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Blumenaus WM-Journal

Die Festung Europa; und die Sache mit dem Star-Fokus

Warum die Dominanz Europas keinen Paradigmenwechsel bedeutet. Und warum sich das Star-Prinzip nicht bewährt.

Von Martin Blumenau

Ein Wahnsinn! Die Schere geht voll auseinander - zehn europäische Teams unter den letzten 16. Bald wird’s wie im Klub-Fußball sein, wo sich nur die Großen untereinander matchen und den Abstand zu den Kleinen derart vergrößern, dass ein Aufholen für alle Zeiten unmöglich gemacht wird.

The daily blumenau bietet seit 2013 ebenso wie sein Vorgänger, das Journal, regelmäßig Einträge zu diesen Themenfeldern.

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Soweit die alarmistischen Botschaften von teilweise durchaus ernstzunehmenden Auskennern. Ich bin nicht so sicher und möchte eine andere Sichtweise anbieten...

1) Es war noch nie anders. Europa und die großen Südamerikaner (samt Mexiko) packen alle anderen ein - hier ein Link der die letzten fast 40 Jahre vergleicht. Jeder Außenseiter aus der fußballerischen Peripherie ist die Ausnahme. Ob jetzt einer oder drei das Achtelfinale packen, ist von Kleinig- und Zufälligkeiten abhängig und deshalb kein großartiger Kurswechsel.

2) Der Glaube an das riesige brachliegende Potential von Afrika hat sich als exotistische Fantasie herausgestellt. Die infrastrukturellen Nachteile der Verbände sind nicht durch Trainer-Importe oder Spieler-Exporte wettzumachen, 30 Jahre Vorsprung nicht aufzuholen, vor allem wenn die gesamtgesellschaftliche und global-ökonomische Situation das nicht zulässt. Und es ist ziemlich egal ob die Kicker in Europa oder den größeren afrikanischen Ligen spielen: an der prinzipiellen Wettbewerbsfähigkeit ändert das gar nichts.

Ähnliches gilt für die kleineren südamerikanischen Verbände ebenso wie für Mittelamerika oder Asien/Australien. Wrklich abgefallen ist kein einziger WM-Teilnehmer.

3) Die großen Ligen (England, Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich) funktionieren eher als Gleichmacher denn als Eliten-Bildner. Den Vereinen ist es schnurz woher ihre Investitionen/Risikokapitale/Aktien aka Spieler kommen - sie müssen nur Rendite abwerfen. Im Optimalfall kann sich um eine Handvoll solcherart nach oben gespülter Spieler auch kleinerer Nationen eine Nationalmannschaft bilden, die kurzzeitig in die Spitze vorstößt. Ist schon passiert; aktuell halt gerade nicht; wird aber wieder geschehen.

4) Letztlich geht es kleineren europäischen Nationen/Ligen auch nicht anders. Auch sie dienen als Zulieferer für das big business der großen Ligen und formen ihre Verbands-Teams aus ihren zahlreichen Exporten. Kroatien und andere Balkan-Länder etwa bereits seit Jahrzehnten, durchaus erfolgreich. Oder Skandinavien, oder Belgien, oder die Schweiz. Selbst ein Zwerg wie Island kann so etwas erreichen.

5) Die bei den Vereinen künstlich (etwa durch entsprechende Reformen bei Champions und Europa League) beförderte Schere ist bei den Nationalmannschaften nicht möglich. Es sei denn die Nations League-Idee wird von der FIFA in einer Art Kastensystem aufgegriffen. Solange eine WM aber davon lebt, dass alle Weltgegenden halbwegs vertreten sind - und das macht einen großen Teil des Reizes (völkerverbindende Bilder, entsprechende Sonntagsreden, lustige Gewänder und Hüte, alles optisch gut vermarktbar) aus - gestaltet sich der Wettbewerb offen.

Die Star-Orientierung als Auslauf-Modell?

Und dann noch ein Nachsatz zum Trend, dass sich Nationalteams rund um einzelne Stars gruppieren bzw. an ihnen ausrichten. Das bisherige Turnier zeigt, dass es dort Erfolg gibt, wo sich der Star ein- oder gar unterordnet, und dass der Bröselfaktor dort am Höchsten ist, wo der Key-Player Ansprüche geltend macht.

Positiv-Beispiel ist CR7. Portugal orientiert sich nicht an seinem Superstar, wie das etwa Negativbeispiel Argentinien mit Messi tut, sondern nützt schlicht seine Stärken, ohne auf ein funktionierendes Teamgefüge zu verzichten. Bei Messi und auch im schlimm schiefgegangenen Fall Polen/Lewandowski steht jeder Angriff unter der Prämisse „wie spiel ich ihm jetzt den Ball zu“, steht jede strategische Entscheidung unter dem Motto „wie bau ich ihn ein“. Brasilien ist fast in eine vergleichbare Falle getappt, hat aber mit Coutinho einen Mann direkt neben/hinter Neymar gestellt, der die für den Junior deutlich zu große Verantwortung quasi im Windschatten absaugt.

Überhaupt: besonders dominante Spieler (Modric, Eriksen, Pogba, Kroos, James, Mane, Salah) können das Schicksal ihrer Teams dann (negativ) beeinflussen, wenn der Rest der Mannschaft passiv wird und die Verantwortung an sie delegiert - und in eingen Fällen ging das schon schief. Am besten man hat - wie Belgien oder Spanien - zwei, drei, vier Stars, die auf einem Level agieren und einander nichts nehmen.

Der exaltierte Starspieler der Marke Ibrahimovic, der viel fordert und dann nur wenig liefert, ist jedenfalls - das zeigt die WM recht deutlich - ein Auslauf-Modell.

Achtelfinale
AF1: Frankreich - Argentinien 4:3 Review
AF2: Uruguay - Portugal 2:1 Review
AF3: Spanien - Russland 1:1 - 3:4 i.E. Review
AF4: Kroatien - Dänemark 1:1 - 3:2 i.E. Review
AF5: Brasilien - Mexiko 2:0 Review
AF6: Belgien - Japan 3:2 Review
AF7: Schweden - Schweiz 1:0 Review
AF8: Kolumbien - England 1:1 - 3:4 i.E. Review
Viertelfinale
VF1: Frankreich - Uruguay 2:0 Review
VF2: Brasilien - Belgien 1:2 Review
VF3: Schweden - England 0:2 Review
VF4: Russland - Kroatien 2:2 - 3:4 i.E. Review
Semifinale
SF1: Frankreich - Belgien 1:0 Review
SF2: England - Kroatien 1:2 Review
Spiel um Platz 3
Belgien - England 2:0 Review
Finale
Frankreich - Kroatien 4:2 Review

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