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Technicolor-Schatzkisten & Schnauzbärte

Das Kino unter Sternen ist zurück und öffnet eine Technicolor-Schatzkiste, das Stadtkino lädt zum Sundown Cinema und das dotdotdot denkt wie immer alles mit - und weiter. Sommerkino-Empfehlungen von „The Red Shoes“ über „Le Cercle Rouge“ zu „Shaun of the Dead“.

Von Pia Reiser

Sommmerkino ist im schlimmsten Fall eine Versuchsanordnung verzweifelter Veranstalter, um herauszufinden, ob französische Komödien vielleicht besser sind, wenn man sie an der frischen Luft anschaut. Die Antwort lautet immer: Nein. Sommerkino ist im besten Fall - und vor allem Wien ist voll von diesen besten Fällen - ein experimentierfreudiges Weiterdenken des Kinobegriffs, eine Neu-Deutung von Orten durch ihre temporäre Kinowerdung und eine höchst niederschwelliges Angebot, sich mit dieser herrlich freudigen Angelegenheit namens Film auseinanderzusetzen, nein, das klingt zu sachlich, sich sommernächtens wieder und wieder in diese wunderbare Sache namens Film zu verlieben.

Apropos „sommernächtens“: Am 14. Juli gibts „Grease“ beim Kino am Dach zu sehen, das Schlurf- und Petticoat-Musical über amerikanische Sexualmoral.

Eine meiner ganz großen Sommerkinoprogrammlieben dieses Jahr heißt „Wonderama“, weil, wie schreibe ich eh in jedem fünften Text: Es gibt wenig Schöneres, als Menschen auf der Leinwand beim Tanzen zuzusehen. Die Reihe „Wonderama“ ist Teil des Programms des „Kino unter Sternen“ am Karlsplatz in Wien, das nach letztjähriger, budget(und förderungs-)bedingter Pause, glücklicherweise wieder zurück ist. Die mit exzellentem Händchen kursierte Reihe „Wonderama“ ist eine Schatzkiste, die vielleicht auch Leuten, die beim Wort „Tanzfilm“, die Augen verdrehen, die Augen öffnet. Ein in Technicolor getunktes Filmprogramm, eine Ode an die Möglichkeiten des Kinos.

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„The Red Shoes“

Keinesfalls verpassen: „The Red Shoes“, der auf einem Märchen beruhende Ballettfilm mit den zweitberühmtesten roten Schuhen der Filmgeschichte. Die Geschichte um eine Ballett-Tänzerin fasziniert mit surrealen Sequenzen und großer Traurigkeit. Einer der Lieblingsfilme von Martin Scorsese (und „Hereditary“-Regisseur Ari Aster) und eine Inspirationsquelle für Darren Aronofskys „Black Swan“.

Aus dem Kuriositätenschrank hat das Kino unter Sternen außerdem noch das viel zu selten gezeigte Kindermusical aus der Feder von Dr Seuss geholt: „The 5000 Fingers of Mr T“, ein filmischer Fiebertraum. Doch Blicke werden hier nicht nur zurück geworfen, auch einige Previews zeigt das Kino unter Sternen, unter anderem die großartige Doku „Bruder Jakob schläfst du noch“. Vier Brüder machen sich von Tirol nach Portugal auf, in das Land, in das ihr fünfter Bruder ausgewandert ist - und Selbstmord begangen hat. Ein rührendes und ungewöhnliches Familienporträt.

Killer und Musik

Das Stadtkino, geografisch auch nur einen Gedankensprung vom Kino unter Sternen entfernt, lädt zum Sundown Cinema, was in meinem Kopf ein auch nicht uninteressantes Double Feature an Ohrwürmern auslöst (nämlich das hier und das hier), was aber auch wieder ganz gut passt, weil auch das Sundown Cinema präsentiert sich im Double Feature Modus. Unter der thematischen Klammer Silent Killer trifft hier einer meiner Lieblingsfilme - „Le Cercle Rouge“ auf einen meiner Hassfilme - „Ghost Dog“. Aber Sommerkino kann man ja auch als Gelegenheit zur Aussöhnung mit einer Leinwand-Nemesis nutzen, also vielleicht schließe ich immerhin Waffenstillstand mit dem Ghost Dog.

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„Le Cercle Rouge“ oder „Hat hier jemand gefragt, ob Alain Delon auch mit Schnurrbart blendend aussieht?“

Abgesehen von den stillen Killern präsentiert sich das Sundown Cinema als breit gefächerter musikalischer Schwerpunkt. Mit dabei hier der einzige Mann, der den schlechten Ruf des Bademantels noch retten kann: Pianist, president of the Berlin underground, Rapper, Entertainer, Klavierspiel-Rekordbrecher und Charmebolzen Gonzales: Die Doku über den Musiker „Shut up and play the piano“ taucht in mehreren Sommerkinos auf und das zurecht. Am 24.07 im Sundown Cinema, am 15.07 im Kino wie noch nie und am 19. August im Arena Sommerkino.

Unbedingte Sundown-Cinema-Programm-Empfehlung, weil man sich dem besser im Kino aussetzt als zuhause am kleinen Bildschirm, für Jean Luc Godards „westliche Gegenkultur der 1960er Jahre in a Nutshell“-Kleinod namens „Sympathy for the Devil“. Überhaupt kann man sich aus dem Wiener Sommerkinoprogramm ein kleines Pro-Seminar zur filmischen Auseinandersetzungen mit den Versprechen der Hippie-Bewegung basteln. Beim wunderbar-lauschigen „Kino wie noch nie“ am Augartenspitz gibt es den „Make Love not War“-Programmpunkt mit Dokus wie „Monterey Pop“ und „Woodstock“, den Konsenskanonklassikern „Easy Rider“ und „Zabriskie Point“ und erfreulichen Überraschungen wie Barbet Schroeders „More“. Darauf packen wir dann außerdem noch „Hair“ aus der feinen Milos Forman-Würdigung, die ebenfalls beim „Kino wie noch nie“ über die Leinwand flirrt.

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„Zabriskie Point“

Apropos lange Haare und Zauselbärte: Wer den Kinostart am 18.08 von „Don’t worry he won’t get far on foot“ nicht erwarten kann, kann Gus van Sants neuen Film hier schon eine Woche früher, am 11. August sehen und wer jetzt schon Viennale-Stress antizipiert, kann am 18. August bereits einen - geheimen - Film der Viennale als Preview sehen und seufzend ein „Erledigt“-Hakerl in der zukünftigen Viennale-Watchlist machen.

Wie immer das die Welt um uns herum mitdenkendste, engagierteste und experimentierfreudigste Festival ist das hochsympathische dotdotdot im Garten des Volkskundemuseums. Inklusion, Diskussion, Politik und Party sind hier nicht nur fahle Schlagwörter, genaue Programmdurchforschung lohnt sich, hier findet man Filme von Andrea Arnold und Dustin Guy Defa und wahrscheinlich die kollektive Versöhnung mit Gerard Depardieu, am besten aber, man schaut sich etwas an, von dem man noch nie etwas gehört hat. Dem dotdotdot kann man vertrauen.

gerrard depardieu in "rhapsody"

silex films

„Rhapsody“

Ebenfalls die reinste Durchklickfreude ist wie jedes Jahr das Programm des frameout im Museumsquartier. Ein Kurzfilmprogramm von #Klappe Auf, Dokus übers Surfen und Street Art und dann auch noch ein Trouble Feature des wahnwitzig-superen Diskollektivs, die Filme aufeinanderprallen lassen, die sich sonst wohl nie getroffen hätten. Man behält sich auch hier Geheimniskrämerei vor, worauf also „L’Homme de Rio“ mit Jean Paul Belmondo und Francoise Dorleac am 3. August trifft, bleibt bis zum Schluss geheim.

Das Volxkino lädt wie immer ein öffentlichen Raum neu zu deuten und Plätze in Wien neu zu entdecken, das Wanderkino bespielt ganz unterschiedliche Orte in Wien und hat auch „FM4 Favourites“ mit im Gepäck: Unter anderem Melancholisches Coming of Age in „Mit Siebzehn“ und popkulturell aufgeladene Zombiejagd in „Shaun of the Dead“. Und wer immer schon mal sehen wollte, wo „Muttertag“ gedreht wurde und auch noch Interesse dafür hat, was Taika Watiti so macht, wenn er nicht „Thor: Ragnarork“ dreht, der kann sich am 13. Juli im Schöpfwerk „Wo die wilden Menschen jagen“ anschauen. In jedem österreichischen Sommerkinosommer taucht dankenswerterweise irgendwo „Zorba the Greek“ auf. Anthony Quinn und Alan Bates in Anzügen am Strand tanzend. Sommeriger wird es nicht mehr. Das Cinema Paradiso am St. Pöltener Rathausplatz zeigt „Zorba The Greek“ am 29. Juli. Und dann kan nman eigentlich gleich sitzen bleiben, denn am 30.07 flimmert „The Death of Stalin“ über die gleiche Leinwand die fantastisch-böse Adaption einer Graphic Novel über die Machtkämpfe nach Stalins Tod.

Szenenbild: Shaun of the Dead

volxkino

„Shaun of the Dead“

Beim Silent CInema in Innsbruck kann man über das Programm noch abstimmen

Für alle, die „Call me by your name“ _immer noch nicht_ gesehen haben, das Kino im Kesselhaus in Krems hat den am 19. Juli im Programm und das Kino wie noch nie am 28. Juli, das Leslie Open am 8. Juli. OliverOliverOliver. ElioElioElio.

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„Playtime“

Wie bei allen Regeln gibt es auch eine Ausnahme, bei einer französischen Komödie, die im Sommerkino-Programm auftaucht, muss man nicht großräumig ausweichen: Jacques Tatis Architekturballade und Demaskierung und Kritik der modernen Stadt „Playtime“ läuft am 22. Juli im Rahmen von Kino wie noch nie.

szenenbild little miss sunshine

kino am dach

„Little Miss Sunshine“

Auf ins Sommerkino

Alle, die sich jetzt denken, ich scroll mal lieber gleich hier runter, vielleicht gibts die Empfehlungen auch in Listenform: Bittesehr.

28.06: The Death of Stalin, Leslie Open, Graz
29.06: M - Eine Stadt sucht einen Mörder, Kino wie noch nie, Wien
03.07: Borg/McEnroe, Sternenkino, Salzburg
04.07: Bruder Jakob schläfst du noch, Kino unter Sternen, Wien
05.07: Rhapsody, dotdotdot, Wien
05.07: Person to Person, dotdotdot, Wien
07.07: The Red Shoes, Kino unter Sternen, Wien
09.07: Das finstere Tal, Sommerkino Aspern Nord, Wien
11.11: The 5.000 Fingers of Dr. T, Kino unter Sternen, Wien
12.07: Monterey Pop, Kino wie noch nie, Wien
13.07: Wo die wilden Menschen jagen, Am Schöpfwerk, Wien
14.07: Double Feauture: Silent Killers, Stadtkino, Wien
17.07: Hair, Kino wie noch nie, Wien
13.07: Little Miss Sunshine, Kino am Dach, Wien
13.07: The Rider, frameout, MQ, Wien
14.07: Grease, Kino am Dach
19.07: Call me by your name, Kino im Kesselhaus, Krems
20.07: Alexis Sorbas, voestalpine open space, Linz
20.07: The Social Network, Kino am Dach, Wien
21.07: FM4 Favourites: Mit siebzehn, Dornerplatz, Wien
22.07: Playtime, Kino wie noch nie
23.07: Sympathy for the Devil (One Plus One, Stadtkino, Wien
28.07: The Girls, frameout, MQ, Wien
29.07: Zorba The Greek, Cinema Paradiso, Rathausplatz St.Pölten
30.07: The Death of Stalin, Cinema Paradiso, Rathausplatz St.Pölten
01.08: Was hat uns bloß so ruiniert, Sommerkin Stadtwerk, Salzburg
01.08: Lichter der Großstadt, Open Air Braunberghütte St. Oswald
03.08: Trouble Feature: L’Homme de Rio & Überraschungsfilm, frameout, MQ, Wien
06.08: Der seidene Faden, Cinema Paradiso, Rathausplatz St.Pölten
11.08: Don’t worry he won’t get far on foot, Kino wie noch nie, Wien
17.08: Dog, dotdotdot, Wien
17.08: Patti Cake$, Arena Sommerkino, Wien
19.08: Shut up and play the piano, Arena Sommerkino, Wien
01.09: FM4 Favourites: Shaun of the Dead, Alois-Drasche-Park, Wien

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