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Kanye West

David Shankbone / CC BY 3.0

hip hop lesekreis

„Sometimes I think really bad things“

Der FM4 HipHop-Lesekreis hat sich genauer mit „ye“ auseinandergesetzt.

Von Stefan „Trishes“ Trischler

Zugegeben: Unsere Hoffnung, Kanye Wests bizarre letzte paar Wochen wären ein von Joseph Beuys inspiriertes, extrem elaboriertes Stück Performance Art, haben sich zerschlagen - zumindest vorerst. Das neue Album ye ist nämlich kein „Haha, reingelegt!“, nicht einmal wirklich ein Erklärungsversuch. Seine psychische Krankheit (I hate being bipolar, it’s awesome steht am Cover) und zeitweise Medikamentenabhängigkeit wird hier nicht als Entschuldigung verwendet. Dafür spricht „Ye“ aber in ziemlich brutaler Ehrlichkeit über all die Emotionen in seinem Inneren - Kollege Phekt hat das genauer ausgeführt.

„ye“ ist ein Insta-Album, entstanden im Verlauf von gerade einmal drei Wochen. Diverse andere musikalische Pläne wurden dafür erstmal in die Schublade gelegt, in einem Kraftakt kommen dafür im Laufe von fünf Freitagen jetzt gleich fünf Platten raus, bei denen Kanye West seine Finger im Spiel hatte. Für Perfektionismus ist da keine Zeit: Auch das Albumcover wurde angeblich erst am Weg zur offenbar recht bizarren Listening Party am Fuße der Teton-Bergkette in Wyoming geschossen.

Mehr Lyrics:

Der FM4 HipHop-Lesekreis zum Nachlesen oder als Podcast.

Dementsprechend unausgegoren wirkt die Musik. Visionäre Blaupausen, die den Rest des Rap-Games für die nächsten Jahren beeinflussen werden, finden sich auf „ye“ im Gegensatz zu früheren Kanye West-Werken nicht. Im Zentrum steht eindeutig der Mann und sein Kampf mit den eigenen Dämonen oder auch den verschiedenen Stimmen im Kopf. Wem etwa diese Spoken Word-Zeilen im Opener gewidmet sind, ist Interpretationssache:

Today I seriously thought about killing you
I contemplated, premeditated murder
And I think about killing myself
And I love myself way more than I love you, so…

Foto: CC BY 3.0

Auf seine patschert-egozentrische Art sind ihm da auch recht witzige Zeilen gelungen, anderes geht auf „ye“ aber auch inhaltlich ordentlich in die Hose. Etwa „Violent Crimes“, wo er seine Töchter vor schmierigen Typen wie ihm selbst warnt oder die Zeilen in „Yikes“ wo die handfesten Vergewaltigungsvorwürfe gegen Rap-Mogul Russell Simmons zu „he got #metoo’d“ zusammengefasst werden. Alle, die spätestens nach seinen Sklaverei-Kommentaren genug von Kanye hatten, wird diese Platte sicher nicht umstimmen. Und auch uns anderen, die es eigentlich gut mit ihm meinen, macht „ye“ es nicht einfacher. Denn, das alles dafür?

Der FM4 HipHop-Lesekreis mit Dalia Ahmed, Natalie Brunner, Mahdi Rahimi, Ole Weinreich und meiner Wenigkeit hat sich den Album-Opener „I Thought About Killing You“ und „Wouldn’t Leave“ genauer angehört.

FM4 HipHop-Lesekreis: Kanye West - ye

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