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Jurassic World: Fallen Kingdom

Universal Pictures International

Gemma Saurier schauen

„Jurassic World: Fallen Kingdom“ lädt zum fünften Mal in einen Themenpark, der als Film getarnt ist.

Von Christian Fuchs

Filme mit herumstapfenden Riesen-Echsen haben ein Problem: Man muss neben den gigantischen Schauwerten auch die Menschen ertragen, die immer wieder durch das Bild rennen. Eine Erfahrung, die der Schreiber dieser Zeilen schon als klitzekleiner Kinobesucher machen durfte. Wenn in den knallbunten Godzilla-Spektakeln aus Japan, die meine Kindheit versüßten, ein Übermaß an lähmender Handlung den Film blockierte. Und ich doch nur die Urzeit-Echsen sehen wollte, die sich wüste Kämpfe miteinander lieferten.

Heute weiß ich natürlich, dass erst die richtige Dosierung aus Monster-Action und menschlicher Interaktion einen wirklich guten Dinosaurier-Film ausmacht. Das amerikanische Godzilla-Remake von 2015 ist beispielsweise so ein Werk, wo der große Auftritt des mächtigen Titelhelden zwar scheinbar endlos rausgezögert wird. Beherrscht das radioaktive Mega-Monster aber dann endlich dann das Bild, rutscht man voller infantiler Begeisterung im Kinosessel herum.

Allerdings haben in dem Epos von Gareth Edwards eben auch Schauspiel-Größen wie Juliette Binoche und Bryan Cranston eindringliche Rollen und der ernste Tonfall des Films würde zu einem fesselnden Thriller passen. Ganz anders liegt der Fall bei der „Jurassic-Park“-Reihe. Seit Steven Spielbergs Originalfilm aus dem Jahr 1993 variieren diverse Sequels immer nur den selben bewährten Mix aus Dino-Action, familienfreundlichen Gags und einer Portion Kitsch. Auch „Jurassic World: Fallen Kingdom“ hält sich mit kleinen Abweichungen an diese Erfolgsformel.

Jurassic World: Fallen Kingdom

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Gothic-Grusel und müde Pointen

Man muss also, wenn man die stellenweise tatsächlich prächtig animierten Saurier sehen will, durch jede Menge glattgebügelter Story durch. Dabei geht die Bedrohung anfangs nicht vom Tyrannosaurus oder den Raptoren aus, sondern von einem ausbrechenden Vulkan auf Isla Nuba, der die Existenz der Urzeittiere gefährdet. Chris Pratt und Bryce Dallas Howard müssen sich schnell versöhnen, denn das ungleiche Paar aus dem unfassbar erfolgreichen Vorgängerstreifen „Jurassic World“ soll die Rettungsaktion leiten, die ein reicher Spender finanziert.

Dass hinter dem extrem aufwändigen Transport der Dinos auf ein Privatgrundstück in Kalifornien windige Machenschaften stecken, ahnt man natürlich schon lange vor den beiden Helden. Zumindest birgt die Ortsveränderung für den spanischen Regisseur J.A. Bayona („The Orphanage“) ein paar Gelegenheiten, seine Affinität für Gothic-Grusel auszuleben. Und neben ein paar schönen Suspense-Momenten, die sich unter anderen einem neuen, ultragefährlichem Saurier aus dem Gen-Labor verdanken, nimmt sich der Film in der zweiten Hälfte auch Zeit für ein paar Ohrfeigen in Richtung kapitalistischer Gier.

Umfassende Begeisterung will sich bei diesem fünften „Jurassic Park“-Ableger aber genauso wenig einstellen wie bei den Fortsetzungen davor. Alles funktioniert zu glatt und immer wenn sich eine Spur von Spannung eingestellt hat, muss ein putziger Saurier ins Bild blinzeln oder eine eher müde Pointe platziert werden. Chris Pratt, noch vor ein paar Jahren die erfrischend leichtfüßige Helden-Hoffnung des Mainstreamfilms, bestreitet mittlerweile einer Großteil seiner Szenen mit einem Minimum an lustiger Mimik. Brice Dallas Howard darf sich glücklicherweise eine Spur tougher geben als in „Jurassic World“, von den feministisch oder politisch angehauchten Subtexten, die aktuell durch die „Star Wars“ Saga oder auch diverse Superhelden-Reihen geistern, ist die harmloseste aller Eventkino-Franchises aber weit entfernt.

Jurassic World: Fallen Kingdom

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Fazit: Menschen laufen wieder hysterisch schreiend vor fantastischen Monstern davon, man muss ersteren aber leider auch ausführlich beim Reden zuhören. Und wie schon der verklärte Urfilm von Steven Spielberg fühlt sich dieser Film über einen Themenpark wie ein Besuch in einem Themenpark an. Man lacht, während man drinnen ist, fühlt sich unterhalten, aber nach dem Besuch von „Jurassic World: Fallen Kingdom“ macht sich Übersättigung und Erschöpfung breit.

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