Während man die Erfolge und Misserfolge also gerne teilt, bleibt man mit den Surfspots lieber unter sich. Was verständlich ist, wenn man sich bekannte künstliche Wellen wie zum Beispiel im Almkanal in Salzburg ansieht, wo man sich fürs Surfen anstellen muss und nicht mehr ganz so oft an die Reihe kommt.

Riversurfer

Maximilian Eisl

Die Rivermates haben große Projekte

Für die Organisation des Riversurfcontests ist Max Neuböck verantwortlich, der auch der Kopf der ganzen Community ist. Mit den Rivermates hat er einen Verein gegründet, der Safety Workshops abhält und eine Anlaufstelle für alle Belange der Riversurfer geworden ist. Während des Contests passiert es nicht nur einmal, dass Max einen spontanen Applaus spendiert bekommt - man ist sehr froh darüber, dass der Sport Beachtung findet und es einen Ort gibt, wo man sich vernetzen kann.

Das neueste Projekt von Max Neuböck ist der Bau einer künstlichen Welle in Ebensee. Während man auf der Traun im Sommer aus Wassermangel nämlich meist nicht surfen kann, wäre eine solche künstliche Welle, die ganz ohne Strom auskommt, ganzjährlich befahrbar und würde so viele Surfer in die Gegend locken. Dafür müsste allerdings ein Kanal angelegt werden, das Projekt ist derzeit in der Genehmigungsphase.

Mit der Crown of the Traun wurden dieses Jahr übrigens neue Häupter gekrönt. Favorit und Vorjahressieger Lukas Haigermoser musste die Krone an Gerry Schlägl weiterreichen und bei den Frauen hat der Titel innerhalb der Familie gewechselt, von Christina Minimayr zu Inka Minimayr. Der Sport Riversurfen hat mit solchen Events jedenfalls gewonnen. Mit einer gesunden Community und viel Tatendrang entsteht hier im Salzkammergut eine Szene, die zu Recht immer mehr Aufmerksamkeit bekommt.

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