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Hugh Jackman in "Greatest Showman"

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Filmflimmern

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Neu im Kino: The Greatest Showman, 120 BPM, Insidious: The Last Key. Außerdem: Auf #metoo folgt #timesup und wie das Jahr 2017 in Filmen ausgesehen hat.

Von Pia Reiser

The Greatest Showman

Man hat das Wort damals noch nicht verwendet, aber P.T. Barnum hat bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die Funktionsweisen der Popkultur verstanden. P.T. Barnums Museum, mitten in Manhattan, war ein Ort des Spektakels und des Eskapismus. Präparierte Tiere gab es ebenso zu bestaunen, wie Akrobatik-Shows oder bärtige Ladies. Dem Unternehmer, Showman, Politiker und selbsternannten „Prince of Humbug“ widmet sich das Musical „The Greatest Showman“. In Zylinder und Frack des im Film als optimistischer Träumer mit Hang zur Wohltat dargestellten Barnum ist Hugh Jackman geschlüpft.

Dass Barnum Menschen als Ausstellungsobjekte benutzte, wird im Musical unter den Teppich gekehrt, allerdings behauptet der äußerst unterhaltsame Film auch keine Sekunde lang, eine wahre Geschichte zu erzählen. Es lohnt sich, nach dem Filmbesuch ein bisschen über Barnum nachzulesen, doch wer dem Genre Misical an sich nicht abgeneigt ist, und sich auch von gutgelaunten Songs von der Autotune-Pop-Stange nicht abschrecken lässt, der wird an dem Spektakel, das auch vom Theater als Ort für Außenseiter erzählt, seine Freude haben. Ich verleihe großherzig 7 von 10 Zylindern.

120 BPM

120 BPM ist der Herzschlag von House (dem Genre, nicht dem misantropischen TV-Arzt) und daher hat auch Robin Campillos Drama seinen Titel. „This music was the soundtrack of the epidemic for us“, so Campillo im Interview mit FM4 Redakteur Christian Pausch. Campillo erzählt in „120 BPM“ von „Act Up Paris“, Anti-Aids-AktivistInnen Anfang der 1990er Jahre in Paris, von der Ignoranz der Politik, der Skrupellosigkeit der Pharma-Industrie, aber vor allem vom Kampfgeist der AktivistInnen. Eine Abschiedsszene bei einer Trauerfeier soll KinogeherInnen in Ohnmacht haben fallen lassen, Christian Pausch meint, der Kinobesuch lohnt sich trotz Ohnmachtgefahr, seine ausführliche Review zu „120 BPM“ gibt es hier, er vergibt 9 von 10 rosa Kondomen.

Feiernder junger Mann

Thimfilm

Insidious: The Last Key

Das Mini-Horror-Franchise reißt sich noch einen vierten Teil aus den Rippen, danach soll aber wirklich Schluss sein und wir nehmen diese Nachricht mit Fassung an der Grenze zur Erleichterung auf. In Teil 4 muss sich Parapsychologin Elise Rainier im Haus ihrer Kindheit ihrer größten Angst widmen. Es gibt die üblichen Schreckmomente, flackerndes Taschenlampenlicht und unheimliche Räume. Ein „OK Genrefilm“, urteilt Martina Bauer, und vergibt 6 von 10 entsetzten Schreien.

Lin Shaye in "Insidious: the last key"

Constantin

Außerdem

Am Sonntag werden in Los Angeles die Golden Globes verliehen und wer mit dem güldenen Staubfänger nach Hause geht, ist weniger spannend als die Frage, wie Hollywood nach Monaten der Skandale und Aufdeckung von jahrzehtelangen sexuellen Übergriffen durch Männer wie Harvey Weinstein oder Kevin Spacey sich dem Thema an einem Abend widmet, der üblicherweise voll der netten Worte, mittelprächtiger Witze und Glamour auf Halbmast steht. Moderieren wird Seth Meyers und der meint in Bezug auf den Eröffnungsmonolog: „It seems like this year more than ever Hollywood has its own internal politics that obviously deserve to be talked about.“

Die Red-Carpet-Panier-BerichterstatterInnen schwitzen auf jeden Fall schon, denn wie es aussieht, werden alle Schwarz tragen. Das ist Teil der „Time’s Up“-Bewegung, die von Frauen der Filmindustrie ins Leben gerufen wurde und nicht will, dass der Stein, der hier ins Rollen gebracht wurde mit #metoo, liegen bleibt. „Time’s Up“ steht dafür, dass die Zeiten, die das Verhalten von Männern wie Weinstein ermöglicht haben, vorbei sein sollen. Mehr dazu und über die konkreten Vorhaben kann man hier lesen.

Und grad so, als hätte ein Team von Hollywood-Drehbuchautoren sich das als kleine Geste des Triumphs ausgedacht, sind zum ersten Mal seit 1958 die drei erfolgreichsten Filme des Jahres 2017 in den USA Filme mit weiblichen Hauptfiguren: „Star Wars: The Last Jedi“, „Wonder Woman“ und „The Beauty and the Beast“.

Wer sich wirklich auf 2018 vorbereiten will, der kann im Guardian nachlesen, wie sich Filmemacher das Jahr 2018 vorgestellt haben, ich zitiere mal reißerisch die Überschrift: „Moon nazis and sex in space“.

Termine

4.1.: Point Break, Filmmuseum, Wien
5.1.: Wilde Erdbeeren, Filmmuseum, Wien
6.1.: Totoro, Filmcasino, Wien
7.1.: To be or not to be, Leokino, Innsbruck

In diesem Sinn:

"Everybody, try laughing. Then whatever scares you will go away.” (Totoro)

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