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Szenenbilder aus "Hot Dog"

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„Hot Dog“ mit zwei Würsteln

Wenn Til Schweigers Komödien Erfolge werden, seine Actionfilme aber niemand sehen will, was passiert, wenn er eine Actionkomödie macht? Das Ergebnis heißt „Hot Dog“ und ist Product Placement als Film verkleidet mit Witzen aus der Geriatrie.

Von Pia Reiser

Til Schweiger muss sich oft ärgern. Darüber, dass Kaschmirpullover meistens enge Krägen und Ärmel haben zum Beispiel. Deswegen hat er einen Kaschmirpullover nach seinen eigenen Vorstellungen designt, den man nun für 300 Euro über eine Website beziehen kann, auf der Schweiger auch noch andere - ich zitiere - „Wohlfühldinge aus seinen Filmen und seinem Leben“ Feil hält.

So ein Wohlfühlding ist sicher auch die perfide Ableitung einer self-fulfilling prophecy, die Schweiger sich zurechtgebastelt hat. Seit 2007 zeigt er seine Filme üblicherweise nicht mehr in regulären Pressevorführungen. Er hat die Nase voll von den schlechten Kritiken, er fühlt sich seit Jahren abgestraft vom Feuilleton, ausgerechnet er, der die deutschen Komödien-Kinokassen zum Klingeln bringt. Jede schlechte Kritik zu einem Film von Schweiger bestätigt also nur das Schweiger-Theorem, dass FilmkritikerInnen eben keine Ahnung haben und miesgelaunte Kostverächter der Komödie sind. Das muss ziemlich wohlfühlig sein, sich die Welt so zurechtzubiegen. (Dass es hier ein scheinbar unüberwindbares Missverständnis dazu gibt, was Filmkritik soll, kann, muss und will, kann man in einem Text von Christiane Rösinger nachlesen, die 2013 eine Veranstaltung besucht hat, bei der Til Schweiger mit Andreas Kilb, einem Filmkritiker der FAZ diskutiert hat).

Schweiger fühlt sich schlecht behandelt, weil er tatsächlich mit „Keinohrhasen“ der deutschen Komödie so etwas wie eine neue Inkarnation geschenkt hat – und dem deutschen Film große Publikumserfolge. Als „Keinohrhasen“ nicht für den deutschen Filmpreis nominiert wird, tritt Schweiger kurzfristig aus der deutschen Filmakademie aus und überlegt, einen eigenen Filmpreis zu gründen. Alles muss man selber machen. Preise, Kaschmirpullover, Filme. Schweiger ist längst nicht nur Schauspieler, sondern auch Produzent, manchmal Regisseur. Er hat eigenen Wein auf den Markt gebracht, ein Deli in Hamburg eröffnet, ein Hotel an der Ostsee. Doch ein Punkt auf der To-Do-Liste liegt ihm besonders am Herzen: Die Sache mit dem deutschen Actionfilm.

Szenenbilder aus "Hot Dog"

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Das will und will nicht klappen, da bleiben die Zuseher aus, auch wenn Schweiger seine Filme so nah am US-Vorbild wie budgetmöglich gestaltet. Da klingen dann - wie in „Schutzengel“ - schon mal die Polizeisirenen, die durch Berlin tönen so wie in den USA. Dazu trägt Schweiger meistens auch einen englischen Namen, das ist wahrscheinlich auch so eine Wohlfühlsache und ein Näherrücken an die amerikanischen Vorbilder. In „Hot Dog“, seinem neuesten Film heißt er Luke und schießt – wie Namensvetter Lucky – ebenfalls schneller als sein Schatten. Wenn meine Komödien große Erfolge sind, meine Actionfilme aber nicht, was passiert dann mit einer Actionkomödie, scheint sich Schweiger für die Versuchsanordnung „Hot Dog“ gedacht zu haben.

Regie führt Torsten Künstler, Drehbuch kommt von Tripper Clancy, beide haben bereits mit Schweiger gearbeitet. An der Seite von Schweiger findet man in der buddy comedy „Hot Dog“ seinen Buddy Matthias Schweighöfer in der zweiten Hauptrolle und Schweigers Tochter Lilli als Lukes Tochter. Dieser Luke ist eine maulfaule Kratzbürste bei einer Spezialeinheit der deutschen Polizei, dort arbeitet auch Theo (Matthias Schweighöfer), allerdings in der Verwaltung, und Luke nennt Theo Helga, weil der kennt alle Vorschriften, hält sich ans Protokoll und ist auch sonst ein totales Mädchen.

Szenenbilder aus "Hot Dog"

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Die beiden unterschiedlichen Männer müssen sich dann zusammenraufen, weil das Drehbuch bei Actionkomödien auf derartige Zusammenraufungen besteht und weil quasi unter Aufsicht von Luke und Theo die Tochter des moldawischen Botschafters aus Schloss Bellevue entführt wurde.

Auch wenn man von „Hot Dog“ keine Genre-Revolution erwartet, so überrascht dann doch die sagenhafte Plumpheit dieses in Chauvinismus getunkten Films. Mit miefiger Macho-Attitüde muss Luke immer grinsen, wenn eine weibliche Figur einen Strohhalm im Mund hat. Oder ein Steckerleis. Weil in Lukes Welt ist quasi alles, was sich auch nur in Nähe eines Frauenmunds befindet, phallisch. Und phallisch wird automatisch als lustig angenommen in der Pennälerhumorwelt von „Hot Dog“.

Dass dick jokes funktionieren können, ohne, dass man im Sexismus des Herrenwitz versinkt, hat Judd Apatow bereits mehrmals bewiesen, die Meister darin sind „The Lonely Island“. Aber die Unterschiede zwischen den Gürtellinen-Schmähs von The Lonely Island und Til Schweiger sind so groß wie die Unterschiede zwischen Barthes (Roland) und Barth (Mario).

Die „Hot Dog“-Pointen riecht man schon von weitem, sie tragen Bärte und gehen am Stock und so freut man sich immer ein bisschen auf den nächsten Kugelhagel, weil das bedeutet dann wenigstens Pointenpause. Richtig originell ist „Hot Dog“ eigentlich nur, wenn es um Product Placement geht. Dass ein Mercedes immer wieder geschmeidig durch die Landschaft schnurrt, ist inzwischen beinahe ein Schweiger (und auch Schweighöfer)-Markenzeichen und gehört zu diesen Filmen wie der nackte Frauenfuß zu Quentin Tarantino.

Szenenbilder aus "Hot Dog"

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In einer Szene steigen Schweiger und Schweighöfer aus dramaturgisch unerfindlichen Gründen aus dem Auto aus, um sich vor einer Versicherungs-Reklame zu unterhalten. Auch ziemlich gut: Ein Bote einer großen Paketversandfirma mit noch größerem Paket mit noch größerem Logo drauf unterbricht eine Szene mit „Ich hätte hier ein Paket…“ und wird dann wieder rausgeschickt. „Hot Dog“ ist einer dieser Filme, der die Parodie gleich mitliefert, der wird wohl auch Jan Böhmermann nichts Neues mehr einfallen.

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