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Buchcover von Haruki Murakamis "Die Ermordung des Commendatore"

Dumont Verlag

Eine Idee von Murakami

Seltsam. Merkwürdig. Geheimnisvoll. Das ist die Welt von Haruki Murakami. Und das ist sie auch im ersten Teil von „Die Ermordung des Commendatore“ mit dem Untertitel „Eine Idee erscheint“. Aber es hakt auch.

Von Zita Bereuter

Typisch Muakrami möchte man sagen: Der Protagonist ist männlich, Mitte 30 und liebt die Einsamkeit. In diesem Fall ist es ein Künstler - ein Porträtmaler. Er ist seit kurzem beziehungslos und in Folge dessen auch ziel- und mittellos. Außerdem ist er geprägt vom Verlust einer ihm nahen Person, hier seine jüngere Schwester. So weit. So typisch. So Murakami.

Dieser namenlose Künstler zieht in das abgeschiedene Haus eines Freundes in einem kleinen Bergtal. Regen und Sonne sind oft nur ein Wohnzimmer weit entfernt.

„Da das Haus, in dem ich wohnte, genau an der Wetterscheide stand, kam es vor, dass im Garten ein starker Schauer niederging, obwohl auf der Vorderseite die Sonne schien. Anfangs verblüffte mich das, aber bald gewöhnte ich mich daran, und es wurde für mich zur Normalität.“

Buchcover

Dumont Verlag

Beeindruckend ist die Aufmachung des Buches: über den ganzen Buchdeckel zieht sich eine nebelige Landschaft mit einem Farbverlauf – von grün über gelb orange ins rote. Weder Titel noch Autorenname stören. Der Schnitt ist schwarz. Alle Informationen zum Buch sind auf einem Plastikumschlag. Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore. Teil 1: Eine Idee erscheint. Übersetzt von Ursula Gräfe, DuMont 2018

Normalität ist allerdings weit weg, denn es ereignen sich merkwürdige und geheimnisvolle Dinge. Auf dem Dachboden findet der Künstler zufällig das titelgebende Gemälde „Die Ermordung des Commendatore“, eine Szene aus Mozarts „Don Giovanni“, das ihn immer wieder in die Vergangenheit führt. Er trifft auf einen ebenso reichen wie geheimnisvollen Nachbarn, malt wieder ein Porträt und hört komische Geräusche.

Das wird schnell mystisch und durch viele Hinweise und Cliffhanger auch durchaus spannend. Ein wahrer Pageturner. Die Auflösung dieser Spannung hat leider ihre Schwächen. Und dann holpert die Erzählung etwas.

„Selbst eine Idee braucht mal eine Ruhepause“

Vieles erfährt man, obwohl man es doch gar nicht wissen will: Kein Auto fährt etwa vor, ohne dass auch Farbe und Marke erwähnt wird, oder keine Oper wird aufgelegt, ohne dass auch der Dirigent genannt wird. Wenn sich hingegen die Frau nach sechs Jahren Ehe trennt, wird nicht einmal nach dem Grund gefragt.

Aber wie heißt es an einer Stelle: „Verborgene Bedeutungen und Metaphern sollten nicht mit Worten erklärt werden. Man muss sie einfach schlucken.“

„Wien ist eine unvergleichbare Stadt“

Wien spielt übrigens auch eine wichtige Rolle. In Wien hat der Maler von „Die Ermordung des Commendatore“ in den 30er Jahren studiert. Der reiche Nachbar kennt Wien:

„Wien ist eine unvergleichliche Stadt. Man spürt es sofort, auch wenn man nur kurz dort ist. Wien ist anders als Deutschland. Die Atmosphäre ist anders, die Menschen sind anders, die Küche ist anders, die Musik ist anders. Wien ist ein besonderer Ort, an dem man das Leben genießt und die Künste liebt."

Die Beschreibung über Wien in der Nazizeit liest sich stellenweise wie ein Wikipediaeintrag. Was in Wien während der Nazizeit genau passiert ist, wird man im zweiten Band erfahren. Der erscheint im April und der macht aus „Die Ermordung des Commendatore“ dann hoffentlich einmal mehr einen typischen Murakami.

Hoffentlich einen typisch guten.

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