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szenenbilder von "black panther"

marvel studios

Teach us, Panther

Ein politisch aufgeladener Superheldenfilm und ein Meilenstein in Sachen Sichtbarmachung und Repräsentation von „black history“: „Black Panther“ besticht durch eine afrofuturistische Vision und kämpferische Frauenfiguren, einen grandiosen Antagonisten und einen Superheld und König gibts auch.

Von Pia Reiser

I have seen gods fly. I have seen men build weapons that I couldn’t even imagine. I’ve seen aliens drop from the sky. But I have never seen anything like this. Wenn man in Metamoment-Bastellaune ist, dann kann man sich diese Zeilen aus „Black Panther“ von CIA-Agent Everett Ross (Martin Freeman) ausleihen, als Kommentar zur popkulturellen Bedeutung des neuesten Marvel Superheldenfilms. Denn wir alle haben soetwas noch nicht gesehen. All die Teenager, Wissenschafter, Millionäre und Götter, die in den letzten beiden Jahrzehnten ihre Superhelden-Capes und -egos auf der Leinwand ausgebreitet haben, hatten eines gemeinsam: Sie waren weiß.

chadwick boseman als black panther

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Mit von elektrisierendem Hip Hop von Kendrick Lamarr und The Weeknd unterfüttertem Selbstbewusstsein schlägt nun der erste Superheldenfilm mit fast ausschließlich schwarzen DarstellerInnen mit Wucht und Verve ein - und erinnert schon alleine durch seine schlichte Existenz an die Gegenposition, die er einnimmt, an die Stereotypisierungen, die das Mainstreamkino ansonsten hauptsächlich für schwarze Figuren vorzuweisen hat.

„Black Panther“-Regisseur Ryan Coogler hat sich mit „Fruitvale Station“ und „Creed“ an derartigen Stereotypisierungen abgearbeitet und den schwarzen Drogendealer sowie den schwarzen Boxer rekonstruiert - sich wie Barry Jenkins mit „Moonlight“ mit Konstrukten der (schwarzen) Maskulinität beschäftigt und in flirrendes Indie-Kino verpackt.

Politik im Popcornkino

Doch mit „Black Panther“, dem Superheld, den Stan Lee und Jack Kirby 1966 zum ersten Mal in ihren Comics auftauchen lassen, rutscht die Beschäftigung mit black identity nun aus der im Vergleich doch nischenhaften Indiewelt der Arthauskinos in die mit Aufmerksameit überschüttete erste Reihe von Hollywoods tentpole movies. Damit verendet dann auch endlich das faule Argument, dass sich „black films“ nicht verkaufen ließen. Und auch der racial empathy gap spielt hier keine Rolle.

Der Ticketvorverkauf bricht bereits alle Rekorde, in Sachen box office fragt man sich nicht, ob, sondern wieviele Rekorde der Film brechen wird. Es ist ein Film, der die Multiplexe füllen wird und die Feuilletons und Magazine. „Black Panther“-Hauptdarsteller Chadwick Boseman ist am Cover des Time-Magazine zu sehen, „The Superpowers of Black Panther“ titelt Time und tatsächlich ist dieser Film eine Erinnerung an die potentiellen Superkräfte von Film, was Sichtbarmachung, Repräsentation und Identitätsstiftung angeht.

Während Hollywood ansonsten für schwarze Figuren hauptsächlich Leidensgeschichten fabriziert, setzt nun „Black Panther“ im größtmöglichen Rahmen, im millionenschweren Blockbustergeschäft an, um gleich mehreren schwarzen Figuren ein Narrativ ohne Leidensgeschichte zu stricken. Chadwick Boseman schlüpft mit stoischer Ruhe in den High Tech-Katzen-Kampfanzug des Black Panther, dieses Superhelden-Dasein ist Teil seiner Funktion als neuer König von Wakanda, T’Challa folgt seinem Vater T’Chaka nach, der bei einem Anschlag ums Leben gekommen ist. Den fiktiven afrikanischen Staat Wakanda verortet das Marvel Cinematic Universe zwischen Uganda, Kenia, Äthiopien und dem Südsudan. Und da betritt der Film erneut wortwörtlich Neuland, denn „Black Panther“ spielt hauptsächlich in Afrika. Die Schauplatz-Wahl alleine wäre schon eine Sensation im US-lastigen Marvel Cinematic Universe, doch das Superhelden-Spektakel besticht vor allem dadurch, was für ein Bild es von dem Kontinent zeichnet.

szenenbilder von "black panther"

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Afrofuturismus

Wenn Hollywood - was es ohnehin nicht allzu oft macht - den Blick auf Afrika wirft, dann um Meryl Streep in der Sonne schmachten zu lassen oder von Bürgerkriegen, Blutdiamanten oder Armut zu erzählen, und dabei weitgehend den leicht herablassenden, weißen, kolonialen Blickwinkel nicht zu verlassen. Und hier steckt vielleicht die größte - visuelle wie erzählerische - Sensation und Vision von „Black Panther“. Wakanda verfügt über das Supermetall Vibranium (das ist auch die geheime Zutat von Captain Americas Superschild), doch weiß davon der Rest der Welt nichts.

Der Staat - nach außen hin das gebend, was der Rest der Welt sich eben so unter einem afrikanischen Staat vorstellt - versteckt sich hinter einer Art Tarnschild, dahinter liegt ein hochtechnologisiertes Königreich, Schwebebahnen, Wolkenkratzer. Wie eine Skizze für „Blade Runner“, der man die Dystopie ausradiert hat, außerdem ist Wakanda sonnendurchflutet. Doch noch eindrucksvoller als das Produktionsdesign ist die Vision, die „Black Panther“ hier auf der Leinwand aufzieht, die Vision eines Afrikas, in dem Kolonialisierung und Ausbeutung nicht stattgefunden hat. Hier denkt der Film Geschichte neu und zeigt auch, wie grandios es ist, wenn dem popkulturellen Kawumm eines Superheldenfilms politische Relevanz eingenäht ist.

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Streetwear trifft Tradition

Wakanda ist eine afrofuturistische Vision, ein Abschütteln des vereinnahmenden weißen Blicks, ein Verneinen des Exotismus. So können da auch mal Männer in Baströcken auftauchen. Für die Kostüme hat Kostümdesignerin Ruth E. Carter traditionelle afrikanische Kleidung der Suri, Himba, Massai und Ndebele mit Afropunk, Afrofuturismus und Einflüssen von Issey Miyake und Mitsuhiro Matsuda kombiniert. Im Falle von T’Challas jüngerer Schwester Shuri kommt da noch eine von Stella McCartney inspierte Vorliebe für recycelte Materialien und Street Wear hinzu. In Großbritannien ist Wakanda Zine, ein limited edition street-style magazine erhältlich, das sich dem eigenen Stil Wakandas widmet. Und, wenn man, so wie ich, die Kostüme schon als Triumph empfindet, dann kriegt man bei den Frauenfiguren vermutlich Schnappatmung.

szenenbilder von "black panther"

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Abgesehen von „Wonder Women“ werden Frauenfiguren im Marvel-Universum ja nicht gerade mit Aufmerksamkeit überschüttet - und wenn doch, dann nur, weil der Anzug der Black Widow halt eine fesch enge Angelegenheit ist. Shuri (Letitia Wright) fungiert in „Black Panther“ als Tech Wizard, die geniale Erfinderin hinter den Anzügen und Gadgets des Black Panther. Shuri wird zum jungen, weilblichen Q, James Bonds persönlichem Ausstatter, (überhaupt erinnert der Film stellenweise stark an das Bond-Franchise minus der misogynen Haltung). Dann sind da noch Lupita Nyongo als Nakia, T’Challas Exfreundin, Spionin für Wakanda, oder die Dora Milaje, eine rein weibliche amazonengleiche, bewaffnete Einheit, die direkt dem König unterstellt ist. Diese Figuren, befreit davon als Sidekicks ab und zu für einen Lacher zu sorgen oder bloß hübsch auszusehen, stehlen dem königlichen Superheld durchaus die Schau.

Und „Black Panther“ hat - im Gegensatz zu so vielen der Marvel-Filme - auch endlich wieder einen interessanten Antagonisten. Ich spreche nicht von Ulysses Klaue (Andy Serkis), dem einarmigen Waffenhändler, sondern von Michael B. Jordan - gewohnt super - als Erik Kilmonger, der der Meinung ist, dass Wakanda seine Technologie nicht verstecken soll, sondern für einen weltweiten Aufstand der schwarzen Bevölkerung zur Verfügung stellen soll. Wenn sich der ruhgie T’Challa und der den Zorn über die afrikanische Diaspora verkörpernde Kilmonger gegenüberstehen, dann formiert sich der Vergleich zu Martin Luther King und Malcolm X von selbst.

Szenenbild aus Black Panther

Marvel Studios

Und so wird „Black Panther“ zum politischen aufgeladenes Popcornkino und ein kathartischer Triumphs, was die Behandlung der Figuren angeht, ein Befreiungsschlag von jahrzehntelangen Stereotypisierungen. I’ve never seen anything like this, wie schon eingangs erwähnt, triffts wirklich ganz gut.

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