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Aktueller Musiktitel:

Phil

Johannes Gierlinger

Für Philipp L’heritier

FM4 Redakteurinnen und Redakteure verabschieden sich von Philipp L’heritier.

Kurz vor Weihnachten hat uns die Nachricht erreicht, dass unser Freund und Kollege Philipp L’heritier gestorben ist. Er war seit 2009 Musikredakteur bei FM4, hat sich auch intensiv um TV-Serien und Literatur journalistisch gekümmert und jeden Sonntag den „Song zum Sonntag“ gestaltet. Neben FM4 hat er für zahlreiche Magazine und Zeitungen geschrieben, unter anderem für Die Presse, The Gap, Spex, Groove und viele mehr. Außerdem war er als DJ in zahllosen Clubs aktiv. Er hinterlässt eine Lücke, die bleiben wird. Wir verabschieden uns mit Liebe und diesen Einträgen der Redaktion.

Katharina Seidler

Das hab ich gleich gewusst als ich dich kennengelernt hab, backstage in der Fluc Mensa, während du DJ Koze in seinen Auflegepausen gesagt hast, er soll gefälligst die dir zustehenden Promo-CDs herausrücken (hat er gemacht): Der wird einer der wichtigsten sein. Und so war es dann auch, seit dieser ersten von unzähligen durchgeredeten Nächten, vor großen und kleinen Bühnen, DJ-Pulten und Bars, in Chats und Hotelzimmern, unter unserer Palme bei Erlend Øye oder versteckt vor Hamburger Riots in einer Pizzeria, mit Jalousien-Diskussionen im Funkhaus, vielsagenden Blicken, Tränen der Rührung, euphorischsten Umarmungen.

Dass die Worte sich wegducken und mickrig werden, jetzt, wo es auf alles ankommt, werde ich ihnen nie verzeihen, ich glaub fast, sie haben nur dir gehorcht. Du weißt, um was es geht. Bis wir wieder zusammen sind, hören wir deine Lieder und loopen ihre Intros und bleiben zurück mit Wortstummeln und Zeichenresten. Inzwischen sag ich das Wichtigste was ich hab, zum Glück hab ichs dir in all diesen Nächten fiebrig versichert vorm Heimgehen: Ich hab dich so lieb gehabt wies überhaupt möglich war. Ich freu mich, wenn du drüben auf mich wartest, sanftester Frechdachs, bester Versteher von allem, dem es immer um alles ging. Alles wird in Flammen stehen.

Alexandra Augustin

Getroffen haben wir uns inmitten im Wiener Flex zu ersten Mal. Mitten auf der Tanzfläche, beim ersten Takt irgendeines Liedes, das du natürlich sofort erkannt hattest. Wir, das war eine Gruppe von jungen Menschen, die immer in der selben Ecke abhing. Gerade fertig mit der Schule, frisch auf der Uni. Rechts von der Bühne. Jeden Mittwoch und Freitag, das waren unsere Tage. 20 Jahre ist das nun her. 20, wtf? Als ich dich damals zum ersten Mal getroffen habe, hätte ich nie damit gerechnet, dass wir einander Wegbegleiter werden würden. Beim Ausgehen. Bei Konzerten. Auf Festivals. Du warst immer da. Und dann, ein paar Jahre später, wurden wir sogar Kollegen. Aber wir waren mehr als das. Wir waren einander eine Stütze und im selben Boot unterwegs. Musikliebende Menschen, die ihre Leidenschaft zu einem Beruf machen konnten. Das verbindet, weil es auch manchmal einsam macht. Weil es sich andere Menschen um uns herum nach den „wilden Jahren“, wie sie es nennen, in einem 9-to-5 Job gemütlich eingerichtet haben. Über Windelsorten philosophieren, sich auf irgendeinen Acker verzogen haben und, anstatt sich mit uns zu gediegen zu besaufen, plötzlich irgendein Gemüse züchten und ordinäre Bilder von ihren selbstgebackenen Plätzchen in den asozialen Netzwerken posten. Und die dann ihre eigene Jugendzeit mit einer Mischung aus zu früh vergreister, vergilbter Sentimentalität und viel Jammerei, untermalt mit Selbstmitleid betrauern. Ach damals, ja damals. Mit diesem Gejammer konntest du nie etwas anfangen. Gestern, heute, morgen, das ist für dich immer untrennbar miteinander verwoben gewesen. Kein einziges Mal hab dich den Elendssatz „Früher war alles besser“ sagen hören. Du warst immer am Puls der jeweiligen Zeit zuhause. Es gab ja schließlich jeden Tag wieder so viel Neues zu entdecken.
Du warst glücklich, auf deine Art. Mit all den Platten, den Serien, all den MusikerInnen und KünstlerInnen, die du treffen durftest. Die ebenfalls immer beeindruckt waren, von deiner liebenswerten Art und deinem Wissen. Weil du nicht nur zum Interviewtermin da warst, sondern auch danach in der ersten Reihe das Konzert abgefeiert hast. Deine Zeit war die Nacht, dein Leben vor, neben und hinter den Bühnen. Wir haben uns immer gefragt, wie jemand so viel wissen und leisten kann, die besten Texte schreiben, die besten Interviews machen. Jemand, der sich im Leben nichts geschenkt hat. Pure Vernunft darf niemals siegen.
Danke für alles, Philipp. Gottseidank haben wir uns gehabt.

Nina Hochrainer

FM4 Frequency Einsatz, irgendein Jahr. Da hat er nach dem Auftritt von 30 Seconds to Mars fassungslos gemeint: „Ich habe das Ende der Musik gesehen.“ Zum Glück hat er auch noch ganz viele gute entdeckt, uns gezeigt, sie wunderbarst beschrieben. Exzellenter Journalist, hochgeschätzter Kollege, besonderer Mensch. Danke Philipp.

Christian Lehner

Es war möglicherweise das beste Fest aller Zeiten, ein magischer Abend voller Herzenswärme und der denkbar besten Musik. Mir ist eine dritte Herzkammer gewachsen und ich habe 2 zusätzliche Tanzbeine bekommen. Wir haben uns Anfang Dez das letzte Mal per Messenger unterhalten, wegen der komplementären Staatsakt Stories und uns einen Haxen ausgefreut, dass wir endlich, nach all den Jahren des gegenseitigen Wertschätzens, gemeinsam an einem Projekt gearbeitet haben.

Wir alle brennen immer wieder für „unsere Musik“, mal mehr, mal weniger. Er brannte IMMER. Das machte ihn zu so einem besonderen Schreiber. Nach dem Lesen seiner Texte ging es mir immer besser, egal wie ich mich davor fühlte. Obwohl wir uns hauptsächlich nur „virtuell“ kannten (er kam, als ich bereits in NYC war), fühlte ich mich ihm sehr nahe. love him, miss him.

Phil

Christian Lehner

Susi Ondrusova

Noch bevor ich gewusst habe wieviel L und Ps sein Name verlangt und wo das Apostroph hingehört, wusste ich dass mir etwas fehlt: „69 Love Songs! Das Album kennst du nicht? Das ist das Beste!“ sagte er mit einer Überzeugung, die ihn mir in der Erinnerung jetzt fast atemlos erscheinen lässt. So als ob er erst wieder Luft holen würde, wenn er einen auf seine Seite geholt hat. Und geholt hat er mich fast immer. So sehr, dass ich das Magnetic Fields Album als universelles Kulturgut jahrelang zu allen möglichen Gelegenheiten verschenkt habe, bis keiner mehr in meinem Bekanntenkreis einen CD Player hatte oder alle schon „absolutely cockoo“ waren. Gepackt und angesteckt hat er mich so oft, dass ich manchmal einfach nur aus Trotz gesagt hab „Nein Philipp die Cribs sind die beste Band, DU verstehst das nicht!“ Situationen in denen er mit Menschen zu tun hatte, die ihre besserwisserische Geschmackssicherheit wie eine Medaille vor sich hertrugen, die sie sich im High Fidelity Soziotop selbst gebastelt haben, waren ihm zuwider. Es ging nicht um das was uns trennt, sondern was uns vereint. Das machte ihn zu einem unbezahlbaren Verbündeten mit dem man sich über die Existenz von Popsongs nächtelang austauschen konnte. Das machte ihn zu einem Freund, der die so schwer greifbare Freude die durch Zuhören entstehen nicht nur verkörpert hat sondern sein Leben lang auch vermittelt hat. Vor ein paar Jahren habe ich ein Ja Panik Zitat geklaut um ihm ein Geschenk im Büro zu hinterlegen und so möchte ich auch jetzt mit einem zerbrochenen Herzen und in unendlicher Dankbarkeit, dass er ein Teil meines Lebens ist, dem Philipp sagen: „Weil es dich nur als den einen gibt hinter dem das viele liegt“

Thomas Edlinger

„Das Beste!“. So vieles war für dich das Beste und wurde durch dich zum Besten. So viele haben über das Ende von Pop lamentiert. Du hast dir daraus nichts gemacht, warst in der Regel hart im Urteil über alles, was dir dünkelhaft erschien oder sich irgendwie nach Popaversion anhörte. Du hast auf ein Begehren beharrt, das den Alltag auf Abstand und die Vorstellung eines wie auch immer verbeulten Glücks am Laufen hielt. Du hast nach Stimmen der Zeit und nach Zeitstimmungen geschürft. Was zeigt sich in diesem Song, was ergreift mich in jenem Track? Du wusstest um die Wahrheit der Pose und die Banalität des Authentischen, um verlorene Utopien und die Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen im Club.

Dein Popjournalismus zeugte von akribischem Wissen und einem zweiten Ich im Rechner, das sowieso. Aber er war zugleich mehr als das: ein Herzensangebot, die Welt, deine Welt zu teilen. Er wollte Bündnisse, vielleicht sogar Liebesverhältnisse mit der Leserschaft schließen. Deshalb wohl auch das „Wir“ statt dem „Ich“. Das war riskant, das war toll, das war melancholisch, das war futuristisch.

Oft hast du mich, hast du uns damit erwischt.

Für das Wir trat auch dein Körper ein. Ich sehe dich vor mir, die Arme nach oben geschleudert in der Nacht: Ocean of Sound, dein Reich komme. Oder dann, in den letzten Wochen immer öfters zu Uhrzeiten weit vor Mittag im Büro: ein Grinsen, die Hand kurz erhoben. Oft habe ich dir bedeutet: Nimm´ doch mal den Kopfhörer ab, ich erzähl´dir kurz was. Du hast ihn immer abgenommen. Oft ergab sich daraus ein kurzes, aber immer inspirierendes Gespräch. Dazu vielleicht noch ein kurzer Beäugen der herumkugelnden kulturellen Lebensmittel am Schreibtisch, denn auch die Neugier trieb dich an: "Nächstes Woche dann aber mal echt treffen, Oida!“

Leider trafen wir uns in letzter Zeit seltener, als wir es uns beide vorgenommen hatten. Ich vermisse dich.

Daniela Derntl

Keines meiner Worte, könnte dir, dem Herren der Worte, je gerecht werden, soviel ist klar. Deine Kunst war die Kunst der Vermittlung, und für unsere Generation wirst du prägend sein. Jeder hat dich gekannt, alles hast du gekannt und über alles konnte man mit dir sprechen - Musik, Serien, Literatur, Film - doch am allerwenigsten über dich selbst. Popkultur war deine Luft zum Atmen, dein Rüstzeug, und deine Rüstung. Einmal hab ich dich als „emotionales Schmetterlingskind“ bezeichnet. Der Name hat dir gefallen, was ich gemeint habe, weniger. Du warst viel zu sensibel und verletzlich für diese Welt. Lichterloh hast du gebrannt, und die Nächte an deiner Seite waren gleißend hell. Nie vergesse ich das. Mit dir befreundet zu sein, war nach Start-Schwierigkeiten, leicht und unkompliziert, denn du warst sowieso immer da. An jeder Bühne, jeder Bar, jedem DJ-Pult bist du gestanden mit einem klugen Spruch und blöden Schmäh auf den Lippen. Immer leicht tänzelnd, in deinen gut durchgeknallten Hawaii-Hemden und T-Shirts mit Animal Prints. Immer Hands-Up, immer interessiert, immer gierig nach leben, leben, leben. Unvergesslich dein Scharfsinn und deine Schelmerei, das Blitzen in deinen Augen und dein Parfum. Dein Signature-Duft war so warm und weich wie du. Dabei warst du auch stur, viel zu stur. Selbst wenn die Fetzen geflogen sind, hast du dir nie etwas sagen lassen, geschweige denn nachgegeben, du unbeugsamer, ruheloser Geist. Viel zu früh bist du gegangen und das Loch in unseren Herzen ist riesengroß. So vieles bleibt nun ungesagt, unbesprochen und ungelesen, wie der Roman, den du schreiben wolltest. Aber deine Selbstkritik und dein Perfektionismus haben dich zu deinem strengsten Richter gemacht. Das Einzige, was uns jetzt bleibt, ist dein Feuer weiterzutragen. Die Welt braucht mehr Philipp L’heritiers, nicht weniger.

Christian Fuchs

Philipp war ein Besessener. All die neue Musik, der er als heimische Indie-Instanz konstant hörte und brilliant kommentierte, die gefühlten zigtausend Stunden, die er als einer der zentralen Serienspezialisten im deutschen Sprachraum vor dem Laptop verbrachte, die berauschten DJ-Marathons und Festival-Delirieren, das unermüdliche Schreiben und Reflektieren, diese Existenz wäre ohne eine manische Energie nicht denkbar gewesen.

Aber im Gegensatz zu anderen ging er mit seiner Getriebenheit nicht hausieren. Im Gegenteil, er versteckte sie hinter einem breiten Grinsen, einer charmanten Nonchalance und manchmal einem sanften Zynismus. Wenn er in regelmäßigen Abständen in der FM4-Redaktion zu mir herüberspazierte und mir einen (sich als essentiell entpuppenden) Serien- oder Album-Tipp gab, hörte er sich lässig, fast abgeklärt an. Aber dahinter fühlte man ein fiebriges Glühen, wie bei wenig anderen, einen unerschütterlichen Glauben an die Popkultur als Überlebensmittel.

Im Nachtleben, wo die Fassaden nicht mehr aufrechterhalten wurden, loderte Philipp dann wie eine Fackel, er tanzte beim Auflegen, wirbelte als burgenländischer Doppelgänger von Zach Galafianakis von einem zum anderen, es sprudelte es ihm raus, die Gedanken, die Begeisterung, die pure Unvernunft, die Tocotronic bildlich beschwören. Das sah nicht immer gesund aus, und wenn man sich, wie der Schreiber dieser Zeilen, bei einer gemeinsamem Auflegenacht vom Philipp’schen Mahlstrom mittreiben ließ, blieb schon mal ein zerstörtes Mischpult zurück. Und stechende Kopfschmerzen. Nur bei mir allerdings, Philipp lächelte am Tag danach bloß schelmisch und bastelte schon an seiner nächsten Musik-, Serien- oder Literatur-Story. Dass die geballte Euphorie auch eine gnadenlose Melancholie bedingte, das hat er zu gut vor mir und anderen verborgen.

All diese unglaublich inspirierenden Geschichten, die Blickwinkel erweiterten und für Faszinationsschübe sorgten, über Black Music, Weißbrot-Musik und Serienphilosophien, werde ich jetzt schmerzlichst vermissen. Noch mehr die Mails und Messages, in denen er knapp und verblödelt Dinge auf den Punkt brachte. Oder mal ein kurzes Lob für mein eigenes Musikschaffen äußerte, das mich dann mehr als jede Jubelkritik freute. Am meisten werden mir aber die oft nur kurzen Begegnungen und Gespräche mit ihm abgehen, in der Redaktion, in Clubs, bei Events, der markante Grinser, der Humor. Ich bin fassungslos und sehr traurig. There shouldn’t be this ring of silence. But what are the options? When someone great is gone. Die Popkultur in Österreich hat ihren leidenschaftlichsten Prediger verloren.

Phil

Radio FM4

Zita Bereuter

lerry, lerry, so contrary...
wie ich das meinen würde, hat mich philipp l‘heritier mal gefragt.
es war ein doofer reim, aber mit seiner meinung und seinem gespür war philipp im besten sinn eigenwillig.
philipp war gelebte popkultur.
egal ob musik, film oder literatur.
er hatte einen treffsicheren geschmack, war offen für neues, ließ sich nichts vormachen, war aufrichtig und erkannte potential.
vor allem hatte er eine verdammt gute schreibe.
für seine arbeit gab es kein mittelmaß.
ganz oder gar nicht.

traf man ihn bei einem konzert, wusste man, dass man am richtigen ort war.
stand er an den plattentellern, wusste man, dass die party gut sein würde.
schlurfte er den gang entlang, wusste man, dass man gleich grinsen würde.
all das werd ich vermissen!
und auch sein „du, wie machen wir das denn jetzt?“, wenn er an meinem schreibtisch stand. immer ein bisschen tänzelnd, gern irgendwelche bücher in die hand nehmend.
philipp konnte wie kaum einer aus erlebtem gefühle rauskristallisieren und verständlich in worte fassen.
gerne erinnere ich mich an die großartigen gespräche zu später stunde über madame bovary, jane austen oder diverse amerikanische gegenwartsautoren. leider hab ich deren namen vergessen ... lerry vergaß selten namen.

ich hab ihn mal gefragt, warum er keinen roman schreiben würde.
ich glaube, er hat.
ich wünschte, er hätte.
wir würden seine bücher lieben.
denn philipp war einer der ganz großen im kulturjournalismus!
einer der besten!
ihm verdanken wir sehr viel!
nicht nur deswegen wird er immer fehlen!
r.i.p. lerry!

Petra Erdmann

Philipp wollte noch für den Jahresrückblick „eine schöne Liste schreiben“, über die besten TV-Serien 2017. Phil, du unermüdlicher Showrunner! Mein Herz geht über drüber. Meine Mailbox ist leer. Sonst ist sie übergequollen mit deinen Vorschlägen für die FM4 Rubrik „In Serie“. Jahrelang und das wöchentlich hast du liebenswürdiger, unersetzlich Kompromissloser „In Serie“ quasi im Alleingang bestückt. Philipp konnte einer 300stündigen Serie einen poetisch analytischen Twist umhängen, wie er auch einem 3-Minuten-Popsong mit seinen Worten eine neue Seele eingehaucht hat. Verhältnismäßigkeit war kein Arbeitsthema für einen rastlosen Enthusiasten wie ihn. Das Gesetz eines intelligenten Serienjunkies lautete nicht, bei einer einzigen Folge, wenigen Genres und lauen Diskussionen halt zu machen, um einen journalistischen Schnellschuss abzufeuern. Die tragischen und komischen Anti-Heldinnen sollten ihre Zeit kriegen. Sie sollten ihre Show im großen Stil abziehen und entwickeln können. Dann erst hat sich Philipp ein genaues Bild und an seinen leidenschaftlichen Text gemacht - und mir gemailt: „Ich hab´ schon 4 Episoden gesehen – ist echt was! Die Woche drauf hätte ich dann wieder was, muss noch kurz sondieren, ja?“ Ja! Du fehlst, previously, particularly, in Serie.

Gerlinde Lang

Gleich nach der FM4-Eingangstüre gibt es einen Philipp-Gedenkaltar. Mit Platten von „Die Heiterkeit“, mit Kerzen, Pflanzen, und einem Foto von Philipp: Wie immer in einem unglaublichen Marktstandl-Tigershirt, die Hand vorm Gesicht, hinter einem Mischpult. So viel fällt mir ein. Mit 16 im Flex beim beim Indie-Freitag: Philipp in einem betrunkenen leichten Wiegen auf der Tanzfläche. Um fünf Uhr vor dem Fluc, es hat gerade angefangen zu schneien, nach Philipps DJ-Set dort streift er kurz die Geschichte seiner Familie und seines Namens, es fällt ihm nicht leicht. Dann: Philipp im Sommer, mit Wasserflasche und Schweißperlen, als mein FM4-Workstation-„Kind“: „Willst du jetzt bei diesem FM4 arbeiten oder nicht?“. Als Gast hinter Philipps DJ-Pult die Macht der Musik, also eigentlich die Macht der Gefühle, erleben. Auf Philipps Beschreibungen neuer Platten vertrauen wie auf keine anderen auf der Welt, in hektischer Vorbereitung auf die FM4-Charts. Philipp, der mich als cooler Tüp einlädt, als Gästin mit ihm in der Blue Box aufzulegen. Mit Philipp die Köpfe zusammenstecken, und über Musik reden. Über Musik, Gefühl, und Wahrheit. Unfassbar, dass er jetzt so viel Musik, die noch kommt, verpassen wird.

Christian Pausch

Philipp, Kathi Seidler und ich haben dereinst ein paar Mal zusammen im Flex aufgelegt. Wir haben uns zu dritt hinterm DJ Pult immer eine irre Gaude gemacht und trotz oft vollem Haus eigentlich nur für uns selbst aufgelegt.

An jedem dieser Abende gab es dann den Moment wo eine*r von uns - es war immer ein Battle wie lange man wartet, wer als erstes zum Zug kommt - unser aller gemeinsames Lieblingslied gespielt hat: „Afterlife“ von Arcade Fire. Und dann haben wir alle die gesamte Choreografie von Greta Gerwig nachgetanzt. Das hat vielleicht nicht immer so gut ausgesehen, wie wir dachten, aber es hat sich immer so verdammt gut angefühlt.

Im Lied geht es darum, dass es kein Afterlife, also kein Jenseits, gibt: „after all the breath and the dirt. And the fires that burn.“ - was soll da noch kommen. Jetzt aber, lieber Philipp, wünsche ich mir, dass es doch eines gibt und dass wir uns dort wiedersehen, am Dancefloor, den du so geliebt hast.

Martin Blumenau

Mit Philipp in die Welt der Musik und der Serien einzutauchen war die eine Sache, beflügelnd und bereichernd, gewagt und gewitzt. Mit ihm ans Eingemachte zu gehen, ist zumindest mir selten passiert. Nur in Momenten der Verletzlichkeit, der Verletztheit; also in der Liebe. Als es vorbei war mit einer wichtigen Beziehung, und es war nicht akut und dramatisch, sondern schleichend und mit Ansage, da hatten wir so ein Gespräch, wie es Männer eben führen: Konkret genug um zu wissen wovon die Rede ist, und vage genug um emotionale Distanz zu wahren. Und es war, wie es im Fall eines unvermeidlichen Endpunkts oft ist: man drückt seine Trauer durch ein „Schade, dass…“ aus, vermeidet allzu langen Augenkontakt um nicht zu blinzeln oder gar wässrig zu werden, versteckt die Gefühle hinter leiser Ironie. Als wir all diese Rituale hinter uns gebracht hatte, änderte Philipp das Drehbuch, sah mir in die Augen und sagte trotz des offensichtlichen Risikos einer brechenden Stimme oder wässriger Augen einen Satz wie „Aber ich weiß, eine Bessere werd‘ ich nicht mehr finden“ (sinngemäß zumindest, ich bin kein guter Wörtlich-Zitierer, und ich werde ihm, der so bewusst mit Sprache umgegangen ist, jetzt keine fixen Worte in den Mund legen). Ich weiß noch, dass ich da geschluckt habe, was er dann wieder mit einem Lächeln und einer weiteren Ironisierung abgefedert hat. Und ich weiß noch dass ich dann etwas Relativierendes in der Art von „eine Bessere nicht, aber eine andere Gute“ gesagt habe, und ich weiß, dass er wusste, dass das stimmt, in the long run, aber auch dass das jetzt gerade wenig hilfreich war, und ich weiß noch, dass wir dann ein paar Sekunden still waren und in das Dröhnen der Musik hineinlauschten (denn es war ein Party-Gespräch, eines von vielen, aber eines von wenigen, das solche Momente hatte) und dass wir dann wieder in die andere Gesprächs-Welt hinübergetaucht sind, in die Musik, in der die Emotionen noch freier fließen konnten.

Martin Pieper

Das Positive finden, immer wieder. Auch in diesen Tagen. So wie es Philipp auch in seinen Texten und Beiträgen versucht hat, immer wieder:

Unglaublich wie viele - und ausschließlich leiwande - Menschen den Philipp geliebt und geschätzt haben. Die Zumutung seines viel zu frühen Todes wurde durch das Zusammenhalten dieser Menschen, ihren Zuspruch, ihre Erinnerungen erträglicher. Wir müssen da noch ein Fest veranstalten in seinem Sinne.

Die eigenen Erinnerungen, die über die Ufer treten: Ein FM4 Fest Mitte der 90er Jahre in der Cselley Mühle in Oslip, wo mir dieser junge Typ erstmals aufgefallen ist: Philipp der wie ein kleiner Derwisch im halbvollen Moshpit tanzt und mit Armen im die Höhe die Band anfeuert. Die Band hab ich vergessen, diesen Typen nicht, ein paar Jahre später stand er schon in unserer Redaktion.

Ping Pong Auflegen in irgendeinem Club und in der Hitze des Moments erklärt mir Philipp warum das nächste Lied, das er jetzt spielen wird, das allerbeste der ganzen Welt ist. Ich habe es ihm sofort geglaubt und glaube noch immer fest daran.

Eva Deutsch

Wir haben gleichzeitig bei FM4 begonnen, die Workstation im Sommer gemacht, waren also „Klassenkamaraden“. Ja, die zwei frechen in der letzten Reihe. Gekannt haben wir uns schon Jahre davor. Deine Kollegin zu sein, das war einfach super. Bei uns ist neben der beruflichen Zusammenarbeit sowieso immer ein arger Schmäh g’rennt. Egal ob beim Auflegen um 3.40h oder in der Redaktion um 14.30h. Wir haben eigentlich gar nicht so oft über Musik fachgesimpelt, wir haben uns eher wissend angeschaut und gelächelt. Bei den weirdesten Acts in der finsteren Minoritenkirche am Donaufestival oder bei grellbunten Spaßbands bei großen Festivals. Masken mussten wir nie tragen, wir haben uns einfach gut verstanden. Das war mir immer viel Wert. Du hast immer alles gegeben, dich nie geschont, auch wenn es so notwendig gewesen wäre. Dann hätten wir dich alle noch. Das ärgert und trifft mich schon sehr, Philipp. Jetzt würdest du verschmitzt Lächeln und keiner von uns allen könnte dir böse sein. Deswegen tut es auch so weh, dass du einfach weg bist. Du bist ein Guter, ein Wilder, ein Wichtiger.

Kristian Davidek

Philipp hat mir gezeigt, wie viel angenehmer ein Sonntag in der Redaktion sein kann, wenn man eine Jogginghose trägt. Als ich das erste Mal damit gekommen bin hat er kurz geschaut: Ein genicktes ‚Hallo‘ auf Augenhöhe, dann der Blick runter auf meine Jogger; seine Mimik zwischen minimaler Irritation und wohlwollender Zustimmung.
Seine trockener Humor wird genau so in Erinnerung bleiben wie seine unbeirrbare Freundlichkeit.

Eva Umbauer

Lieber Philipp,
Vorletzten Sommer waren wir mit einem FM4 Team am Frequency, du hast Konzertreviews von den auftretenden MusikerInnen geschrieben und ich hab Interviews mit ein paar der KünstlerInnen gemacht. An einem der Abende - die englische Band Last Shadow Puppets hatte auch gespielt - bist du hergekommen zu mir in unserem improvisierten Redaktionsraum am Festivalgelände, und du sagtest: „Hast du kurz Zeit? Komm mit! Ich möchte dir etwas sagen!“ Ich sagte leicht schnoddrig: „Ja, was ist?“ Wir gingen ein paar Schritte hinaus - und redeten über die Last Shadow Puppets. Du sagtest, dass sie dir so gut gefallen haben, und du die Freude, die du an der Band hast, einfach sharen wolltest mit mir, weil ich die Band auch so gerne mag. „Ich wollte diese Freude mit dir teilen!“ Da hab ich mich extrem gefreut, wie sich Philipp da kurz Zeit genommen hat, den durchaus anstrengenden langen Arbeitstag am Festival nicht einfach zu einem langen und durchaus anstrengenden Arbeitstag zu machen, und mit welchem zwischenmenschlichen Gespür er das machte.

Philipp, wir werden nie wieder schöne Musikmomente ‚sharen‘ miteinander. Philipp, du hinterlässt eine große Lücke - als Popkultur-Kenner, wunderbarer Schreiber, der über so viel Musik schreiben konnte, und als ein echt ‚cooler‘ Typ, im allerbesten Sinn. Ich hör jetzt die Last Shadow Puppets und Father John Misty und Lana Del Rey... und denk an dich. Werde deine Likes auf meiner Facebook-Seite vermissen - oft warst du der erste spätnachts, der da likte. „Ah, der Philipp ist auch noch wach“, dachte ich Nachteule da und freute mich.
Mach’s gut!
Alles Liebe
Eva

Heinz Reich

Unvergesslich die gemeinsamen Festivals mit Philipp. Wenn wir morgens nach Hause gewackelt sind und wir in seiner Webstory am nächsten Tag staunenden Auges nachlesen konnten, was wir alles hätten hören/fühlen/erleben können! Philipp hatte wohl ein ungefähr 6x so sensibles Sensorium für alles was um ihn herum geschah und seine Berichte waren immer um Welten größer als unsere bescheidene Wahrnehmung. Es ist zum Heulen. Du wirst mir verdammt fehlen!

Robert Rotifer

Ich denke wie so viele andere mit großer Trauer an Philipp L’heritier. Was für eine furchtbare Verschwendung, was für ein wacher Geist, ein von blindem Fantum ungetrübtes, großes Pop-Verständnis, wieviel ungebremster Enthusiasmus und messerscharfe Skepsis, wieviel Idealismus und (begründeter) Zynismus zugleich. So schrecklich schade um ihn.

Phil

Natalie Brunner

Natalie Brunner

Philipp hat es nicht gemocht fotografiert zu werden und hat ständig Netzwerke durchforstet, um Fotos von ihm zu eliminieren. Jede Art von Privatheit, die an die Öffentlichkeit getragen wird, war ihm zuwider. Er hat oft mit mir wegen Verstößen geschimpft. Er ist völlig in der Musik und in den Werken die er besprochen hat aufgegangen. Das völlige Gegenteil zu Menschen wie mir, die immer versuchen, alles in Relation zu sich selbst zu setzen, um es zu verstehen. Ich hab viele lustige große selbstlose Dinge erlebt mit Philipp, alle der Nacht zugehörig. Ich glaube, dass das, was an ihn erinnern soll und wird, sein Werk ist, seine einzigartige Fähigkeit, Klang in sprachliche Bilder zu übersetzten und auch einen sozio-kulturellen Zusammenhang zu erklären. Das ist was bleibt.

Dalia Ahmed

Einer, dem man seit immer-schon beim Weggehen und Festivals übern Weg gelaufen ist. Einer, mit dem man dann ein Bier trinken, Schmäh führen und über neue und tolle Musik diskutieren konnte. Einer mit ganz viel Ahnung und noch mehr Leidenschaft für alles, was irgendwie mit (Pop)Kultur zu tun hat. Philipp wusste Bescheid und war immer „in the Know". Philipps Musiktipps, seine Serientipps, aber am allermeisten er selbst wird unglaublich fehlen!

Daniel Grabner

Auch wenn ich schon einige Monate in der FM4 Redaktion war, haben Philipp und ich zum ersten Mal auf der Rückbank im Auto auf dem Weg zu einem Festival miteinander gesprochen. Davor in der Redaktion hinter Bildschirmen und mit Kopfhörern auf, beschränkte sich unser Kontakt auf ein kurzes Zunicken oder ein halblautes „Hallo“. In den Jahren darauf sollten es dann auch immer die Festivals sein, an denen wir irgendwann zumindest halb-privat miteinander waren - uns ein bisschen kennengelernt haben.

Und so war es auch in diesem Jahr ein Festival, an dem sich ein Moment (es war eigentlich ein klassischer Weihnachtsfeiermoment) ergeben hat, in dem ich ihm sagen konnte, wie sehr ich sein Schreiben bewundere, wie sehr ich auch gerne meine Gefühle und Assoziationen zu Musik, Literatur, Film einfach in Worte übersetzen können würde, mit dieser Leidenschaft und diesem immer erfüllten Anspruch das Rezipierte auch für andere erfahrbar zu machen.

Für mich war Philipp ein Botschafter des Pop. Seine Musikgeschichten wirkten wie ein Verstärker auf die Songs, die für mich danach einfach noch besser wurden, und bei seinen Literaturrezensionen hatte ich nach dem Lesen das Gefühl, gleichzeitig auch schon den Roman gelesen zu haben.

Auch wenn Philipp mit dieser Verneigung nicht so recht umzugehen wusste und schnell das Thema wechselte, hatte ich doch das Gefühl, dass er sich zumindest ein bisschen darüber freute. Später an diesem Festivalabend trafen sich dann noch drei Menschen in einem Hotelzimmer. Ich erinnere mich, dass Philipp sich schon verabschiedet hatte, ich hab‘ ihm geschrieben, er solle doch noch dazukommen. Und das ist auch die schönste Erinnerung an ihn, die mir bleiben wird. Wir sitzen am Bett, aus Handylautsprechern singt Kate Bush, und Philipp L’heritier steht im Zimmer, und versucht pantomimisch eine Suppe darzustellen, oder war’s eine Säge? Das Spiel war seine Idee gewesen. Wir rufen unsere Vorschläge durcheinander, lachen, er schüttelt immer wieder den Kopf, bei den besonders abwegigen hat auch Philipp gelacht.

Riem Higazi

Philipp
Philipp was a quiet force.
A force to be reckoned with.
An intelligence that didn’t need to be in your face, a sort of humour that was organically understood, not a big show, just charming in a quiet way.
I once had a situation where I felt like I needed to tell Philipp that I loved him.
Our friendship and our work relationship did not call for that but I felt it and I told him.
And I’m grateful I did.
Philipp had the sort of vibe where I knew, he knew what I meant.
My declaration of love, the type of love you get between colleagues who admire each other for what we contribute to our communal everything, fm4, was super-sincere and he returned it.
That is something I will cherish for always.
We respected and admired each other’s contribution to a project we both loved so.
I loved his mind, his quiet friendship to me, his unrelenting fashion choices, his humour, and his honesty. Philipp was an Original.
Philipp L’heritier, thank you for being my friend.

Stefan Elsbacher

Es war für mich immer geradezu unbegreiflich und im höchsten Maße bewundernswert, wie jemand so einen Output in dieser hohen Qualität raushauen konnte. Wie macht der das? Wann macht der das? Wann schaut der all die Serien und Filme, von denen ich noch nie etwas gehört habe und die ich vielleicht irgendwann einmal sehen werde, aber wahrscheinlich eher nicht. Wann geht er auf all diese Konzerte, in all diese Clubs, hört all diese Musik, über die er so wunderbare Texte und Geschichten schreiben kann, wie ich nicht einmal annähernd jemals. Wann schläft der Kerl eigentlich? Danke für deine Worte, danke für dich, Philipp. Du fehlst. aber wie.

Simon Welebil

Philipps Texte waren selten einfache Kost. Vor den LeserInnen und LektorInnen haben sich oftmals Nebensatzgebilde aufgetürmt, die nicht jeder bereit oder im Stande war, zu erklettern. Daran irgendwas zu ändern war aber ebenso anstrengend. Philipp hat um jeden klitzekleinen Eingriff gerungen und sich sogar bei einem eingefügten Beistrich den Beleg aus dem Duden geben lassen, bevor er ihn akzeptiert hat, so überzeugt ist er von seinen Texten gewesen. Diese Überzeugung hat man den Texten dafür auch angemerkt. Sie waren voller Leidenschaft und Emotionen und immer am Punkt. Nie hat man es bereut, einen Text von Philipp zu lesen. Die vielen ausgezeichneten Texte von Philipp werden dieser Seite sehr fehlen, genauso wie der Mensch der Redaktion.

Phil

Florian Obkircher

Irmi Wutscher

Ich kann hier nur ein paar wenige Dinge herausgreifen, warum Philipp mir so fehlen wird...

Als ich noch viel ausging und Philipp viel auflegte hab ich gerne bei seinen DJ-Abenden vorbeigeschaut. Ein gewisser Abend im rhiz ist mir besonders in Erinnerung, wo Philipp auf der Bank hinter dem DJ-Pult auf und ab sprang und nach seinem offensichtlichen Lieblingslied in die Menge brüllte „Wer [Name d aktuellen Lieblingsband einsetzen] morgen net anschaun geht, der ist ein Arschloch!“ Begeisterung pur!

Bei FM4 hat Philipp immer extrem durchdachte und ausgefeilte Texte für die Website abgeliefert. Er konnte zum Beispiel beim Schreiben über Musik das Thema größer aufmachen, mit Gefühlen und Stimmungen verknüpfen, Querverweise ziehen usw. Beim Redigieren wusste er aber ganz genau, wenn man auch nur einen Beistrich geändert hatte. Und fragte sofort nach, warum man das denn getan habe, er hätte das absichtlich so oder so gemacht. Wir haben uns manchmal auf kleine, freundliche Diskussionen bezüglich Stil, Ausdruck und Grammatik eingelassen. Ich hatte das Gefühl, dass er es mochte, dass sich jemand genauso viele Gedanken darüber machte wie er.

Ansonsten konnte es nämlich sein, dass man einen schwierigen Stand bei ihm hatte, vor allem wenn man sich nicht mit Musik auskannte. Beim Electronic-Festival am Schwarzlsee hat uns Philipp auf dem Parkplatz vor dem Ökotel bereitwillig den Unterschied zwischen EDM und IDM erklärt. Ich kenn mich jetzt immer noch aus ;)

Für mich persönlich als Musik(-Such)-Faule war Philipp in der Welt der Musik eine Art Guide, auf den ich mich blind verlassen habe. Was Philipp gut fand, was er in seinen Kolumnen und Texten aufgriff, Konzerte, von denen er sagte, dass man sie besuchten musste, das gefiel mir meistens auch! Nachdem es sein „Something for the weekend“ nicht mehr gab, war ich schon verloren in der Ausgehwelt. Ab jetzt bin ich auch verloren in der Musikwelt. Deshalb bleibt mir nur zu sagen: Für immer dein Fan!

Jenny Blochberger

Philipp war einer der besten Pop-Schreiber, den wir hatten. Wie der mit Worten umgehen konnte. Musik beschreiben ist echt eines der schwierigsten Dinge, und Philipp hat das regelmäßig mit einer derartigen Leichtigkeit und Präzision und einem Wortwitz geschafft, dass es einem beim Lesen ein Lächeln ins Gesicht getrieben hat, selbst wenn einem die Band/die Serie nichts gesagt hat, einfach weil das so schön und gut formuliert war, dass man sich mitunter Passagen anstreichen wollte wie in seinem Lieblingsbuch.

Hosea Ratschiller

Ich würd so gern was sagen, weil es tut weh und er war so ein Herzallerliebster, aber ich bin so lang schon weg aus den Clubs und so, wo man mit dem Philipp bis zum Schluss sein konnte, sein musste, wenn man nicht das Allerbeste versäumen will, das Allerschönste vernachlässigen und missachten, ich bin da nimmer dabei, könnte also nur von Früher erzählen, von vor 20 Jahren oder so, und dass es in Wien wen gab, der immer schon da war, auch wenn sonst noch niemand da war und immer geblieben ist, bis alle wieder weg waren und der immer offene Augen gehabt hat und weit ausgebreitete Arme, in einer Hand ein Bier, der auf jeden Fall gekommen ist, wenn man was gemacht hat und dann auch was dazu gesagt hat, in Worten, die kriegst du besser nicht. Das war vor Facebook, ich hab lang nichtmal gewusst, wie der Philipp heißt, da hab ich aber schon L’Heritier Artikel in irgendwelchen Musikzeitungen gelesen. Dass das ein und dieselbe Person ist, war mir nicht klar, man hat damals irgendwie nicht nach Namen gefragt, ich zumindest nicht, oder ich hab mich nicht getraut, weil diese Leute, die immer überall waren, an der Bar, auf der Bühne, und später im Backstage, wo man unbedingt hin wollte, die sich da komplett gelassen und in der nächsten Sekunde fuchsteufelswild unterhalten haben, mit Gesten, so formvollendet, die hast du noch nie gesehen gehabt, also sicher nicht in der Familie, aber auch in der Schule hat sich keiner so bewegt und auf der Uni vielleicht 2, so grazile Männer und Frauen, die ihr Bier aus der Flasche trinken, die waren so cool und so aufregend, ich war nie sicher, ob man da überhaupt dabei sein darf. Man hat damals einen Abend dramaturgisch danach einteilen können, wer wann auftaucht, es war wie ein roter Teppich. Und da gab es sehr strenge Türsteher und als junger Mann hat man versucht, die Alphatiere anzusprechen, im Gespräch zu bestehen, wurde naturgemäß vernichtend geschlagen und hat sich dann so seinen Platz in der dritten, vierten Reihe gesucht. Aber, und das stimmt, ein Lächeln vom Philipp hat die Tür sehr weit aufgemacht, da gibts noch ein paar, die haben dieses Lächeln drauf, aber der Philipp war Meister darin, dich so anzulächeln, dass du dir zutraust, dabei zu sein, dich nicht einordnen oder anstellen musst und nie mehr heim gehen willst, weil das hier gerade, das wird jetzt dein neues Zuhause, und da ist es spannend, lustig und schön. Und dann natürlich Gespräche, Gespräche, Gespräche und tanzen und trinken und so, also dass man irgendwie schon längst anfängt, sowas wie Teil einer Szene zu werden, die irgendwas mit Kultur macht, das hat man nicht bemerkt, weil es war wurscht, das einzige, worum es ging war, dass man sich nicht schont, bis es schön ist, Kraft war ja genug da, und Sparen ist was für Geizkrägen und andere Orschlöcher, also Rauskitzeln wäre so ein Wort, aber es stimmt nicht ganz, weil man hat sich nicht so affig Buddymäßig geknufft oder so, es wurde eher viel geschmust, weil das war schöner. Eine fantastische Zeit. Und als der Philipp dann irgendwann ein Kollege war, bei FM4, da hab ich dann schon gewusst, dass er für Zeitungen schreibt oder so, aber es war immer noch ein unwirkliches Gefühl, dass man sich so am Arbeitsplatz gegenüber sitzt. Dabei war er ein Großmeister in seiner Arbeit. Das war wie ein neues Kennenlernen. Ich hab nur ein oder zwei Mal mit ihm über seine Texte geredet. Das war wunderbar. Und ich bin sehr traurig, dass das nicht weitergehen kann.

Gersin Paya

Philipp habe ich vor über 10 Jahren kennen gelernt, wir haben viel getanzt zu Musik die uns ‚taugte‘ (er hat zu mir gesagt ich soll solche Ausdrücke benutzen). Oft sind wir uns zu Musik und für Musik in den Armen gelegen. Philipp war nie zu müde zu bleiben oder zu feige seine Meinung zu zeigen, beeindruckend. Und dann Jahre später wurden wir zu Kollegen, riesen Freude und Respekt vor seiner starken Arbeit. Zu den besten Zeitpunkten hat Philipp schonungslosen Humor gezeigt und zu mir gesagt hat er mal „Recherche ist für Meinungslose“, ich liebte es. Gute aber zu wenig Erinnerungen hast du hinterlassen, danke Philipp. Zu diesem Song sind wir gesprungen (Den hat er natürlich ausgegraben und aufgelegt).

Lisa Schneider

Lange bevor ich bei FM4 begonnen hab, hab ich die Texte von Philipp gelesen. Im Nachhinein klingt das vielleicht verklärend oder übermäßig pathetisch, aber er war mein nicht nur großes, aber größtes Vorbild, wenn es ums Schreiben geht. Ich finde, dass er mit Abstand der beste Musikjournalist Österreichs war, es tut mir so unendlich leid, um ihn als Menschen und um das unendliche Wissen, das mit seinem Ableben dahingeht. Er hätte einen Roman schreiben sollen, ich wünschte, das hätte er gemacht. Es tut mir weh, ihn nicht besser gekannt zu haben, von ihm hab ich die richtige Schwärmerei gelernt, nämlich die, die so laut und stark ist, wenn einem etwas wirklich am Herzen liegt, und man andere davon überzeugen will. Das will ich weiterführen, in seinem Angedenken, und in absoluter Achtung davor, was er geschrieben und damit geschaffen hat.

Phil

Christian Lehner

Maria Motter

So aufrichtig, so lieb und herzlich, das war Philipp bei jeder Begegnung. Wie er mir in der Redaktion einmal überschwänglich begrüßungsgewunken hat wie in einem Stadion und wie es mir heut noch leid tut, dass ich so schüchtern war und nur leise zurückgegrüßt habe, um nicht zu stören (aber das haben wir geklärt). Immer wieder mal hab‘ ich ihm geschrieben, großgroßjagroßartig eine um die andere Geschichte, ‚ich wünsch‘ mir, dass du ein Buch schreibst‘ (und ich wünsch‘ mir das noch immer, es wären jetzt gesammelte Texte und das allein zerquetscht das Herz. So ein Genie, diese seine Wörter für die Welt). Nach der Weihnachtsfeier im Vorjahr sind er und ich aus einer großen Gruppe, alle am Nachhauseweg, dann als die letzten zwei in derselben Richtung des Heimwegs übriggeblieben und noch zusammengestanden und das war so ein heftiges Gespräch über Sehnsucht. Ich hab‘ Philipp vermisst bei der Weihnachtsfeier dieses Jahr. Ich hätt‘ ihn einfach so gern wieder einmal umarmt für seine Geschichten und ihm gedankt und ihm gesagt, dass ich mich schon jetzt auf das Elevate mit Kathi und ihm freu- ich hab‘ keine Worte außer Entsetzen. Unbeholfen: Mein herzliches Beileid allen, die Philipp geliebt und geschätzt haben.

Lina Simon

Eine Spritzkerze versprüht, Primeln blühen draußen, alles fühlt sich absurd an.

Ich denke an Weihnachten letztes Jahr, die Feier am Küniglberg, der Philipp hinter Tannenzweigen und Holzstandln auf einem unglaublich hohen Podest, mit Kopfhörern, Knöpfe drehend. Später erkenne ich ihn mitten im lauten, halbdunklen Dancefloor Gewusel, wir tanzen alle zu Charts und rufen uns Justin Bieber Zeilen zu. Ich glaub es war „Sorry“.

Danke Philipp für deine brillanten Geschichten, für jedes wundersame Wort, das einen warm umarmt. Du hast Musiken so prächtig leuchten lassen. Das wird mir fehlen. Du wirst fehlen. Du bist cool. Für immer.

Lukas Lottersberger

Philipps Art Musik, Serien und Popkultur zu rezensieren war einzigartig. Seine Texte transportierten authentisch, wortgewaltig, aber dennoch ohne Schwulst seine Empfindungen zum rezensierten Stück – egal ob Lied, Album, Film oder Serie. Es war immer ein Genuss, seine Meinung zu lesen und dann seinen Rat zu befolgen, dieses Stück anzuhören oder jene Serie zu sehen. Nicht selten habe ich mich bei ihm dafür bedankt.

Letztes Jahr habe ich ihn das erste und für mich leider einzige Mal bei einer weiteren seiner Leidenschaften, dem Auflegen, erlebt. Es war auf der ORF-Weihnachtsfeier. Er hatte einen relativ frühen Slot und ich wünschte, er hätte länger gespielt. Nach ihm haben schließlich die Kollegen von Ö3 und Radio Wien die Tanzfläche beschallt, Philipp hat danach am Dancefloor bewiesen, was bereits viele bezeugt haben: Seine Freude an der Musik, ohne an Genre-Schubladen zu denken; seinen Hang zum Exzess, sein ehrlicher Spaß am Feiern.

Heuer hatte er sich gemeldet, bei der FM4-Weihnachtsfeier aufzulegen, wo aber schließlich den ganzen Abend nur ein Freund von mir und ich die Plattenteller bedienten. Philipp hatte sich einen Tag vor der Weihnachtsfeier krank gemeldet. Er ist nicht mehr gekommen, um mit uns zu feiern. Umso bedauernswerter, dass wir ihn auch danach nicht mehr gesehen haben. Philipp fehlt und er wird fehlen.

Andreas Gstettner

„Und, ist alles klar? Kennst dich aus?“ Mit diesen Worten kam Philipp oft zu mir um sicher zu gehen, dass ich mich bei dem Beitrag, den er für das Radio gemacht hat, keine offenen Fragen habe. Er war immer sehr bedacht darauf, uns ModeratorInnen gut vorbereitet On Air zu schicken, ihm war schon immer das größere Ganze wichtig. Da zeigte sich seine Leidenschaft, der er auch hinter dem DJ Pult immer freien Lauf gelassen hat. Mit seiner offenen, ehrlichen und humorvollen Art hat uns Philipp mit seiner Begeisterung angesteckt, die seine Antriebsfeder war und uns damit auch an die eigene Leidenschaft für Musik erinnert. Danke Philipp für die vielen Gespräche und Empfehlungen, für die lustigen Auflegerein zu denen ich oft getanzt habe. Ich werde das alles sehr vermissen.

Robert Glashüttner

Philipps uneingeschränkte Leidenschaft vor allem für Musik war ansteckend. Seine Vorfreude auf Festivals hat bereits Monate vorher begonnen - er konnte kindlich-intensive Begeisterung nahtlos ins Erwachsenenleben übertragen und war somit fernab jeglichen Zynismus’. Philipp war humorvoll und nie um einen amüsanten Dialog verlegen. Unsere Gespräche drehten sich oft um die vermeintliche Tatsache, dass er sich mit Games überhaupt nicht auskennen würde - was natürlich so nicht stimmte. Nach einer FM4-Weihnachtsfeier vor ein paar Jahren durfte ich ihn bei einer spontanen Afterparty beim Spielen von „Diddy Kong Racing“ beobachten, und erst vor wenigen Wochen hat er mich gefragt, ob er sich eine Nintendo Switch zulegen sollte, weil er so gerne wieder Mario und Zelda spielen möchte. Ich hoffe, er hat es getan und neben seinen geschätzten Platten, Serien und Filmen auch ein paar schöne Spielstunden genossen.

Pia Reiser

Selbst wer so wenig weggeht wie ich, kannte Philipp vom Weggehen. Egal, wo man hin ging, Philipp war schon da - oder kam später vorbei. Leinenbeutel unter den Arm geklemmt und Enthusiasmus geschultert, seine Ans-Herz-Legungen einem auch gerne gegen Konzertlärm ins Ohr brüllend. Philipp konnte völlig unironisch einen Reinhard-Mey-Song auf der coolsten Geburtstagsfeier der Stadt in sein DJ-Set schwindeln, er hatte die Angewohnheit bei den eher raren DJ-Tätigkeiten von mir und Ex-FM4-Mitarbeiterin Barbara Matthews immer dann aufzutauchen, als wir eigentlich schon zusammenpacken wollten. Da stand er dann plötzlich da, Leinenbeutel unter einem Arm, anderen Arm in die Höhe gereckt und tanzte durchs halb eingeschlafene Elektro Gönner auf uns zu. Zu Band of Horses „Is there a ghost“, einem Song, zu dem man eigentlich gar nicht tanzen kann. Er aber schon. So werd ich ihn in Erinnerung behalten.

Christoph Sepin

Philipp war der beste Musikjournalist in Österreich. Der immer schon Dinge entdeckte, bevor überhaupt irgendwer wusste, dass es da was zu entdecken gab. Der wusste über was er spricht und dass es da um was geht in der Musik. Um Emotionen, nämlich. Und die konnte er in Worten ausdrücken, wie kaum jemand. Und der die Musik vor allem lebte, euphorisch, passioniert, neugierig und bereit sich komplett auf Dinge einzulassen.

Das erste Mal traf ich Philipp vor irgendwie über zehn Jahren, beim Fortgehen. Er zischte an uns vorbei, stellte sich kurz dazu und stellte uns irgendein Rätsel, es ging um ein Literaturzitat und welcher Autor das geschrieben hat. Oder so. Die Erinnerung daran ist heute grau und nebelig, wie so viele Momente, an die man sich nur wie aus einem Traum erinnern kann. Eines ist aber bis heute ganz klar verankert: Die Präsenz, die Philipp nicht nur an diesem Abend hatte, sondern jedes Mal, wenn man ihm begegnete, beim Konzert, bei seinen Auflegereien, in der Redaktion. Eine Präsenz, die man nicht ignorieren konnte und nicht ignorieren wollte. Eine Passion, die ansteckend war, eine Liebe zur Popkultur, die mitreißend war.

Die letzte Unterhaltung mit Philipp drehte sich wie so viele davor ums Thema Musik. Um den neuesten heißen Scheiß, die nächste Band, die man am Radar haben sollte. Nicht weil das was war, das vielleicht mal groß werden würde, sondern weil das einfach unglaublich gut war. Denn darum ging‘s und darum geht’s. Diese Passion, diese Bereitwilligkeit zum Zelebrieren der hervorragenden Dinge und die ewige Wertschätzung der Musik: Dass er einen damit beeinflusste, dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Und das bleibt auch für alle Ewigkeit.

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