FM4-Logo

jetzt live:

Aktueller Musiktitel:

Hannah Epperson

Hannah Epperson

Hi, ich heiße Hannah! Ich spiele Violine und Frisbee

Hannah Epperson spielt gerne Frisbee, aber noch lieber macht sie Musik. Hannah und ihre Violine sind eine Einheit. Ihr neues, zweites Album nennt die in den USA aufgewachsene kanadische Songschreiberin „Slowdown“.

Von Eva Umbauer

Hannah Epperson ist ein Mensch zum „Pferdestehlen“, weniger zerbrechliche „Song-Elfe“ als toughe junge Frau, die schon mal den Rasen eines Parks zum Pinkeln benutzt, obwohl sie so schöne Klanglandschaften zaubert aus ihrer Stimme, ihrer Violine und einem Loop-Pedal, auf das sie viel und gerne steigt. Wenn sich Hannah Epperson an ihre Musik-Anfänge erinnert, grinst sie über das ganze Gesicht.

Eigentlich wollte sie Flöte lernen, aber die Eltern meinten, nix da, „flute repertoire sucks“. Was soll man schon auf der Blockflöte spielen außer ein paar Weihnachtslieder? Ok, Querflöte vielleicht? Nein, bestimmten die Eltern, Hannah sollte ein Musikinstrument erlernen, das den Instrumenten, die die drei älteren Geschwister spielten, ebenbürtig war.

Mini-Cello

Die drei Brüder spielten Cello, Klarinette und Piano. Für klein Hannah - gerade mal sechs Jahre alt - wählten Mum und Dad schließlich die Violine aus, eine Art Mini-Cello für das Kind. Die Violine, ein Instrument über das der britische Musiker Fink - er lernte es ebenfalls - einmal sagte, „it´s pretty useless“, jedenfalls wenn man in einer Rock-Band spielen möchte.

Wenn es um die Musik von Hannah Epperson geht, sind die Wörter „nutzlos“ oder „sinnlos“ auszuschließen. Dennoch hat sie eine Art Hassliebe zu ihrer Violine, die sie besitzt seit sie acht Jahre alt ist. Erst waren ihre Finger noch zu klein und zart für das Instrument, aber seit Hannah elf oder zwölf Jahre alt war, spielt sie genau die Violine, mit der sie heute international Konzerte gibt.

„I met a cowgirl when I was ten and she played fiddle tunes like a motherfucker. We would go and ride horses and she would teach me fiddle tunes by ear.“

Später, im Teenageralter kommt es dann ja gern vor, dass man das Musikinstrument, das man bisher gelernt hat, nicht mehr spielen möchte. Man fragt sich, warum man ständig üben sollte und warum man eigentlich soviel Zeit mit diesem Instrument verbringt.

Etwas Großes

„It’s the hormones kicking in“, lacht Hannah Epperson in Interviews, wenn sie erzählt, was alles so dazwischen kommen kann in der Beziehung eines jungen Menschen zu seinem Musikinstrument. Kennt man aber Leute, die ihr Instrument nicht einfach zur Seite legten oder in einen Kasten verbannten, wie Hannah eben dieses „Cowgirl“ kannte, dann stehen die Chancen gut, dass eines Tages etwas Großes kommt, was es ohne das Instrument nicht gegeben hätte.

„Growing up in Utah, on the desert, being exposed to old cowboy music has affected the way I interweave storytelling, and outdoors has affected the way I understand and render musical landscapes.“

Von den Rockies nach New York

Hannah Epperson wurde im Rocky Mountain Staat Utah geboren, besitzt einen US-Pass, lebte dann aber in Vancouver an der kanadischen Westküste, einer Stadt, die der energetischen Persönlichkeit Hannah Epperson aber letztlich etwas zu unaufregend ist. Alle Menschen dort sind oberflächlich nett, machen Yoga und trinken grüne Smoothies, könnte man etwas böse über Vancouver sagen, wenn es nach Hannah Epperson geht.

Nein, nein, Vancouver ist ganz bestimmt eine tolle Stadt und die smarte Hannah Epperson möchte gewiss niemanden vergrämen in Vancouver, aber dieses Angenehme, Nette, Hübsche - genau das ist ihr letztlich zu wenig. Also zieht sie nach New York, wo das Leben insgesamt fordernder ist - auch wenn dort natürlich auch Smoothies getrunken und Yoga gemacht wird. Aber es gibt ja noch immer die Farm einer Freundin in Montana, auf die Hannah kommen kann, wenn ihr die Stadt auf die Nerven geht.

Frisbee als Sport

Mit dem Team Canada ist Hannah weiterhin unterwegs - als Frisbee-Spielerin, etwa zuletzt bei den World Championships in Frankreich. Zum Frisbee-Sport ist Hannah Epperson in Vancouver gekommen: An einem Strand warfen junge Typen die Scheibe mit derartiger Kraft und dennoch so grazil in die Luft, und genau das wollte Hannah auch tun; über eine Universität in Vancouver kam sie schließlich zum Frisbee-Profisport.

Hannah Epperson veröffentlichte ihr erstes Album vor etwas über einem Jahr: „Upsweep“. Jeder Song auf diesem Longplayer hatte in Klammer die Namen „Amelia“ oder „Iris“ stehen. Und auch bei ihrem neuen Album wendet Hannah Epperson dieses Konzept wieder an. Diese Namen "Iris und „Amelia“ stehe für zwei fiktive Charaktere. Ihre diametralen Welten vereinen sie in einer dritten, fiktionalen Person, nämlich einem narzisstischen jungen Mann, der sich von der Gesellschaft entfremdet und in eine lebensgefährliche Manie verfällt.

Amelia und Iris

„Iris“ und „Amelia“ stehen in einem klaren Spannungsverhältnis. Die Songtexte transportieren das Polarisieren zwischen den beiden Charakteren, die Reales und Surreales, Endliches und Grenzenloses miteinander vermischen. „Iris“ ist ein eher altmodischer Name, ein Name den eine durchschnittliche nordamerikanische Großmutter tragen könnte, während „Amelia“ für Hannah Epperson frischer klingt, abenteuerlicher, so wie die Flugpionierin Amelia Earhart.

Jeden Song gibt es also in zwei Versionen, in einer Iris-Version und in einer Amelia-Version. Das heißt, einmal eher klassisch, sehr reduziert instrumentiert - bei „Iris“, und dann wiederum in einem glasklaren Pop-Gewand - bei „Amelia“. Was alle Songs vereint: Sie sind nie aufdringlich oder schwülstig.

Hannah Epperson

Listenrecords

„Slowdown“ von Hannah Epperson ist am 16.Februar 2018 bei Listenrecords/Broken Silence erschienen.

Lange fühlte sich Hannah Epperson nicht als Sängerin. „There’s a lot of humming and whistling in my songs“, sagte sie einmal.

Tell The Kids

Die Songs am neuen Album von Hannah Epperson tragen Titel wie „We Will Host A Party“ oder „Tell The Kids It’s Gonna Be Alright“. Hannah Epperson bricht bei letzterem Stück eine Lanze für die jungen Menschen, über die gerne gesagt wird, sie wären selbstsüchtig, ohne Manieren, und könnten nicht richtig rechnen und lesen: „The kids these days are smarter than you´ll ever give them credit for“ singt Hannah Epperson. Wie recht sie hat.

Live in Österreich

Hannah Epperson spielt im Frühling drei Konzerte in Österreich:

  • 28. Mai, Graz, die Scherbe
  • 29. Mai, Wien, Rhiz
  • 30. Mai, Feldkirch, Theater am Saumarkt

mehr Eva Umbauer:

Aktuell:

Werbung X