FM4-Logo

jetzt live:

Aktueller Musiktitel:

Jordan Klassen

P. Rick

artist of the week

How Can I Get Out Of The Way?

Jordan Klassen schreibt mit seinem dritten Album „Big Intruder“ einen unaufdringlichen, ehrlich schönen Lebensratgeber. Unser FM4 Artist Of The Week, live in Österreich das nächste Mal am FM4 Geburtstagsfest zu sehen.

Von Lisa Schneider

Glück ist ein subjektives Empfinden, Jordan Klassen hat seines in der Ehe gefunden. Darüber hat er sein neues, drittes Album „Big Intruder“ geschrieben.

Mehr noch aber, es geht nicht nur um die Liebe, sondern darum, eine Entscheidung zu treffen. “The record is about the feeling of being afraid of commitment, wanting to keep everything safe. It’s about making decisions and choosing something. I like to just stay on defense, because if I make a life choice, I exclude all the other choices and they’re dead, but the record is about choosing something and how this is just a grown-up thing to do.”

FM4 Geburtstagsfest

Mein Fest, dein Fest, unser Fest!
Am Samstag, den 20. Jänner 2018, in der Ottakringer Brauerei in Wien. Beginn & Einlass: 20:00 Uhr

Line-Up
Beatsteaks, Kettcar, Dan Croll, Leyya, Mine & Fatoni, Intergalactic Lovers, Jordan Klassen, Kakkmaddafakka, Superorganism, The Crispies und Yukno.

FAQ
Was es sonst noch zum FM4 Geburtstagsfest zu wissen gibt.

Es war nicht immer so einfach

Jordan Klassen ist aber auch mit Unglück vertraut. Erst auf seiner im Jänner veröffentlichten EP „Curses“ beschreibt er seinen Rückfall in die Depression, die Angst vor Enttäuschungen, den Umgang mit der Krebserkrankung seiner Mutter. Unangenehm wie eine Dinnerparty, auf der es auf einmal still wird, weil das Wort „Antidepressiva“ fällt.

Vor allem auf der Bühne ist es nicht einfach, diese Zeilen zu singen. „I’ve been playing live since high school. It’s not that I get nervous, it’s more of an embarrassent. To open up fully to people you haven’t even met before.“ Wie so oft: Musik als Selbstherapie, auch bei Jordan Klassen war es der Schritt, es hinauszuschreiben, um es loszuwerden. Ohne Selbstbeweihräucherung, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. „My way to happiness? Is just to not think about myself all the time." Und so heißt es auch im Song „Yer Cure“:

It’s the only thing I’ve known since I was three feet tall / the world is small“

Er denkt dabei vor allem zurück an die Generation seiner Eltern, „where it was more sort of taking part in the society, being a part of the community you live in“. Die Millennial-Plage besingt Jordan Klassen, sich nicht binden zu wollen, und er schließt dabei sich und auch alle seine Freunde mit ein.

Jordan Klassen hat uns im September eine exklusive FM4 Acoustic Session gespielt.

Which fig to pick?

Er beruft sich an einer Stelle auf eine Geschichte der amerikanischen Schriftstellerin Sylvia Plath („Sylvia Plath Girl“): Ein fiktiver Charakter sitzt vor einem Baum, er ist voll mit Feigen. Eine Feige symbolisiert eine glückliche Ehe mit vielen Kindern, eine andere die Karriere und so weiter. Während der Charakter zusieht, und überlegt, welche Feige die vielversprechendste von allen ist, fallen sie langsam ab vom Baum, gleich welken Blättern. Sylvia Plath, eine der wichtigsten amerikanischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts, hat diese Analogie in Anbetracht der feministischen Bewegung und der Rollenbilder, denen eine Frau entsprechen soll, geschrieben.

Jordan Klassen ist auch vor diesem Baum gesessen. „I want the same thing, over and over“, singt er selbstironisch im gleichnamigen Song. Es ist der Trott, das Dahinplätschern, während draußen das Leben passiert. Sein erstaunlich hohes Falsett in der Eröffnungsnummer des Albums täuscht nicht über die Anschuldigung “you’re so damn hard to please” hinweg. Süffisant geht es weiter, “if you want the sun and stars, well, just spend your life on waiting”.

Cover "Big Intruder" Jordan Klassen

Nevado Records

„Big Intruder“ von Jordan Klassen erscheint via Nevado Records.

„The Big Intruder? Actually, it’s my wife“

Der Eindringling, der dem Album seinen Titel gibt, ist natürlich Jordan Klassens Frau. „Just thinking about getting married – that I can’t ever choose someone else. If I realize that I’ve made a huge mistake, I can’t go somewhere else. But that’s one of the great things about marriage, that you can stick to it and make it work, make it beautiful. It’s not just a reaction, it’s something you participate in.”

Seine Frau ist stolz auf ihn, erzählt Jordan Klassen. „She knew about my anxiety when it comes to relationships. But she was happy that I managed to articulate my problems that way, with this album. She sometimes would make a joke, that goes: You said you wrote me an album, but actually you just wrote an album about you not being able to commit to me. And then I’m like: Well, at least you got one!“

Folk, Americana, Sehnsuchtsmelodien

Jordan Klassen ist jetzt 32 Jahre alt. “Big Intruder” ist sein drittes Album, das er auf Nevado Records veröffentlicht hat. Vom fairy folk auf seinem Debutalbum “Repentance” und von den zitternden Streichern auf “Javelin” ist die Grundstimmung erhalten geblieben. Die konzeptuelle Idee, eine große, runde Geschichte zu schreiben, fließt auf “Big Intruder” durch die Texte wie in den Sound der elf Folkpopsongs: Die Harmonien sind dichter, sie erinnern an die schwerfällig schöne Kontinuität Jonathan Wilsons. Vor allem auf “Yer Cure”, das sich vor dem Einsatz der Klassen-typischen Folkgitarre ein fast halbminütiges Violinenintro voranstellt. Seine Intonation ist oft der von Jose Gonzalez nicht unähnlich (“Dominika”), Noah And The Whale blinzeln ab und zu durch, so ließe sich die Liste fortsetzen. Die breite Palette an möglichen Referenzen hat das Singer-Songwritergenre nun mal an sich.

Inhaltlich jedenfalls ist Jordan Klassen ganz bei sich, das hat sich in den gut 15 Jahren, in denen er Musik schreibt, nicht geändert. „When you’re enclined to write and create I guess you know just like everyday life would be inspirational“, sagt Jordan Klassen in einem Interview von vor gut zehn Jahren. Seine Texte sind sein Leben, und das nicht nur im übertragenen Sinn.

Glück, das ist so eine Sache

Was glücklich macht, und so ist es natürlich auch in Bezug auf Musik, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Jordan Klassen schreibt mit “Big Intruder” einen unaufdringlichen Lebensratgeber, indem er erzählt, wie sich sein Leben durch Entschlossenheit zum Positiven verändert hat.

Und weil eben Glück so eine subjektive Sache ist: „Big Intruder“ zu hören, macht mich glücklich. Manchmal geht’s eben so einfach: Es ist nur die kleine Entscheidung, immer wieder auf “Play” zu drücken.

Aktuell:

Werbung X