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The Disaster Artist

Warner Bros. Pictures

James Franco scheitert an „The Room“

„The Room“ ist unabsichtlich einer der besten Filme, „The Disaster Artist“, der Film über „The Room“ ist das nicht. Warum der angeblich schlechteste Film aller Zeiten besser ist, als die Satire darüber.

Von Christoph Sepin

Eigentlich hat der „New Yorker“ schon alles zur Thematik gesagt: „Why The Room Is a Better Movie than James Franco’s The Disaster Artist“ lautet die Überschrift der Zeitschrift zum neuen Film „The Disaster Artist“ von James Franco, einer quasi-satirischen Aufarbeitung von „The Room“, die gerade in den Kinos anläuft.

Und das ist schon ein starkes Statement: „The Room“ gilt für viele als der schlechteste Film, der je gemacht wurde, eine Produktion aus dem Jahr 2003, die sich die Bezeichnung „the Citizen Kane of bad movies“ nachsagen hat lassen müssen.

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Was ist „The Room“?

Wer „The Room“ noch nicht kennt, hier eine kleine Zusammenfassung rund um den Kultfilm: In den frühen 2000ern entschloss sich der Schauspieler Tommy Wiseau dazu, seinen eigenen Film zu produzieren, basierend auf einem Bühnenstück, das er selbst verfasste.

Darin geht es um den Protagonisten Johnny (gespielt von Wiseau selbst), der entdeckt, dass er von seiner Freundin mit seinem besten Freund betrogen wird. Und das war es eigentlich schon, handlungstechnisch. Ursprünglich ein kommerzieller Flop, schaffte es „The Room“ schnell eine Underground-Fanbase zu bekommen. Menschen, die den Film gerade wegen seiner schlechten Story, seiner seltsamen Handlung und schauspielerischen Leistungen schätzten. Ein Film, so schlecht, dass er schon wieder gut ist, so lautete die allgemeine Meinung.

Dabei ist „The Room“ bei weitem nicht der schlechteste Film, der jemals gemacht wurde, falls es sowas überhaupt gibt. Medial ist eine solche Schlagzeile aber auf jeden Fall besonders wirksam. Vielmehr eignete sich „The Room“ besonders gut als Einstiegsmaterial in die Welt der bizarren Low-Budget-Produktionen (obwohl „The Room“ immerhin 6 Millionen Dollar gekostet hat). Eine Welt von Filmen, die scheinbar ohne es zu beabsichtigen, als wunderliche Komödien daherkommen. Deren Handlungsstränge so verwinkelt und seltsam sind - sei es aufgrund mangelndem Talents der Herstellenden, sei es aufgrund von Budget- oder zeitlichen Gründen -, dass daraus eine Art von Comedy entsteht, die man so gar nicht absichtlich schreiben könnte. Hier meine Lieblingsszene aus „The Room“, die das bizarre Skript und die Umsetzung in wenigen Sekunden perfekt erklärt:

„Good Bad Movies“ haben vor allem in den USA eine große Anhängerschaft. Kinos veranstalten Filmfestivals der schlechten Filme oder Mitternachtsscreenings, zu denen Leute verkleidet als die Charaktere aus den Filmen auftauchen und die Zeilen mitbrüllen. Neben „The Room“ ist auch der Film „Troll 2“, eine Horrorkomödie aus dem Jahr 1990, ein besonderes Aushängeschild dieser guten schlechten Filme. „Troll 2“ hat mit „Best Worst Movie“ auch eine sehr sehenswerte Dokumentation über das Making-Of des B-Movies.

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James Franco’s „The Room“

Jetzt scheinen die Tage von „The Room“ als Undergroundkultfilm aber gezählt: Niemand Geringeres als James Franco outete sich als Fan davon und bringt mit „The Disaster Artist“ seinen eigenen Film über die Entstehungsgeschichte in die Kinos. Keine Dokumentation, wohlgemerkt, sondern einen Spielfilm, in dem Franco selbst in die Rolle des „The Room“-Erfinders Tommy Wiseau schlüpft.

„The Disaster Artist“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von Greg Sestero, langjähriger Wegbegleiter und Co-Schauspieler von Tommy Wiseau, in dem es um das Making-Of von „The Room“ geht. Wiseaus Weg von San Francisco nach Los Angeles wird darin nacherzählt und sein Aufeinandertreffen mit Sestero, das schließlich zur Produktion von „The Room“ führt.

Ganz originalgetreu ist das alles natürlich nicht: Wiseau hat sowohl das Buch Sesteros als auch den Film von Franco nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern war auch an der Promotion dazu beteiligt. In einem zu schlechten Licht wird der kontroversielle Filmemacher daher nicht darin gezeigt. Der Wahrheitsgehalt, der dadurch nicht hundertprozentig sicher ist, fällt damit also weg. Womit „The Disaster Artist“ für Fans von „The Room“ nicht unbedingt die beste Hintergrundinformation zum Zustandekommen des Films bietet. Damit bleibt vor allem der Unterhaltungswert, den ein solcher Film bringen sollte. Und da beginnen die echten Probleme von James Francos Film.

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Oh, Hi Mark

Franco ist offensichtlich ein großer Fan von „The Room“: Die bizarrsten Szenen aus dem Film werden von ihm in der Rolle Wiseaus bis aufs kleinste Detail nachgespielt. Das ist natürlich lustig, aber nicht wegen Francos Performance, sondern wegen dem Ausgangsmaterial Wiseaus. Wenn Protagonist Johnny laut „Oh, Hi Mark“ brüllt, in den unpassendsten Situationen lacht, oder scheinbar ins Nichts führende Monologe startet, dann ist das sehr, sehr lustig. Im Original aber viel mehr als in Francos Nachstellung davon.

„The Disaster Artist“ wirkt mehr wie ein Prestigeprojekt für James Franco und seine Freunde. Zahlreiche Begleiter und Begleiterinnen aus der Karriere des Schauspielers tauchen darin in verschiedensten Rollen auf, von Francos Bruder Dave bis zu Regisseur und Producer Judd Apatow, der immerhin in den 90er-Jahren mit „Freaks and Geeks“ für Francos Durchbruch sorgte.

Was in „The Disaster Artist“ fehlt, ist die Antwort auf die Frage, wer dieser Tommy Wiseau denn tatsächlich ist: Sein Geburtsort ist genauso unbekannt, wie die Quelle seines Geldes, mit dem er „The Room“ produzierte. Wiseau selbst möchte das schon immer geheim halten und so geht auch „The Disaster Artist“ nicht weiter darauf ein.

Und auch der tatsächliche Grund, warum „The Room“ ein großartiger Film ist, bleibt unerforscht: Die Lektion in Sachen Filmemachen und der Einblick in die Gedankengänge seines Regisseur, Autors und Hauptdarstellers Tommy Wiseau. Wiseaus Johnny inszeniert sich im Film als das große Opfer, das hintergangen und betrogen wird, obwohl er doch allen nur Gutes will. Womit „The Room“ unabsichtlich Themen wie Egozentrik und subjektive Selbstverherrlichung in den Fokus rückt.

„The Room“ ist produktionstechnisch nicht gut, aber auf der Metaebene das genaue Gegenteil: Ein Snapshot aus Hollywoods Filmmaschinerie, in der jeder vom American Dream träumt und davon, ein Star zu werden. Und wenn man sich darauf einlässt ist es einer der unbeabsichtigt lustigsten Filme, der je gemacht worden ist. „The Disaster Artist“ schafft dieses Level von Entertainment nicht nur überhaupt nicht, sondern scheint es auch gar nicht versuchen zu wollen.

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