FM4-Logo

jetzt live:

Aktueller Musiktitel:

Babsi Zangerl klettert eine Felswand hoch

Robert Bösch

Babsi Zangerl ist das „ultimative Dark Horse“ im Klettern

Kaum jemand klettert in so vielen Disziplinen so stark wie Babsi Zangerl und dennoch ist sie der Geheimtipp unter den Kletterstars, trotz zehntausender Social-Media-Follower. Was da dahintersteckt versuchen wir in unserer Sommerserie „Pros & Profiles - SportlerInnen auf Social Media“ herauszufinden.

Von Simon Welebil

Barbara Zangerl ist eine der weltbesten Kletterinnen, und das in nahezu allen Disziplinen. Begonnen hat sie mit Bouldern, wo sie 2008 mit „Pura Vida“ als erste Frau ein Boulderproblem der Schwierigkeit 8b lösen konnte. Ein Bandscheibenvorfall, ausgelöst durch das viele Abspringen aus großer Höhe, hätte dann mit 19 Jahren fast ihre Karriere beendet. Das Bouldern musste Babsi Zangerl jedenfalls bleiben lassen. Aus therapeutischen Gründen hat sie danach mit dem Seilklettern begonnen, das aber rasch auch zur Leidenschaft geworden ist.

Es hat auch nicht lange gedauert, bis sie im Sport- und Alpinklettern Ausrufezeichen gesetzt hat. Wiederum als erste Frau klettert sie 2013 die legendäre „Alpine Trilogie“, in den letzten drei Jahren hat sie mit drei extrem schweren freien Durchstiegen am El Capitan („El Nino“, „Zodiac“ und „Magic Mushroom“) auch in den USA Begehungen mit Schlagzeilen-Charakter geliefert.

Trotz ihrer überragenden Kletter-Biographie gilt die 30-jährige Babsi Zangerl allerdings immer noch als „Dark Horse“ (besser: „the ultimate dark horse“, als eher unbekannte Größe, was vielleicht auch mit ihrer Selbstvermarktung zu tun hat, wie sie selber meint: „Ich klettere einfach brutal gern und brauche viel Zeit fürs Klettern, daher bleibt nicht so viel Zeit, um in Marketing oder das Business zu investieren. Für mich ist es momentan sehr wichtig, dass ich meine Ziele und Projekte verfolgen kann, deswegen lege ich gar nicht so viel Wert auf die Vermarktung.“

FM4 Draußen: Pros & Profiles - SportlerInnen auf Social Media

Auf Social Media aktiv zu sein ist für SportlerInnen Teil ihres Alltags geworden. Sie müssen nicht nur sportlich erfolgreich sein, sondern sich und ihre Erfolge auch verkaufen können. Unseren Timelines bringt das jede Menge Super-Content, Hochglanzbilder, Actionvideos, Inspirationen? Was aber bedeutet das für die SportlerInnen und ihre Sportart? Empfinden sie Social Media mehr als Chance oder als Belastung? Diesen und anderen Fragen spürt FM4 Draußen den ganzen Sommer lang in der Porträtserie: „Pros & Profiles – SportlerInnen auf Social Media“ nach.

Folge 1: Martin Schopf
Folge 2: Kletterin Babsi Zangerl
Folge 3: Parcour-Athlet Alex Schauer (Donnerstag, 19.7.)

„Möglichst authentisch bleiben“

Natürlich ist auch Babsi Zangerl klar, dass Selbstvermarktung dazugehört, wenn man vom Klettern leben will. Für alle Sponsoren sei es heutzutage immens wichtig, dass man auf Social Media aktiv sei, sagt sie. Für sie persönlich ist es aber wichtig, dabei möglichst authentisch zu bleiben und sich nicht zu verbiegen, und weil sie ihren Teilzeitjob in der Radiologie im Krankenhaus Bludenz nicht aufgegeben hat, muss sie das auch nicht.

Auf ihren Instagram und Facebook-Account gibt’s daher keine Selfies, kaum Porträts oder Privates. Hier dreht sich alles ums Klettern, Babsi Zangerl in schwierigsten Routen durch höchste Wände, in Vorarlberg, in Arco oder am El Capitan im Yosemite Valley, und um den Kletteralltag, wie Babsi etwa ihre geschundenen Finger taped oder gemeinsam mit ihrem Partner Jacopo Larcher in einem Hängezelt mitten in der Felswand übernachtet. Ihre Accounts profitieren dabei extrem von der Fotoleidenschaft von Jacopo, der auf all ihren gemeinsamen Klettertrips die Kamera dabei hat und mit ihr Hochglanzbilder für die Timelines schießt.

Social Media Strategie? Fehlanzeige

Über 30.000 Menschen folgen Babsi Zangerl auf Instagram, mehr als 13.000 auf Facebook und all ihre Postings erzielen tausende Likes. Trotzdem fehlt ihr auf die Superstars der Kletterszene noch einiges bezüglich Followerzahlen. Die 20-jährige US-Amerikanerin Margo Hayes hat etwa über 150.000 Insta-Follower, was Babsi aber nicht besonders umtreibt. Ihre Social-Media Aktivitäten müssen ihr vor allem Spaß machen, das müsse reichen. Sie ist auch meilenweit davon entfernt, sich eine Social Media-Strategie zurechtzulegen: „Ich bin heute noch die schlechteste bei ‚Storys‘, ich mach nur Standard-Storys ohne Smilies und so, relativ freestyle und habe überhaupt keine Idee, was gut oder schlecht funktioniert.“

Barbara Zangerl

Simon Welebil

Jacopo Larcher und Babsi Zangerl beim King of Kanzi Kletterfestival

Was Babsi Zangerl auch nicht will ist, sich beim Planen neuer, schwieriger Kletterprojekte gleichzeitig zu überlegen, wie sie diese medial umsetzt, ob sie jemand zum Filmen mitnimmt, wann sie was posten soll oder wie sie es verkauft: „Mich persönlich stresst das. Wenn ich das im Vorhinein schon mache, dann ist mir fast schon klar, dass das Projekt schon nicht mehr so cool wird, als wie ich es mir vorgestellt habe.“

Und außerdem wisse sie im Vorhinein nie, ob ein Projekt funktioniert. Die sind nämlich meistens so schwer, dass sie beim Einsteigen in eine Route annimmt, sie sei zu schwer für den Durchstieg. Verständlich, dass man ein Scheitern nicht an die große Glocke hängen will. Läuft alles wider Erwarten gut, wird dann recht spontan über Postings entschieden oder jemand zum Filmen eingeladen. Bei Babsi Zangerl stehen Kletterziel und das Erlebnis an erster Stelle, Social Media kommt danach. Eine Route erfolgreich bis zum Top zu klettern löst immer noch mehr Glücksgefühle aus als tausend Insta-Likes.

Fürs Klettern hat die Social-Media Revolution nicht nur Gutes gebracht

Babsi Zangerl hat zu klettern begonnen, als Social Media noch mehr dem Austausch als der Selbstvermarktung gedient haben. Sie mag es, dass heutzutage jeder verfolgen kann, was die anderen Kletterer so machen, dass man leichter neue Kletterrouten und -gebiete entdeckt und dass Menschen zum Klettern inspiriert werden, andere Auswirkungen, die Social Media fürs Klettern gebracht haben, sieht sie allerdings kritisch.

Babsi Zangerls Follow-Empfehlungen:

Babsi Zangerl würde ihr Smartphone gerne öfter zu Hause liegen lassen, aber sie hängt dann doch auch sehr oft am Handy. Abonniert hat sie übrigens hauptsächlich Leute, mit denen sie eine persönliche Geschichte verbindet, nicht unbedingt jene, die den interessantesten Content liefert - ein Kletterkollege sticht da aber doch hervor - dessen Account man aber mit „Nicht nachmachen“ kennzeichnen sollte: „Ich würde Hansjörg Auer folgen, weil wenn der was postet ist es meist was Brutales (lacht)“. Hier ein Beispiel:

Jeder könne ein Bild aus einer schweren Kletteroute posten und behaupten, sie geschafft zu haben, Überprüfung gäbe es aber keine, sagt sie etwa. Und der Druck von Sponsoren, möglichst viel aufregenden Content zu posten und mehr Follower anzuhäufen führe dazu, dass viele Kletterer weniger eine eigene Linie fahren würden, sondern sich darauf fokussieren, wie man möglichst viele Leute erreichen könnte. Die würden dann zu Kletterprojekten neigen, die man leichter verkaufen könne.

Dass manche Sponsoren da mitspielen würden und mehr auf Social Media-Reichweite als auf Kletterleistung schauen würden, behagt ihr auch nicht. Vor diesem Hintergrund ist dann auch verständlich, dass ihre Sympathien denjenigen gelten, die dieses Spiel nicht ganz mitspielen: „Ich finde oft die Kletterer cool, die weniger Social Media machen und trotzdem so stark klettern wie die Vollprofis, aber weniger Aufmerksamkeit bekommen.“ Zu denen gehört sie wohl selber, und das gefällt Zehntausenden.

Aktuell:

Werbung X